Weniger Wahlfreiheit mit Einheitskasse?

Die Schweiz wird bald über eine Volksinitiative für eine Einheitskasse abstimmen. Als positives Beispiel für ein Land mit einer staatlichen Krankenkasse wird gerne Dänemark genannt. Dort ist der Gesundheitsmarkt viel stärker reglementiert als in der Schweiz – etwa bei den Spitälern.

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Bildlegende: Das Schweizer Stimmvolk wird entscheiden, ob es eine Einheitskasse will oder nicht. Colourbox

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System Dänemark

Dänemarks Gesundheitswesen ist stark zentralisiert. Es gibt nur eine einzige, staatliche Krankenkasse. Finanziert werden deren Leistungen über die Einkommenssteuer. Der Selbstbehalt für Arztbesuche liegt bei 13 bis 15 Prozent. Die Spitalkosten werden voll übernommen, allerdings gibt es teils lange Wartezeiten für Operationen.

In Dänemark deckt die Einheits-Krankenversicherung 85 Prozent aller Gesundheitskosten ab. Dazu gehören auch grosse Teile der zahnärztlichen Behandlungen. Die allermeisten Dänen sind im Hausarztmodell versichert. Das heisst, vor der Konsultation eines Spezialisten muss der Hausarzt aufgesucht werden. Dieser kann gewechselt werden, aber nicht fristlos und nicht beliebig oft.

Viel weniger Spitäler in Dänemark

Für die Dänen sei die Zentralisierung des Gesundheitssystem «an der Oberfläche» nicht so entscheidend, sagt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Er spricht damit die regionale Versorgung durch die Hausärzte an. Unterschiede zur Schweiz ortet Kaufmann dagegen im Spitalbereich. Dieser sei von den dänischen Behörden massiv reglementiert worden.

Hauptmassnahme: «Man hat die Zahl der Spitäler und der Spitalbetten reduziert.» Dies habe vor allem für jene Eingriffe Folgen, die geplant werden können, so Kaufmann. «Es entstehen sehr lange Wartezeiten.» Entsprechend seien die Unterschiede in diesem Bereich zum schweizerischen System mit den privat betriebenen Krankenkassen und einheitlichem Grundangebot am grössten.

Hohe Steuern, wenig Wahlfreiheit

Auch in Dänemark selber wird das dortige Gesundheitssystem kritisiert. Dies vor allem im Zusammenhang mit der grossen Steuerlast, die durch die Finanzierung der Grundversicherung entsteht. Trotz der grossen finanziellen Aufwendungen gebe es lange Wartezeiten für Eingriffe in Spitälern; oder ältere Menschen würden manchmal nicht die Behandlung erhalten, die sie bräuchten, sagt Korrespondent Kaufmann.

Hinzu kommt die Kritik an Behördenentscheiden, die ganz oben im Staatsapparat gefällt werden. «Es ist schon so, dass der Einzelne im dänischen Gesundheitssystem über weniger Wahlfreiheit verfügt, als in anderen Ländern», stellt Kaufmann fest.

Mit seinem Gesundheitssystem habe es Dänemark aber verstanden, die Kosten unter Kontrolle und unter dem Durchschnitt der OECD-Länder zu halten. Allerdings steigen die Ausgaben für die Gesundheit angesichts der technologischen Entwicklung im Medizinbereich und der demografischen Entwicklung – immer mehr Menschen werden immer älter – auch in Dänemark weiter an.