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SRG-Umfrage Atomausstiegs-Initiative: Ja und Nein halten sich die Waage

Die Chancen der Atomausstiegs-Initiative sind gesunken. Die Nein-Seite konnte in den letzten Wochen kräftig zulegen, die Ja-Seite verlor entsprechend. Der Vorsprung der Befürworter von 21 Prozentpunkten schmolz auf noch 2 Prozentpunkte. Trotz dem Trend zum Nein ist der Abstimmungsausgang offen.

  • 48 Prozent befürworten die Atomausstiegs-Initiative, 46 Prozent lehnen diese ab
  • Der Abstimmungsausgang ist offen
  • Frauen sind mehrheitlich dafür, Männer mehrheitlich dagegen
  • Eine hohe Stimmbeteiligung zeichnet sich ab
Legende: Video Longchamp zu den Chancen der Atomausstiegs-Initiative abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.11.2016.

Rund zwei Wochen vor der Abstimmung über die Atomausstiegs-Initiative präsentiert sich laut SRG-Umfrage eine Patt-Situation: 48 Prozent der Stimmberechtigten befürworten ein festes Ablaufdatum für Schweizer Atomkraftwerke. 46 Prozent sprechen sich dagegen aus. 6 Prozent haben sich noch keine Meinung gebildet.

Ja-Vorsprung schwindet

Bei der ersten SRG-Umfrage Mitte Oktober lagen die Befürworter noch mit 57 Prozent vorne. Die Gegner kamen lediglich auf 36 Prozent. Der komfortable Vorsprung von 21 Prozentpunkten löste sich fast in nichts auf. Claude Longchamp, Leiter des Instituts gfs.bern, sagt, dieser Trend sei typisch für linke Initiativen: «Die Zustimmung nimmt ab, vor allem aber hat sich die Ablehnung aufgebaut.»

Wie stehen also die Chancen der Initiative «Für einen geordneten Atomausstieg»? Longchamp ist zurückhaltend. Die Umfrage zeige ein Patt. «Keine Seite hat eine sichere Mehrheit, es ist noch nicht entschieden.» Und bis zur eigentlichen Abstimmung könne noch viel passieren, so Longchamp.

Alle auf Parteilinie – ausser die CVP-Wähler

Die Spaltung zwischen links und rechts hat gegenüber der ersten Umfrage noch zugenommen. «Es gibt einen ausgesprochen tiefen Graben zwischen linken und rechten Wählern», erklärt Longchamp. So findet die Initiative mehrheitlich Zustimmung bei den links-grünen Wählern, bei den Grünen sogar mit 93 Prozent. Rechte Wähler lehnen sie deutlich ab.

Damit folgen die Anhänger der Grünen, SP, FDP und SVP den nationalen Parteiparolen. Die CVP-Wähler allerdings sind – entgegen der Empfehlung ihrer Partei – mit 53 Prozent für die Atomausstiegs-Initiative.

Legende: Video Wer ist für, wer gegen die Initiative? abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.11.2016.

Der Röstigraben tut sich auf

Mit Blick in die Sprachregionen zeigt sich zurzeit ein gespaltenes Bild: 50 Prozent der Deutschschweizer wollen ein Nein in die Urne legen. Dagegen unterstützen 53 Prozent der Romands die Initiative.

Allerdings nimmt hier die Zustimmung seit der ersten Umfrage vor rund fünf Wochen ab. Für welche Seite sich die Westschweiz schliesslich entscheidet, bleibt offen. In der Deutschschweiz ist ein Nein aber wahrscheinlich.

Geschlechterkampf

Bereits bei der ersten Umfrage war es eine klare Sache: Männer sind gegen die Initiative, Frauen wollen den AKW baldmöglichst den Stecker ziehen. Bei der zweiten Umfrage hat sich das Nein der Männer mit 56 Prozent noch verstärkt. Das Ja der Frauen sank seit Oktober von 63 Prozent auf 56 Prozent.

Ja oder Nein?

Claude Longchamp sieht zwei mögliche Szenarien bis zum Abstimmungssonntag. Die Entwicklung der Stimmabsichten verweise im Moment auf einen Nein-Trend: Das Ja nimmt weiterhin ab, das Nein nimmt zu.

Allerdings sei auch ein anderes Szenario möglich. Wenn es zu einem speziellen Mobilisierungsfall komme, erklärt Longchamp. Zurzeit seien nicht nur die linken und rechten Wähler gut mobilisiert, sondern vor allem auch die parteiungebundenen Wähler wollten sich an der Abstimmung beteiligen. Und eine Mehrheit der Parteiungebundenen spricht sich für die Initiative aus. Dieses Szenario spreche eher für ein Ja, so Longchamp.

Die zwei besten Pro- und Contra-Argumente

Sowohl das Ja-Lager als auch das Nein-Lager können populäre Argumente vorweisen:
Pro: «Nur mit einem geordneten, schrittweisen Atomausstieg wird die Energiewende wirklich Realität.» 77 Prozent stimmen zu
Pro: «45 Betriebsjahre sind genug und schaffen einen vernünftigen Zeitrahmen für den Ausstieg aus der Kernenergie.» 66 Prozent stimmen zu
Contra: «Es ist bedenklich, die Atomkraftwerke abzustellen und dafür Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken aus dem Ausland zu importieren.» 63 Prozent stimmen zu
Contra: «Wenn wir die AKW ausschalten, ist mit Engpässen in der Stromversorgung zu rechnen.» 59 Prozent stimmen zu

(SRF 4 News, 17 Uhr)

Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 2. und 9. November 2016 durchgeführt. Befragt wurden 1406 Personen. mehr

Hohe Stimmbeteiligung

Der Abstimmungskampf zeigt eine mobilisierende Wirkung. 51 Prozent der befragten Stimmberechtigten geben an, sich mit Sicherheit an der Abstimmung vom 27. November 2016 beteiligen zu wollen. Laut gfs.bern kann man bereits jetzt von einer überdurchschnittlichen Stimmbeteiligung ausgehen.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Ich habe bewusst NEIN gestimmt, da ich keine Hau-Ruck-Übung in diesem Bereich möchte. Bei Umfragen würde ich mich eher bedeckt halten, da diese oftmals sehr suggestiv orientierte, ja sogar manipulativ orientierte Fragestellungen beinhalten.
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    1. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      " Würden Sie am 27.Nov. die Atomausstiegs Initiative ahnnehmen? Ja, eher ja, nein, eher nein, weiss nicht." Was soll daran "manipulativ, oder suggestiv orientiert" sein?
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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Wenn wir am 27.11. JA stimmen, gehen nach dem Abschalten aller noch 3 von 5 in der CH laufenden AKW bei der derzeitigen Stromschwemme ganz sicher nicht die Lichter aus. Die Angstmache ist absolut unbegründet. Denn der BR will erst 2050 die letzten AKW abschalten. Fachleute sagen, das ist energiepolitischer Blödsinn. Die Milliarden für die Nachrüstung der störanfälligen Altreaktoren können dann endlich für die Speicherkapazitäten der EE bis hin zur Nullenergiehaus-Technologie verwendet werden.
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  • Kommentar von Sepp Stark (Sepp Stark)
    Der Uranabbau, die Aufbereitung, die Zwischenlagerung des verbrauchten Materials, die Endlagerung, der Transport, das alles NICHT mitberücksichtigt. Und für den Rückbau der AKW wird dann so oder so der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Jetzt haben wir die Möglichkeit mit einem Ja zur Initiative ein Zeichen zu setzen. Es kann vorübergehend Stromengpässe geben. ich habe auch Photovolaik auf dem Hausdach, es sind Investitionen, und es wird investiert. Wir werden sehen; Wir schaffen das!
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