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Pädophilen-Initiative Eine Anlaufstelle für Pädophile

Wie verhindern, dass sich Männer mit pädophilen Neigungen an Kindern vergreifen? Eine Ostschweizer Fachstelle beging vor einem Jahr mit einer Präventions-Kampagne Neuland. Pädophile sollen motiviert werden, freiwillig eine Therapie zu machen. Noch ist der Zulauf gering.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch während der Therapie.
Legende: Bei einer Therapiesitzung. Keystone

Das Forensische Institut Ostschweiz in Frauenfeld ist in der Schweiz federführend in der Pädophilen-Prävention. Die Ostschweizer Fachleute sind der festen Überzeugung: Es gibt viele Pädophile, die wegen ihrer Veranlagung leiden und Hilfe suchen. Deshalb haben sie ein Beratungs- und Therapieangebot für Männer mit pädophilen Neigungen ins Leben gerufen.

Erreichen will man Betroffene mit Informationsbroschüren. Seit einem Jahr liegen diese schweizweit bei Fachstellen, Polizei, Ärzten und Justiz auf.

Martina Loher ist Psychologin beim Forensischen Institut Ostschweiz. Sie sagt: Es sei wichtig, ihr Angebot bekannt zu machen. Auch wenn sie zugibt, dass eine Therapie einen Pädophilen nicht von seiner Neigung erlöst: «So eine Neigung kann man nicht beheben; das ist so und lässt sich nicht ändern.» In der Therapie soll der Mann lernen, die Neigung zu akzeptieren und damit umzugehen. «Das Ziel: Übergriffe unbedingt verhindern.»

Strategien sind das A und O

Aber wie bekommt der Betroffene seine Pädophilie in den Griff? Durch Strategien, antwortet die Fachfrau. Das könne zum Beispiel bedeuten, sich keinen Internet-Anschluss anzuschaffen. So komme er nicht in Versuchung, Pornographie mit pädophilem Inhalt zu konsumieren.

«Grundsätzlich geht es immer darum: Was für eine Situation könnte für die Person riskant oder schwierig zu kontrollieren sein?» Dann suche man zusammen, was für Strategien helfen könnten. «Zum Beispiel könnte die Person von Nachbarn angefragt werden, deren Kinder zu hüten. Eine mögliche Risikosituation. Der Betroffene sollte sich dessen bewusst sein und ablehnen.»

Für Betroffene schwierig und belastend

Das Forensische Institut Ostschweiz therapierte in Frauenfeld bisher 25 Männer aus der ganzen Schweiz. Das klingt nach wenig. Martina Loher weist aber auf die enorm hohe Hemmschwelle der Betroffenen hin: «Viele Personen wissen seit Jahren oder gar Jahrzehnten, dass sie an dieser Neigung leiden. Sie haben aber noch nie mit jemandem darüber geredet.» Sie müssen dies verschweigen: «Damit zu leben, ist schwierig und belastend.»

Den Männern, die sich freiwillig zu einer Therapie entschliessen, wird Anonymität zugesichert. Drei Psychologen sind am Forensischen Institut Ostschweiz angestellt. Therapiert wird vor allem in Einzelgesprächen. Zum Teil werden – in Zusammenarbeit mit Hausärzten und Psychiatern – auch Medikamente eingesetzt, um den Sexualtrieb zu dämpfen.

Jeder 100. Mann

Experten gehen davon aus, dass jeder 100. Mann pädophile Neigungen hat. Um noch mehr Betroffene zu erreichen, möchte das Forensische Institut Ostschweiz deshalb seine Präventionskampagne um eine grossangelegte Plakat-Kampagne in der Deutschschweiz ergänzen.

Falls genügend Geld zusammenkommt, soll es Anfang nächsten Jahres losgehen. Als Vorbild dient eine Kampagne aus Berlin. Dort wurden mit Slogans wie «Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?» viele Pädophile zur Therapie bewegt.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Dieter.Gieseking, Pforzheim
    Das schweizer Projekt nimmt sich das deutsche Projekt "Kein Täter werden" als Beispiel. Dieses Projekt an der Berliner Charite wird von deutschen Pädophilen & Pädosexuellen überwiegend abgelehnt. Das wird in der Schweiz nicht anders sein.
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Martina Loher ist Psychologin und sagt: «So eine Neigung kann man nicht beheben; das ist so und lässt sich nicht ändern.» FALSCH. Pädophilie ist eine Persönlichkeitsstörung. Wer nicht auf Augenhöhe seine Bedürfnisse wie Sex leben kann, braucht ein Machtgefälle: In der Prostitution, 30 Jahre Unterschied, Vermögen oder Kinder. Diese Störung wird negiert. Heterosexuell, schwul, lesbisch, bisexuell sind Neigungen, von denen wir nicht wissen, wie sie genau entstehen. Ok, weil unter Erwachsenen.
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  • Kommentar von Urs Gehrig, F - Montpellier
    Und wie verhindern, dass Familien ihre schwächsten Mitglieder ausstossen und damit zu Opfern werden lassen ? Es gibt auch Mütter, die ihre Kinder direkt zum Kinderschänder bringen. Eine Therapie für Männer (nicht nur, siehe stern N° 32 vom 1.8.2013) genügt leider nicht. Man muss auch etwas über die Situation der Opfer in der Familie lernen.
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