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Millionen für Stromproduzenten Die Profiteure der Energiewende

Millionensegen für Stromproduzenten: Die «Rundschau» und SRF Data zeigen, wer von den über 400 Millionen Franken Strom-Fördergeldern am meisten profitiert. Ein Kleinwasserkraftwerk der Axpo dürfte dem Stromkonzern rund eine Viertelmilliarde Franken in die Kasse spülen.

Legende: Video Die Gewinnerliste der Energiewende abspielen. Laufzeit 09:59 Minuten.
Aus Rundschau vom 03.05.2017.

Sagt das Volk am 21. Mai «Ja» zur Energiestrategie, wird die Förderung von erneuerbarem Strom ausgebaut. Die sogenannte «kostendeckende Einspeisevergütung KEV» soll mehr Geld erhalten. Bereits heute verteilt der Bund jährlich über 400 Millionen Franken Fördergeld. Die SRF «Rundschau» und SRF Data haben die 60 Meter lange Liste von Subventionsempfängern, Link öffnet in einem neuen Fenster analysiert, die das Bundesamt für Energie (BFE) führt.

Die grössten Subventionsempfänger

Mit Abstand am meisten Geld floss an das Aare-Kraftwerk Rüchlig. Dort produziert Axpo gemäss eigenen Angaben Strom für rund 14'000 Haushalte (über 60 Gigawattstunden). Der Stromkonzern mit Sitz in Baden hat dafür 2015 über 10 Millionen Franken erhalten. Weil die Subventionen für Wasserkraftwerke 25 Jahre lang laufen, dürfte alleine dieses Werk der Axpo also über eine Viertelmilliarde Franken in die Kasse spülen.

Die grössten KEV-Bezüger

Die Tabelle zeigt die grössten KEV-Bezüger
Projekt
Betreiber
Vergütung 2015 (Mio. CHF)
Durchlaufkraftwerk Rüchlig
Axpo Power AG
10.3
KVA Basel
Industrielle Werke Basel
8.2
KW Jungfraubahn Lütschental
Jungfraubahn AG
6.5
KVA Winterthur
Stadtwerk Winterthur
6.5
Durchlaufkraftwerk Vièze
Compagnie industrielle de Monthey SA
6.0

Die hohen Subventionsbeträge im mehrstelligen Millionenbereich fliessen vor allem an Wasserkraftwerke und Kehrichtverbrennungsanlagen, die auch Strom produzieren. So haben zum Beispiel die Industriellen Werke Basel (IWB) über 8 Millionen Franken Fördergeld erhalten. Sie dürften für ihre Anlage über den ganzen Förderzeitraum über 160 Millionen Franken erhalten.

Am meisten Geld für Solarstrom

Die grosse Masse der geförderten Anlagen sind aber Photovoltaik-Projekte. 10‘500 Solaranlagen haben 2015 über 147 Millionen Franken Fördergeld erhalten. Was auf der anderen Seite auffällt: Der Windausbau in der Schweiz harzt. 2015 haben nur gerade 27 Anlagen von der Förderung profitieren können. Obwohl viele Projekte angemeldet sind, können nur wenige Windanlagen auch gebaut werden.

Legende:
KEV-Zahlungen im Jahr 2015. In Millionen CHF. BFE, 2017

Die teuerste Kilowattstunde

Obwohl die 10‘500 Solaranlagen am meisten Geld erhalten, produzieren sie weit weniger Strom als zum Beispiel die geförderten Wasserkraftwerke. Die teuerste vom Bund geförderte Kilowattstunde ist eine Solaranlage bei einem Zentralschweizer Bauern. Strom aus der 2008 angemeldeten Anlage schlägt mit 78 Rappen pro Kilowattstunde zu Buche.

Legende:
Kosten einer Kilowattstunde. Nach Jahr der Inbetriebnahme, in CHF. BFE, 2017

Photovoltaik ist in den letzten Jahren massiv billiger geworden, die Preise sind regelrecht eingebrochen. Bei keiner anderen vom Bund geförderten Technologie gab es vergleichbare Kostensenkungen. So haben sich die Kosten pro Kilowattstunde von 2006 bis 2015 mehr als halbiert. Eine Kilowattstunde aus einer 2006 in Betrieb genommenen Anlage kostete im Jahr 2015 68 Rappen. Bei einer 2015 ans Netz gegangenen Anlage liegen die Kosten noch bei 22 Rappen.

Wie das Bundesamt für Energie gegenüber der «Rundschau» erklärte, werden im Herbst 2017 ans Netz gehende Anlagen sogar nur noch 13.7 Rappen pro Kilowattstunde erhalten. Bei der Wasserkraft oder den Wind- und Biomasseanlagen gab es keine vergleichbare Entwicklung. Dennoch: Solarenergie war 2015 im Vergleich zu anderen Technologien immer noch teurer.

Viel Geld für die Landwirtschaftskantone

424 Millionen Franken hat der Bund 2015 ausbezahlt. Diese Gelder sind nicht gleichmässig über die Schweiz verteilt. Beim Solarstrom war es der Kanton Bern, der am meisten Geld erhielt: 23 Millionen Franken. Auch die Waadt und Luzern haben über 13 Millionen Franken Fördergelder für Solarenergie abgeholt. Viele der grossen Anlagen dürften sich bei Landwirten auf den Dächern befinden. Bei der Wasserkraft schwingen klar die Gebirgskantone Graubünden (34 Millionen Franken) und Wallis (26.5 Millionen Franken) oben aus. Bei der Biomasse profitieren die Kantone Bern und Zürich mit je über 15 Millionen Franken am meisten.

Die KEV

Erklärung zur KEV
Die sogenannte Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ist ein Förderprogramm für erneuerbare Energie. Finanziert werden diese Gelder durch den Verkauf des geförderten Stromes und von den Stromkonsumentinnen und Stromkonsumenten. Sie bezahlen pro Kilowattstunde Strom eine Abgabe von heute 1.5 Rappen. Damit wird der Fördertopf gespiesen. Von den Fördergelder können Solaranlagen und Windkraftwerke rentabel gebaut werden. Aber auch Biomasse oder kleine Wasserkraftwerke profitieren. Wenn das Volk am 21. Mai der Energiestrategie zustimmt, kann die Förderabgabe für die Stromkunden neu auf 2.3 Rappen erhöht werden. Das Förderprogramm erhält also mehr Geld. Neu sollen zudem auch grosse Wasserkraftwerke von einer gewissen Förderung profitieren können. Gleichzeitig wird das Programm aber auf das Jahr 2022 befristet. Ab dann werden keine neuen Anlagen mehr in die KEV aufgenommen.

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105 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Wenn wir dem Zustimmen, zahlen WIR Bürger noch mehr an die Wirtschaft und den Staat. Die Energiegewinnung wendet sich so oder so, ob nun mit oder ohne Leuthard's Vorgaben. Aber wetten die Schweizer sind so blöd und stimmen dem auch noch zu? Reden wir dann in zwei Jahren nochmal, falls die Schweizer bis dahin nicht vergessen haben, was sie abgestimmt hatten. Ein klares NEIN wäre die richtige Antwort auf diese Vorlage, die ausser alles zu verteuern gar nichts festlegt!
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    1. Antwort von Helmut Meier (Helmi)
      Tom Duran, verraten Sie mir, welches Interessen Sie haben, wenn Sie von den blöden Schweizern schreiben, sind Sie ja kein Schweizer und dann kann es Ihnen ja Wurst sein, was wir abstimmen. Da finde ich es voll daneben, dass Sie uns noch beleidigen.
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  • Kommentar von Helmut Meier (Helmi)
    Wenn Man will…vor längerer Zeit wurde bei uns beschlossen, Gasheizungen zu fördern. ….besser als Öl? es wurde vorgeschrieben Ölheizungen durch Gas oder Alternativenergie zu ersetzen, darf aber nicht von der Landwirtschaftszone sein (Wettbewerbsvorteil)??? Um die Stromversorgung im Winter etwas zu verbessern, könnte nun an Stelle der Gasheizung ein kleines Gasblockkraftwerk in den Quartieren erstellt werden. Vorteil: durch das heizen kann auch noch Strom gewonnen werden. Wenn man will.
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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Die Verwirklichung der Energiestrategie, die Landwirtschaft macht Zweite. Somit wird der untere Drittel der Gesellschaft noch weniger Geld für die nötigsten Sachen (Nahrung, usw.) haben. Somit wird die Armut zunehmen und der Druck auf das Grundeigentum wird von der linken Politik verstärkt. In 100 Jahren wird über eine Verstaatlichung des Bodens abgestimmt und die Grundbesitzer könnten die Verlierer sein. Landwirte könnten dann Grund und Boden verlieren und müssen Pachtzins zahlen!
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    1. Antwort von Helmut Meier (Helmi)
      Hans König haben Sie hellseherische Fähigkeiten, oder möchten Sie einfach Angst und Schrecken verbreiten da Ihnen Argumente fehlen ?
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