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AHV-Initiative Höhere AHV-Renten: Absturzszenario oder logischer Weg?

Braucht es höhere AHV-Renten oder sorgen sie für ein Riesenloch in der AHV? Gewerkschaften und Arbeitgeber sind sich nicht einig. Das zeigt die Gewerkschaftsinitiative AHV-Plus, die zehn Prozent höhere AHV-Renten verlangt. Am 25. September stimmen wir darüber ab.

Legende:
Entwicklung der AHV-Renten Die hier abgebildeten Renten seit Einführung der AHV entsprechen den damals ausbezahlten Summen. Die Minimalrente 1948 von 40 Fr. würden teuerungsbereinigt heute ca. 183 Fr. entsprechen, die damalige Maximalrente 570 Fr. Effektiv liegt die Minimalrente heute bei 1105 Fr. und ist damit teuerungsbereinigt mehr als sechs Mal höher als 1948. Die Maximalrente beträgt 2210 Fr. und ist somit knapp vier Mal höher als zu Beginn. Die 10. AHV-Revision hat die Ehepaarrenten abgeschafft. Ab 2001 wird der maximale Plafond angezeigt, den zwei Ehepartner mit vollständiger Versicherungszeit zusammen erhalten können. bsv.admin.ch

Die Finanzierung unserer Renten wird immer schwieriger. «Wir kommen in eine neue Ära», sagt Martin Kaiser, Rentenexperte des Arbeitgeberverbands. «Wir haben heute 1,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner. In 15 Jahren wird sich diese Zahl praktisch verdoppeln.»

Darum findet Kaiser es abwegig, dass die Gewerkschaften die AHV-Renten ausgerechnet jetzt um zehn Prozent erhöhen wollen. Es seien in Zukunft schlicht zu wenig Werktätige da, um das Geld für die Rentner aufzubringen. Zudem findet er es unseriös, dass der Vorschlag die schon bestehenden Finanzierungsprobleme ausblende. Wenn man bei der AHV fortfahre wie bisher, klaffe in der Kasse in 15 Jahren jährlich ein sieben-Milliarden-Loch.

Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbundes, sieht das ganz anders. Das eigentliche Finanzierungsproblem heutzutage hätten die Pensionskassen, nicht die AHV. Denn die Pensionskassen hätten bisher auch stark davon gelebt, dass sie am Kapitalmarkt Geld verdienten. Doch diese Grundfeste breche in Zeiten der Negativzinsen nun einfach weg. Deshalb sei die Stärkung der AHV sozial- und wirtschaftspolitisch «das einzig Vernünftige in der gegenwärtigen Situation».

Pensionskassen-Verlust auffangen

Der zu erwartende Verlust bei den Pensionskassen müsse von der AHV aufgefangen werden, so Lampart. «Die AHV hat ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis; man erhält viel Rente für relativ wenig Geld. Im Unterschied zu den Pensionskassen, bei denen die Beiträge stark steigen und die Leistungen aber sinken.» Finanzierbar sei das durchaus, wenn die Wirtschaft weiter einigermassen rund laufe. Dann genüge die Erhöhung der AHV-Lohnabgabe von 4,2 auf 4,6 Prozent, um die Alterung der Bevölkerung aufzufangen.

Kaiser von den Arbeitgebern widerspricht auch hier grundsätzlich. Selbst wenn man eine Erhöhung der AHV finanzieren müsste, dann sicher nicht über Erhöhung der Lohnnebenkosten. Diese Idee sei nicht sinnvoll. «Die Schweiz ist massiv unter Druck mit dem starken Franken. Es droht Arbeitsplatzabbau. Und das ist doppelt schädlich; für den Werkplatz Schweiz und für die AHV.»

20 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Als die AHV eingeführt werden sollte wurde das Referendum ergriffen von der BGB (heute SVP) und Arbeitgeberverbänden mit den genau gleichen Argumenten wie die gleichen Kreise heute wieder bringen.Trotz 2 Weltkriegen und einer schweren Rezession dazwischen waren die Schweizer 1947 intelligent genug für ein Modell zu stimmen, das die Rentner der Arbeiter- und Mittelschichtsfamilien aus der Sozialhilfe geholt hat.Hoffen wir, dass die Schweizerinnen und Schweizer von heute auch so weitsichtig sind.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      Wenn man mehr Geld ausgeben will, sollte man sich vorher auch um die Finanzierung kümmern. Sonst ist das ein Schuss in den Ofen. Die Quittung für eine AHV, die aus dem Ruder läuft, zähmen die Armen, nicht die Reichen. Die Zeiten vom 2. Weltkrieg sind vorbei. Die Lebenserwartung ist massiv gestiegen. Wir können nicht einfach mehr ausgeben, ohne länger zu arbeiten.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Herr Leu, danke für die Bestätigung meiner Aussage. Schon damals wurde der Abstimmungskampf genau mit dieser Argumentation gefüht; es sei nicht finanzierbar, man lebe in finanziell schwierigen Zeiten, am Schluss würden die Armen die Zeche bezahlen, das Modell habe keine Zukunft. Es fehlt nur noch das Argument jeder sei für sich selber verantwortlich.
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    3. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Herr Hanspeter Müller, Die fehlenden Argumente liefern Ihnen gerne die Griechen und Italiener. Die haben auch gedacht, alles sei finanzierbar. Die Italiener mussten blitzartig und unkontrolliert das Rentenalter erhöhen und die Griechen haben die Renten gekürzt und haben jetzt Altersarmut. Ohne diese Massnahmen wären die beiden Staaten bankrott gegangen.
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    4. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Na ja, die AHV in der Schweiz gibt es jetzt seit 68 Jahren, und entgegen den damaligen Drohungen im Abstimmugskampf gibt es die Schweiz noch und wir sind ziemlich weit weg vom Staatsbankrott, den auch Sie hier wieder heraufbeschwören. Klar muss man alles irgendwie finanzieren. Aber wenn ich sehe wie viel Geld für andere Dinge da sind zB für Steuergeschenke an Reiche und Firmen, Direktzahlungen etc. dürfen wir uns auch ein anständiges Leben für die pensionierten ehemaligen Angestellten leisten.
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  • Kommentar von K. Räschter (K. Räschter)
    Der Weise der Gewerkschaften (Chef-Oekonom C. Lampart) hat wieder gesprochen, dass es kein Problem sei, einfach generell 10% mehr AVH auszubezahlen. Woher das Geld kommt, ist doch den Gewerkschaften und Linken scheinbar egal, denn meistens kommt es vom normalen Büezer, der wieder mit mehr Abzügen zur Kassen gebeten wird. Ich weiss einfach nicht, wo diese Linken und Gewerkschaften leben; aber sicher nicht im richtigen Leben. Darum wird es ein klares NEIN von meiner Seite geben.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Ein Thurgauer Millionär hat die Befürchtung er bekämme wegen der Rentenerhöhung weniger in seinen Geldsack. Mit vollen Hosen ist gut stinken !
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    2. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      Hätte dieser komische Millionär (übrigens gibt es sehr viele Häusle-Millionäre) einen klaren Kopf, wäre er sich bewusst, dass er gar keine AHV benötigt. Die AHV ist ein Instrument gegen Altersarmut und ist eine Umverteilung von reich zu arm.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Ich hoffe nur, der Büezer weiss was er am 25. Sep. in die Urne zu legen hat ! Einmal bitte nicht auf die Lügen der Millionäre hören, in den eigenen Sack stimmen. Vielen Dank !
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    1. Antwort von K. Räschter (K. Räschter)
      @M. Kaiser (Klarsicht), Rebstein: Aber auch nicht auf die Träumereien der Linken und Gewerkschaften hereinfallen, weil die leben noch irgendwie im Mittelalter. Denn zahlen tun diese Mehrausgaben zum Schluss alle Arbeitnehmer mit höheren Beiträgen und Abzügen und niemand anders.
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