Sonntagsallianz: Kampf gegen den Shoppingwahn

«Nein zum 24-Stunden-Arbeitstag»: Die Sonntagsallianz lanciert ihren Abstimmungskampf gegen längere Öffnungszeiten für Tankstellenshops. Sie fürchtet eine Ausweitung auf den ganzen Detailhandel. Am 22. September stimmt das Volk ab.

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Sonntagsallianz gegen Tankstellenshops

1:48 min, aus Tagesschau vom 25.6.2013

«Was heute bei den Tankstellenshops gilt, ist morgen im ganzen Detailhandel die Regel», warnte Vania Alleva, Co-Präsidentin der Gewerkschaft Unia. Die Sonntagsallianz will längere Öffnungszeiten von Tankstellenshops verhindern.

Unter dem Namen «Sonntagsallianz» haben Gewerkschaften gemeinsam mit anderen linken und kirchlichen Gruppierungen dagegen das Referendum ergriffen.

Das Parlament hat bereits Vorstössen für weitergehende Liberalisierungen zugestimmt. Es verlangt etwa, dass Detailhändler künftig in der ganzen Schweiz ihre Produkte werktags bis 20 Uhr und samstags bis 19 Uhr verkaufen dürfen.

Die Sonntagsfrage

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Lockerung des Arbeitsgesetzes

Würden die Regeln über Nacht- und Sonntagsarbeit im Arbeitsgesetz für Tankstellenshops geändert werden, könnten diese künftig rund um die Uhr ihre Produkte verkaufen. Die Shops könnten in der Nacht ohne Sonderbewilligung Personal beschäftigen. Bedingung: Das Warenangebot müsste in erster Linie auf die Bedürfnisse der Reisenden ausgerichtet sein.

Mit dem Kampf gegen die Liberalisierung bei den Tankstellenshops will die Sonntagsallianz ein Zeichen gegen diese Entwicklung setzen. Es gehe um eine Grundsatzentscheidung, sagte Thomas Wallimann von der Kommission Justitia et Pax der Schweizer Bischofskonferenz.

Im Leben gebe es Dinge, die nicht wirtschaftlichen Überlegungen geopfert werden dürften. Der Sonntag habe einen fundamentalen Stellenwert für das gesellschaftliche Zusammenleben.

Kundenbedürfnis oder «Liberalisierungsturbo»?

Die Gegner der Liberalisierung bezweifeln, dass längere Öffnungszeiten einem echten Bedürfnis entsprechen. «Liberalisierungsturbos» versuchten dies der Bevölkerung seit Jahren weiszumachen, sagte Kurt Regotz, Präsident der Gewerkschaft Syna. Es stimme aber nicht. In Wahrheit gehe es um Profit um jeden Preis, kritisierte auch der Neuenburger SP-Nationalrat Jacques-André Maire.

Werde Nachtarbeit erst einmal gesetzlich verankert hätte dies gravierende Auswirkungen für das Verkaufspersonal. Das leide schon heute unter tiefen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen. Insbesondere Frauen wären betroffen.

Psychische Folgen der Nachtarbeit

Arbeitsmediziner Klaus Stadtmüller wies auf die gesundheitlichen Folgen hin. Mehr als die Hälfte jener, die nachts arbeiteten, litten an Schlafstörungen. Auch psychische Störungen bis zu Erkrankungen wie Depressionen träten vermehrt auf, ebenso Verdauungsbeschwerden und Bluthochdruck.

Arbeitsmediziner seien nicht generell gegen Nacht- und Schichtarbeit, versicherte Stadtmüller. Sie stellten sich aber gegen die Einführung unnötiger Nachtarbeit. «Shopping mitten in der Nacht ist überflüssig wie ein Schilddrüsenkropf.»

Für die Grünen wiederum geht es nicht zuletzt um ökologische Aspekte, wie der Zürcher Nationalrat Daniel Vischer erklärte. Mit der Gesetzesänderung würde der motorisierte Einkaufsverkehr rund um die Uhr gefördert. Zum Vorwurf, die Sonntagsallianz sei konservativ, sagte Vischer, «konservativ» bedeute «bewahrend», und manchmal sei das Bewahrende das Fortschrittliche.