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Atomausstiegs-Initiative Atomausstieg: Die heisse Frage um das Wann

Seit dem Reaktorunglück von Fukushima wird diskutiert, wann die Schweiz aus der Kernenergie aussteigen soll. Die Zeitpläne haben sich immer wieder verschoben. Mit der Atomausstiegs-Initiative haben die Grünen versucht, das Parlament unter Druck zu setzen. Ohne Erfolg. Nun entscheidet das Volk.

Jemand mit einer Leuthard-Maske bei einer Grünen-Aktion auf dem Bundesplatz 2014.
Legende: Doris Leuthard unter Druck von den Grünen: Sie fordern eine kürzere AKW-Laufzeit. Keystone

Im März vor fünf Jahren kommt es in Japan zur Kernschmelze. Ausgerechnet in Japan, einem Land, dessen Kernkraftwerke als so sicher galten wie die der Schweiz. Nichts mehr ist wie vorher. Auch eingefleischte Verfechter der Kernenergie kommen ins Zweifeln. Zum Beispiel der Solothurner CVP-Mann Pirmin Bischof, Verwaltungsrat des AKW Gösgen: «Die Welt ist nicht mehr die gleiche wie vorgestern. Mit den Ereignissen in Japan stellen sich für die Schweizer Kernkraftpolitik ganz wesentliche Fragen und es werden alte Fragen neu aufgerollt.»

In Deutschland geht es schnell: Kanzlerin Angela Merkel nimmt die sieben ältesten Kernkraftwerke vom Netz. Sie sind alle jünger als Beznau und Mühleberg. Die anderen deutschen Kernkraftwerke müssen bis 2022 abgeschaltet werden.

40 oder 45 Jahre Laufzeit

In der Schweiz springen die Grünen auf den Zug auf und lancieren ihre Atomausstiegsinitiative, über die wir Ende November abstimmen. Bei den Grünen laufen intern Diskussionen. 40 Jahre Laufzeit sind genug, finden die einen. 45 Jahre sind politisch chancenreicher, finden die anderen. Letztere setzen sich durch.

Dann kommt der überraschende Auftritt von Energieministerin Doris Leuthard. Wegen ihrer Nähe zur Kernenergie trug sie in linken Kreisen einst noch den Spitznamen Atom-Doris. Ausgerechnet sie verkündet den Bundesratsentscheid: «Wir bauen keine neuen AKW mehr.» Und sie verkündet noch mehr: Die Energiewende.

Leuthard auch für Ausstieg

«Ich habe mir diesen Entscheid auch mit meiner Herkunft und meinen Erfahrungen bestimmt nicht einfach gemacht. Wir haben viel gestritten, viel diskutiert. Aber ich bin überzeugt, das Ganze ist richtig», sagt sie. Die Energieministerin will Strom sparen, unabhängig werden vom Erdöl, die erneuerbaren Energien fördern, und sie ist damals auch in Sachen Ausstiegsdatum gar nicht so weit weg von der Grünen. 2011 sagt sie: «Wir machen nicht einen sofortigen Ausstieg. Etwa in zehn bis zwölf Jahren. Bis dahin müssen wir die beiden AKW Beznau und Mühleberg ersetzen.»

Das wäre also 2021, spätestens 2023. Die Axpo hält aber daran fest. Sie will Beznau, das älteste Kernkraftwerk noch zehn Jahre länger, bis 2032 am Netz lassen. Und auch das Parlament hat sich von der Grünen Atomausstiegs-Initiative nicht unter Druck setzen lassen. Es beschliesst, dass die bestehenden Kernkraftwerke so lange am Netz bleiben können, wie sie sicher sind. Und ob sie noch sicher sind, darüber entscheidet alleine die Nuklearaufsichtsbehörde Ensi.

Festgesetzte Ausstiegsdaten – das gibt es in der Schweiz also bisher nicht.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Beatrice Fiechter (thea)
    Da geistern Zahlen und Meinungen herum!? Eine Bewertung von Fachleuten hat die Entwicklung der Energiegewinnung und ihre Marktanteile angeschaut und feststellen können, dass überall die Tendenz Richtung erneuerbaren Energien zeigt, weil das sinnvoll ist: Es wird mehr wirkliche Unabhängigkeit erreicht und die Probleme sind besser im Griff zu bekommen als mit Atomenergie, die sich jetzt im Nachhinein als Geldverschlingender Moloch herausstellt.Aber die Gesellschaft muss noch mehr umdenken lernen!
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Seit der Mensch Kohle, Erdöl und Erdgas entdeckt hat, steigt deren Verbrauch von Jahr zu Jahr. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt dadurch konstant jedes Jahr um 2ppm. Bereits 87% des weltweiten Energiebedarfs wird heute mit fossilen Brennstoffen abgedeckt. Es wäre von uns eine unverständliche Dummheit, die Initiative für einen raschen Atomausstieg anzunehmen. Erst 0,9% unseres Stroms wird im kritischen Winterhalbjahr mit PV abgedeckt (2015 / BFE). In Deutschland sind es auch erst ca. 3%.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Für mich ist klar, dass die Menschheit so rasch wie möglich aus der AKW-Produktion aussteigen muss. Schon bei Einführung habe ich dagegen gestimmt, mit der Begründung, dass zuerst eine Möglichkeit geben muss, die "Strahlen" zu neutralisieren. Es waren auch damals gepflegte, "angesehene" Herren mit Titeln, die uns allen weis machte, dass die Atomenergie völlig gefahrlos, sauber und billig sei! Auch heute scheinen vor allem schöne Reden, schöne Kleider, hohe Ränge usw., Menschen zu beeindrucken.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. Roe, ich weiss nicht wo Sie damals waren, aber mir hat niemand weisgemacht dass es gefahrlos ist. An einer Besichtigung in Beznau und am PSI im Rahmen eines Gewerbeschul- Ausflugs wurden wir z.B. mit allergrösster Sorgfalt dekontaminiert beim Hinausgehen. Natürlich war der Glaube daran dass man die Gefahren in den Griff bekommt damals gross. Aber den Vorwurf die Technologie wäre als gefahrlos dargestellt worden kann man jetzt echt niemandem machen.
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    2. Antwort von Beatrice Fiechter (thea)
      Hr. Reuteler,es werden auch heute noch Tatsachen beschönigt, unterschlagen,wegdiskutiert ohne eine befriedigende Antwort oder Offenlegung der Situation.Das Problem ist, dass die AKWs zwar zu Teilen gewissen Kantonen gehören, aber doch privat sind.Z.Bsp. wird die finanzielle Situation nie ganz klar offen gelegt.Es wird da mal etwas informiert u.dort wieder einmal eine Tatsache gelüftet. Wer diese Aussagen sammelt, kann zu ziemlich klaren Schlüssen kommen! Darum bin ich für sofortiges Handeln!
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