Schweizer Atomkraftwerke sollen bis 2029 vom Netz

Das Komitee um die Atomausstiegsinitiative liess heute ihre Kampagne vom Stapel. Sie basiert auf einer Warnung: Die Schweiz betreibe die ältesten AKW der Welt. Und setzt Zuversicht voraus: dass die Schweiz wie kaum ein anderes Land für die Energiewende bereit sei.

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Argumente für den Atomausstieg

2:09 min, aus Tagesschau vom 5.10.2016

Alle Schweizer AKW sollen nach 45 Jahren Laufzeit abgeschaltet werden – wenn es die Sicherheit verlangt, auch schon früher. Mit der Atomausstiegsinitiative, die am Mittwoch ihre Kampagne startete, müssten die fünf AKWs bis spätestens 2029 vom Netz gehen.

Die Schweiz betreibe mit Beznau I und II und Mühleberg die drei ältesten Atomkraftwerke der Welt, teilte die Allianz ‹Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie› mit. Beznau I sei mit seinen 47 Jahren der älteste Atomreaktor überhaupt und soll trotz Sicherheitsbedenken insgesamt 60 Jahre laufen.

Der Methusalem unter den Atomkraftwerken: Beznau. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Greis unter den Atomkraftwerken: Beznau. Keystone

Methusalems der AKWs

Noch nie sei ein AKW länger kommerziell betrieben worden. Das sei ein gefährliches Experiment. Denn schwere Atomunfälle passierten immer wieder. Dieses Risiko sei unnötig.

Der Atomausstieg sei im Grundsatz unbestritten, doch es fehle ein verlässlicher Plan. «Laufen lassen, so lange es geht, wie es das Parlament vorschlägt, ist fahrlässig und planlos», schreiben die Initianten weiter.

Versorgungengpass sei nicht zu erwarten

Die Initiative verlangt deshalb, dass die Schweizer AKW nach spätestens 45 Betriebsjahren vom Netz genommen werden. Für Beznau I und II sowie Mühleberg hiesse das, dass sie 2017 abgestellt werden müssten, für Gösgen 2024 und für Leibstadt 2029. Dadurch erhielten die öffentliche Hand sowie die Unternehmen Investitionssicherheit für den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Auch das ein altes Semester unter den Atomkraftwerken weltweit: Mühleberg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch das ein altes Semester unter den Atomkraftwerken weltweit: Mühleberg. Keystone

Die Initianten sind überzeugt, dass die Stromversorgung nicht gefährdet wäre. Mit Strom aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse könne der Atomstrom naturverträglich und effizient ersetzt werden. Die neuen Technologien hätten sich bewährt.

Ausserdem sei kaum ein anderes Land für die Energiewende besser abgestellt als die Schweiz. Bereits heute seien zwei Drittel der Stromproduktion erneuerbar, nur ein Drittel müsste innerhalb der nächsten 13 Jahre noch ausgebaut werden.

Nie wieder Fukushima

Die Grünen hatten das Volksbegehren nach der Atomkatastrophe von Fukushima von 2011 lanciert. Das Stimmvolk stimmt am 27. November darüber ab.

Der Allianz «für einen geordneten Ausstieg aus der Atomenergie» gehören mehr als 40 Organisationen und Verbände an. Von den grösseren Parteien unterstützen die SP, die Grünen und die Grünliberalen das Begehren.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Abbau der Atomkraftwerke wird zum Generationen-Thema

    Aus 10vor10 vom 5.10.2016

    In Deutschland ist der Atomausstieg beschlossene Sache. Doch der ganze Atommüll muss auch abgetragen und entsorgt werden. Eine Jahrhundertaufgabe.

  • Wie teuer kommt uns der Atomausstieg zu stehen?

    Aus 10vor10 vom 5.10.2016

    Die abgesegnete Energie-Strategie 2050 des Bundes verbietet den Bau von neuen Kraftwerken. Doch wie lange die bestehenden Kernkraftwerke aber am Netz bleiben, ist unklar. Doch der Ausstieg aus der Atomenergie ist leichter gesagt als getan.