Zum Inhalt springen

Ecopop-Initiative Mit Ecopop kollidieren zwei Wahrnehmungen von Zukunft

Die einen möchten die Zuwanderung dem freien Markt überlassen. Die anderen der Politik. Die einen sehen in der Ecopop-Initiative den «Total-Crash» der Demographie. Die anderen in ihrer Ablehnung einen «unglaublichen Egoismus». Bei Roger Schawinski debattierten Christa Markwalder und Benno Büeler.

Legende: Video «Streitgespräch zur Ecopop-Initiative» abspielen. Laufzeit 27:00 Minuten.
Aus Schawinski vom 10.11.2014.

Die 4 besten Zitate zum Anfang

Die Zuwanderung ist Ausdruck unseres Wohlstands.
Autor: Christa MarkwalderNationalrätin FDP Liberale (BE)
Die Erhaltung der Lebensqualität ist legitim. Wie hoch wird sie noch sein, wenn wir nichts tun?
Autor: Benno BüelerPräsident Initiativkomitee Ecopop
Die Personenfreizügigkeit ist ein Freiheitsrecht für den Menschen.
Autor: Christa MarkwalderNationalrätin FDP Liberale (BE)
Die Personenfreizügigkeit ist ein kapitalistisches Ausbeutungssystem.
Autor: Benno BüelerPräsident Initiativkomitee Ecopop

Ewiges Wachstum ist eine Utopie

Die Ecopop-Initiative ist für Nationalrätin Christa Markwalder (FDP Liberale/BE) freiheits- und menschenfeindlich. Sie mache keinen Unterschied zwischen Migranten und Heimkehrern, sagte die Nationalrätin in der Sendung «Schawinski». Menschenfeindlich sei das Vorhaben, weil es den Menschen als Problem darstelle. «Das widerspricht meiner liberalen Haltung».

Für den Präsidenten des Ecopop-Initiativkomitees ist es gerade der humanitäre Auftrag, «der uns dazu zwingt, endlich über den Tellerrand hinaus zu schauen.» Tatsache sei, dass die Zuwanderung 60 Prozent des Mobilitätszuwachses der letzten 10 Jahre erkläre, rechnet Benno Büeler vor. Lebensqualität sei abhängig von der Zahl derer, die sie begründen, und ewiges Wachstum sei eben unmöglich. Das hält Markwalder für pure Polemik.

Nationalrätin Christa Markwalder in der Sendung «Schwanski».
Legende: Für Nationalrätin Christa Markwalder ist Ecopop eine gefährliche Abschottungs-Initiative. SRF

Für sie steht fest, dass wir den heutigen Wohlstand zu einem schönen Teil der Öffnungspolitik der vergangenen Jahre verdanken. «Es kamen nicht nur Menschen ins Land. Es kam vor allem auch eine grosse Innovation.» Und die sei entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg.

Angesprochen auf den so genannten «ökologischen Fussabdruck» und seine Implikationen für eben diesen Wohlstand verwies Markwalder auf vollzogene Reformen der Raumplanungsgesetze, nach denen verdichtetes Bauen gefördert werde. Nicht zum ersten Mal konterte der Ecopop-Präsident mit deftigen Zahlen.

Alle in Europa haben das gleiche Problem

Die Zersiedelung entsteht seiner Meinung nach nicht wegen des Wohnraumes, der für die Zuwanderer benötigt wird. Denn zwei Drittel der verbauten Fläche gelte ohnehin nicht dem Wohnungsbau, sondern Infrastrukturbauten – Strassen, Einkaufszentren, Eisenbahnen. Und die liessen sich kaum verdichtet bauen.

Ecopop-Präsident Benno Büeler in der Sendung «Schawinski».
Legende: Das Wachstum ist begrenzt. Für Benno Büeler ist das die Erkenntniskonstante zukünftiger Zuwanderungspolitik. SRF

Auch das Demographie-Argument wollte Büeler nicht gelten lassen. Markwalders Argument, Ecopop beschere uns wegen der Überalterung bald eine Zukunft der Unterversorgung, geisselte er als «unglaublichen Egoismus». Alle in Europa hätten das gleiche Problem. «Wenn wir junge Menschen aus diesen Systemen für uns abziehen, verlagern wir das Problem lediglich, wir lösen es nicht.»

Markwalders Argument, dass diese Lösung, wie sie den Initianten vorschwebt, die partnerschaftlich organisierte Wirtschaft des Landes zerrütten würde, führte Büeler dazu, die zugrunde liegende, bundesrätliche Einschätzung als eine bewusste Fehlinformation zu brandmarken.

Bilaterale 1 sind ohne Bedeutung

Das Vertragswerk der Bilateralen 1, das die Personenfreizügigkeit ab 2007 enthalte, könne ohne weiteres ignoriert werden. Büeler zitierte Markwalders Parteikollege Ruedi Noser (FDP Liberale ZH), der das Geschäftsvolumen, das sich direkt diesen Verträgen verdankt, ohnehin für eine «quantité négligable» hält, für eine vernachlässigbare Grösse. Hier trat die Differenz im Verständnis der Personenfreizügigkeit durch die beiden Debattengegner zutage.

Für die liberale FDP-Nationalrätin ist die Personenfreizügigkeit «ein Freiheitsrecht für den Menschen».

Büeler nennt die Basis des Schweizerisch-Europäischen Wirtschaftshandelns «ein kapitalistisches Ausbeutungssystem.»

252 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Die Strategie der Ecopop- Gegner ist schlecht. Anstatt den Befürwortern Fremdenfeindlichkeit vorzuwerfen sollten die Nachteile hervorgehoben werden: Arbeitskräftemangel im Gesundheitswesen, Baubranche, Landwirtschaft und Gastgewerbe. Alles nicht gerade Lieblingsberufe der Schweizer.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Richard Wüest, Schlieren ZH
      Dieser Einwand wurde ebenfalls bereits oft genug vorgebracht. Ich entgegne: Besuchen Sie demnächst, auf alle Fälle vor der Abstimmung, irgend ein Spital in der Schweiz und suchen Sie ein Mehrbettzimmer auf. Sie erhalten dort dann auch die Antwort auf die Frage, wer im Gesundheitsbereich weit überproportional für die Nachfrage zuständig ist. (Ich hoffe, dieser Beitrag wird nicht zensiert.)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von andreas furrer, prilly
    schlussendlich geht es nicht um migration oder familienplanung, sondern um ein lebensmodell das nur unter gewissen bedingungen (wenige profitieren auf kosten von vielen) funktioniert. das zu hinterfragen ist richtig (ja unausweichlich), ethnopop ist da aber der falsche ansatz, der läge wohl eher beim auto(pop).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von W. Balmer, Busswil
    Täglich müllen uns die Medien mit hauptsächlich negativen Kommentaren und Interviews von angeblich wichtigen Personen zu. Was da zum grössten Teil an fadenscheinigen Argumenten und absichtlichen falschinformationen abgegeben wird, ist volksschädigend und verlangt ein gleiches Mass an Gegendarstellung. Leider gibt es keine unabhängigen Medien mehr und der Schweizer Bürger wird so extrem manipuliert. Darum Ja zu Ecopop und Nein zu den falschen Propheten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen