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Nachhaltigere Landwirtschaft Fair-Food-Initianten: «umweltschonend und tierfreundlich»

Legende: Video Kampagne für Fair-Food-Initiative gestartet abspielen. Laufzeit 01:32 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 09.08.2018.

Mehr nachhaltig hergestellte Lebensmittel: Das ist das Ziel der Fair-Food-Initiative. Diese sei nötiger denn je, sagen die Initianten mit Verweis auf den Klimawandel.

Angesichts der Temperaturen der letzten Tage und Wochen sei klar, dass Nachhaltigkeit vor Ort beginne, sagte Maya Graf, Nationalrätin der Grünen, vor den Medien in Bern. «Auch in unseren Kühlschränken und auf unseren Tellern.» Denn die Produktion und der Vertrieb von Lebensmitteln beeinflussten die Umwelt stark.

Die Grünen wollen mit der Fair-Food-Initiative erreichen, dass es ein grösseres Angebot an Lebensmitteln gibt, die umweltschonend, tierfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Der Bund soll solche Lebensmittel fördern.

Standards für Importprodukte

Auch für Importprodukte sollen Anforderungen festgelegt werden. In der Schweiz werde heute fast die Hälfte der Lebensmittel importiert, geben die Initianten zu bedenken. Deshalb brauche es für diese Produkte eine Strategie. Nachhaltig produzierte Produkte sollen mit abgestuften Einfuhrzöllen begünstigt werden.

Die Unterstützung für eine artgerechte Tierhaltung in der Schweiz sei gross, stellte Graf fest. Trotzdem landeten immer mehr importierte Eier und Fleisch aus Massentierhaltung in den Regalen, und dies ohne transparente Information. Die Fair-Food-Initiative verbessere die Deklaration, damit die Konsumenten die Wahl hätten. Konkret soll zum Beispiel auch auf verarbeiteten Lebensmitteln die Tierhaltungsform deklariert werden müssen.

Weniger Billigstware

Lebensmittel würden bei einem Ja nicht generell teurer, sagten die Initianten auf eine entsprechende Frage. Zwar gäbe es beispielsweise weniger sehr billige Tierprodukte aus Massentierhaltung, sagte Adèle Thorens, Nationalrätin der Grünen. Der Preis von Qualitätsprodukten dürfte bei einem Ja zur Initiative aber sinken. Zudem könne mit Massnahmen gegen Lebensmittelverschwendung gespart werden.

Initianten an Pult
Legende: Für die Kampagne verwenden die Initianten unter anderen den Slogans: «Regional statt eingeflogen». Keystone

Die Initianten geben ferner zu bedenken, dass Schweizer Haushalte weniger als 7 Prozent des Budgets für Lebensmittel ausgeben, im internationalen Vergleich sehr wenig. Die ärmeren Haushalte sollten dort entlastet werden, wo die Belastung tatsächlich gross sei, etwa bei den Mieten und bei der Krankenversicherung.

Über den eigenen Tellerrand hinaus

Die Initiative wird von Umwelt-, Landwirtschafts- und Konsumentenorganisationen unterstützt. Auch Entwicklungsorganisationen stehen dahinter. Die Fair-Food-Initiative schaue über den schweizerischen Tellerrand hinaus, sagte Markus Allemann, der Geschäftsführer von Swissaid. Im weltweiten Handel gehörten die Bauern im Süden oft zu den Verlieren. Deshalb seien Zielvereinbarungen wichtig, wie sie die Initiative vorsehe: Mit Importeuren und Detailhändlern sollen ökologische und soziale Standards ausgehandelt werden.

Weniger Tierleid

Heinz Lienhard, der Präsident des Schweizer Tierschutzes (STS), wies auf das Tierleid hin, das in manchen Importprodukten stecke. Die Schweiz importiere jährlich rund 120'000 Tonnen Fleisch, 100'000 Tonnen Milchprodukte und 700 Millionen Eier. Hinter diesen Zahlen stünden rund 100 Millionen Tiere. Viele von ihnen lebten unter schlimmsten Bedingungen, die in der Schweiz verboten seien.

Mit diesen Importzahlen sei die Schweiz kein kleiner Player, gab Lienhard zu bedenken. Ein solches Abnehmerland könne Bedingungen stellen, etwa mit der Bevorzugung von tierschutzkonformen Produkten im Einfuhrsystem. Es gebe auch im Ausland akzeptable Formen der Nutztierhaltung.

Handelsrecht respektieren

Die Initianten stellen sich auf den Standpunkt, dass das Volksbegehren handelsrechtskonform umsetzbar ist. Es sei das Ziel, das bestehende Handelsrecht zu respektieren und es gleichzeitig in Richtung mehr Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.
Zudem sei das Anliegen nötiger denn je. Die Initianten verweisen auf den Klimawandel, das Artensterben, die Massentierhaltung und Lebensmittelskandale.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Wenn wir wirklich etwas für unsere Umwelt tun wollen müssen wir diese Initiative unterstützen.
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  • Kommentar von Ivan Suter (Beren)
    Ich bin ganz klar für diese Initiative, wir müssen endlich handeln! Wenn es nicht über reinen Menschenverstand geht, dann halt über Gesetze... Die meisten Leute die dagegen sind, denken, dass die Preise für Lebensmittel sehr viel höher sein werden. Sie denken aber nicht daran, dass die jetztigen Preise so günstig ist, dass irgendwo in der Kette jemand zu wenig verdient oder an der Qualität gespart wird.
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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Ich jedenfalls werde die Initiative klar ablehnen, denn ich bin nicht bereit, mich über erhöhte Einfuhrzölle zum Konsum von masslos überteuerten Schweizer Lebensmitteln zwingen zu lassen. Gesundheit, Tierschutz, usw. hin oder her. Es ist eine Mogelpackung, von der parlamentarischen Bauernlobby ausgedacht, um der Landwirtschaft noch mehr Subventionsmilliarden hintenrein blasen zu können. Und die Preise ins Nirvana hochtreiben zu können. Das sehe ich definitiv nicht ein!
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