Nein zu «AHVplus»: Die Romandie zieht wieder den Kürzeren

Die Initiative «AHVplus» des Gewerkschaftsbundes ist mit 59,4 Prozent Nein-Stimmen gescheitert. Die deutliche Ablehnung wird die Debatte um die Reform der Altersvorsorge prägen, die am Montag im Nationalrat beginnt.

AHV-Initiative Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Volksinitiative vom 17. Dezember 2013 «AHVplus: für eine starke AHV»

JA-Stimmen absolut: (921'226 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'348'111 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 40.6%
NEIN-Stimmen relativ: 59.4%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 5
NEIN-Stimmen: 18
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 36.3% 63.7% 59533 104385
Appenzell Ausserrhoden 34% 66% 5611 10909
Appenzell Innerrhoden 22.3% 77.7% 882 3067
Basel-Landschaft 42.2% 57.8% 32534 44578
Basel-Stadt 49.1% 50.9% 26560 27560
Bern 39.8% 60.2% 116642 176254
Freiburg 42.8% 57.2% 34130 45564
Genf 53.6% 46.4% 61039 52940
Glarus 36.9% 63.1% 3186 5439
Graubünden 34.5% 65.5% 17396 32983
Jura 59.5% 40.5% 11879 8085
Luzern 30.7% 69.3% 34352 77641
Neuenburg 54% 46% 25889 22050
Nidwalden 27% 73% 3530 9552
Obwalden 24.9% 75.1% 2866 8655
Schaffhausen 41.2% 58.8% 12186 17388
Schwyz 28.2% 71.8% 13586 34662
Solothurn 40.8% 59.2% 29287 42415
St. Gallen 33.2% 66.8% 48155 96987
Tessin 53.4% 46.6% 52766 46004
Thurgau 33.6% 66.4% 21412 42289
Uri 30.3% 69.7% 2837 6532
Waadt 50.3% 49.7% 98132 97023
Wallis 41% 59% 39918 57460
Zug 28.6% 71.4% 10558 26391
Zürich 38.3% 61.7% 156192 251149

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (921'226 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'348'111 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 40.6%
NEIN-Stimmen relativ: 59.4%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (921'226 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'348'111 Stimmen)
Bezirksresultate verbergen Bezirksresultate anzeigen Auf / Zuklappen

Mit der Initiative «AHVplus: für eine starke AHV» hätten die Renten pauschal um 10 Prozent steigen sollen. Damit wird nun nichts. Das Volk lehnte die Initiative des Gewerkschaftsbundes mit 59,4 Prozent ab. Eine Mehrheit von 18 Ständen verwirft die Vorlage ebenfalls.

Initiative spaltet die Landesteile

Entgegen dem nationalem Trend sagen die Kantone Jura, Neuenburg, Genf, Waadt und Tessin Ja. Mit 59,5 Prozent kam aus dem Kanton Jura die deutlichste Zustimmung.

Das Wallis und der Kanton Freiburg schlugen sich ins Nein-Lager. In den kleinen Ost- und Innerschweizer Kantonen war die Ablehnung am deutlichsten. In Appenzell Innerrhoden sagten 77,7 Prozent der Stimmenden Nein, in Obwalden 75,1 Prozent. Knapp war es in Basel-Stadt mit 50,1 Prozent Nein.

«Ein Sieg der Bürgerlichen»

Das Resultat zeigt einmal mehr: Gerade in sozialpolitischen Fragen sind Deutsch- und Westschweiz an der Urne oft unterschiedlicher Meinung. In der Regel ziehen die Romands den Kürzeren – so wie heute.

Weniger Verdienende haben eher Ja gesagt zu «AHVplus»

1:28 min, vom 25.9.2016

Ja-Stimmen kamen aber auch aus den städtischen Gebieten. Auf dem Land hingegen votierten die Stimmberechtigten massiv mit Nein. Auch die Polarisierung zwischen links und rechts war entscheidend, sagte Politologe Claude Longchamp im SRF-Abstimmungsstudio. «Im Gesamten ist es ein Sieg der rechten Seite, der bürgerlichen Seite, die geschlossen aufgetreten ist.»

Sorgen um die Finanzierung

Für SRF-Inlandredaktorin Christine Wanner ist zunächst das finanzielle Argument ausschlaggebend für das klare Volks-Nein zur AHV-Initiative: «Viele, vor allem junge Menschen machen sich Sorgen um ihre Altersrente. Alle wissen, dass demnächst die geburtenstarken Jahrgänge pensioniert werden und eine finanzielle Lücke entsteht.»

Zudem habe die Gegnerseite erfolgreich auf die laufende «Rentenreform 2020» aufmerksam gemacht, erklärt Wanner. Und viele Stimmbürger hätten hierbei wohl nicht intervenieren wollen. Klar sei aber auch: «Trotz des deutlichen Resultats von heute wissen alle Parteien, dass ein Rentenabbau in einem Referendum keine Chancen hätte.»

Das links-grüne Lager argumentierte vergebens, dass der Existenzbedarf der Rentner immer weniger gedeckt ist. Zwar werden die Renten alle zwei Jahre an Teuerung und Löhne angepasst. Die Lohnentwicklung werde dabei aber nur zur Hälfte eingerechnet, und die Lücke zwischen Löhnen und Renten werde immer grösser, argumentierten die Befürworter.

Altersvorsorge Thema im Nationalrat

Zusatzinhalt überspringen

Resultate

Schweizerkarte mit Bezirksgrenzen.

Die Abstimmungsergebnisse nach Bezirken und Kantonen finden Sie auf der Site des Bundesamtes für Statistik. >>

Die Abstimmenden folgten aber am Schluss den Argumenten der bürgerlichen Parteien. Sie hielten eine flächendeckende Rentenerhöhung für nicht finanzierbar. Das deutliche Resultat ist damit Wasser auf die Mühlen jener bürgerlichen Parteien, die bei der Reform der Altersvorsorge eine Erhöhung der AHV-Renten ablehnen.

Die Diskussion um die Altersvorsorge geht nun fast übergangslos weiter. Der Nationalrat diskutiert am Montag die «Altersvorsorge 2020». Diese Reform soll die Probleme der AHV und Pensionskassen gleichzeitig lösen. Im Zentrum stehen ein höheres Frauenrentenalter, ein tieferer Umwandlungssatz und zusätzliche Mehrwertsteuer-Prozente.