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Ernährungssicherheit Ja zur Ernährungssicherheit stimmt Bauern zufrieden

Die Bauern freuen sich. Der Gewerbeverband hingegen fürchtet um die Freihandelsabkommen.

Legende: Video Freude bei den Befürwortern der Ernährungssicherheit abspielen. Laufzeit 03:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.09.2017.

«Die Landwirtschaftspolitik darf keine internationalen Freihandelsabkommen gefährden», schreibt der Gewerbeverband sgv. Er werde «allfälligen Fehlinterpretationen entschieden entgegentreten». Der Verfassungsartikel biete auch keine Grundlage für neue Subventionsansprüche oder zusätzliche Regulierungen.

Auf der linken Seite hatte die «Allianz für Ernährungssouveränität» den vom Bauernverband mittels einer 2014 eingereichten Initiative angestossenen Verfassungsartikel bekämpft. Der nun vom Volk angenommene Text ist der vom Parlament beschlossene Gegenvorschlag.

Wir werden jetzt genau aufpassen, ob der Bundesrat seine Versprechen auch einhält.
Autor: Pierre-André TombezAllianz für Ernährungssouveränität

Eine nachhaltige Landwirtschaft und mehr Markt seien nicht miteinander vereinbar, meint die vor allem bei linken Bauerngewerkschaften verankerte «Allianz für Ernährungssouveränität». Die Allianz spreche sich nicht gegen Handel aus. Aber dieser müsse durch mehr Kooperation entwickelt werden, nicht durch mehr Wettbewerb.

«Wir haben heute nicht verloren», sagte Pierre-André Tombez, Präsident der Allianz. Der für die Landwirtschaft zuständige Bundesrat Johann Schneider-Ammann habe den Bauern während der Abstimmungskampagne viele Versprechen gemacht: «Wir werden jetzt genau aufpassen, ob der Bundesrat diese auch einhält.»

Das Ja sei der erste Schritt in die richtige Richtung hin zu einer nachhaltigen, regional abgestützten Landwirtschaft. Darin spiele ein «echter Markt», und sie ruhe auf drei Säulen: der Umwelt, den Produzenten und den Konsumenten.

Erst recht nach diesem deutlichen Ja der Stimmbevölkerung muss die nächste Reformetappe der Agrarpolitik deutliche Verbesserungen im Bereich Ökologie bringen.
Autor: Werner MüllerBirdLife Schweiz

«Ende 2018 oder Anfang 2019 wird das Stimmvolk dann dank unserer ‹Initiative für Ernährungssouveränität› die Möglichkeit haben, die nächsten Schritte zu tun», sagte Tombez. Diese Schritte seien eben etwas umstrittener. Die Initiative will unter anderem eine gentechfreie Landwirtschaft in die Verfassung schreiben. Ausserdem verlangt sie Massnahmen, um die Macht der Grossverteiler und Grossproduzenten bei der Preisgestaltung zurückzubinden.

«Das Volk will eine starke und regional verankerte Landwirtschaft und es will die Kontrolle darüber behalten, was auf seinen Teller bekommt». Mit diesen Worten interpretierte der Direktor des Schweizer Bauernverbandes, Jacques Bourgeois, das Resultat. Mit dem Verfassungsartikel im Rücken könne die Landwirtschaft besser auf Herausforderungen wie das Bevölkerungswachstum oder den Klimawandel reagieren.

Die Umweltverbände interpretieren das zu überdeutliche Ja der Bevölkerung zu einer sicheren Ernährung als einen «klaren Auftrag der Schweizerinnen und Schweizer, die Landwirtschaft nachhaltiger und ökologischer zu gestalten.» Nun müssten der Einsatz von Pestiziden verringert, die Biodiversität gefördert und der Schutz des Kulturlandes gewährleistet werden, fordern BirdLife Schweiz, Greenpeace, Pro Natura und WWF Schweiz in einer Mitteilung.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Oliver Schmid (Oliver Schmid)
    Ziemlich arrogant, wenn das einzige, was der Gewerbeverband sagt: Die Landwirtschaft darf keine int. Freihandelsabkommen gefährden. Bei den meisten Freihandelsabkommen profitieren sowieso nur die grössten Mitgliedern (Marktmacht) von diesen abkommen, aber das scheint beim Gewerbeverband nicht angekommen zu sein. Oder meint er damit billig Importe ? Dann soll er mal erklären, wie ein kleiner CH Landwirt sein Produkte zum gleichen Preis verkaufen soll, wie einer in der EU welcher 20x grösser ist.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Lebensgrundlage Boden – "Dreck", von dem wir leben. Der Boden gehört neben Luft und Wasser zu unseren zentralen Lebensressourcen. Aus ihm entnehmen alle Pflanzen – auch unsere Nutzpflanzen – die Nährstoffe für ihr Wachstum. Ohne Boden gibt es keine Bäume, kein Weizen, kein Mais, kein Gemüse. Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wie wir diesen lebenswichtigen Stoff erhalten können, denn er wird durch die industrielle Landwirtschaft, Erosion und Flächenversieglung bedroht.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Intensivierung der Landwirtschaft. Immer grösser werden die Flächen, immer mehr Monokulturen entstehen. Strukturreiche Landschaften werden vernichtet, Biotope zerstört. Auch der Einsatz von Pestiziden ist problematisch. Selten werden die realen Lebensverhältnisse bei Insekten berücksichtigt, dadurch wird die erlaubte Dosis viel zu hoch bemessen. Die konventionelle Landwirtschaft ist für einen Rückgang an Arten mitverantwortlich. Insekten und Vögel leiden. Die Bauern sind gefordert.
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