«Mütter gelten als nicht berufstätig»

Elternsein hat in unserer Gesellschaft keinen Stellenwert mehr – findet SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler. Sie kämpft mit der Familieninitiative für die gleichen Steuerabzüge, wie sie auch für Familien mit Fremdbetreuung gelten. SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr hält nicht viel von dieser Idee.

Eine Frau spielt mit zwei Kindern am Boden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die SVP fordert, dass Eigenbetreuung der Kinder von den Steuern abgezogen werden kann – so wie bei der Fremdbetreuung. Keystone

Mit dem Familienzuwachs geht oftmals die Frage einher: Wer betreut die Kinder? Ein Blick auf das Steuergesetz zeigt: Traditionelle Familien haben das Nachsehen. Wer seine Kinder selber betreut, kann dafür keine Abzüge geltend machen. Das sei nicht gerecht, wehrt sich Andrea Geissbühler, Berner SVP-Nationalrätin, in der Sendung «HeuteMorgen».

Mütter gelten als nicht berufstätig. Geissbühler sieht das anders – sie bekämen für ihren Beruf einfach kein Geld. Es sei nicht fair, dass diejenigen Eltern, die einen der wichtigsten Berufe überhaupt ausüben, bei den Steuern keinen Abzug machen können.

Dass berufstätige Eltern Anspruch auf einen steuerlichen Abzug haben, soll nicht geändert werden. «Wir gönnen den berufstätigen Müttern den Abzug.» Es soll nur gerecht sein, fordert Geissbühler, Mitglied des SVP-Initiativkomitees.

«  Wir wollen, dass pro Kind ein Abzug möglich ist – unabhängig davon, wie das Kind betreut wird.  »

Andrea Geissbühler

«In unserer Gesellschaft hat Mutter- oder Vatersein kein Stellenwert mehr», moniert die SVP-Politikerin. Aber: Wer Vollzeit zu Hause die Kinder betreut, verzichtet auf einen zweiten Lohn. Da sei es gerechtfertigt, diese traditionellen Familien zu stärken, so Geissbühler.

«Wir wollen, dass pro Kind ein Abzug möglich ist – unabhängig davon, wie das Kind betreut wird». Bei der Familienplanung müsse man sich fragen, was für das Kind am besten sei, nicht nur für die Mütter. «Mütter müssen vermehrt lernen, in Phasen zu leben», rät Geissbühler. Man könne auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Berufsleben einsteigen.

Fehr: «Initiative begünstigt die Reichen»

Jacqueline Fehr, Zürcher SP-Nationalrätin, ist gegen Steuerabzüge für die Selbstbetreuung. «Diese Initiative trifft die Falschen. Sie verteilt vor allem Steuergeschenke für Reiche. Mittlere und untere Einkommen gehen leer aus oder müssen unter dem Strich sogar mehr bezahlen.»

Fehr erklärt auf Radio SRF 4: «Wenn eine Familie 150’000 Franken verdient, durch 100 Prozent Arbeit im klassischen Fall, dann ist diese Familie reicher, als wenn für diese gleichen 150‘000 Franken zwei Personen arbeiten müssen.»

Zudem hätten die erwerbstätigen Eltern parallel dazu noch Aufwendungen für die Kinderbetreuung und müssten zusätzliche Steuerbeiträge und Sozialversicherungsbeiträge übernehmen. Sie leisteten für den Staat also mehr, als sie über Subventionen für die Kinderbetreuung beziehen würden, erklärt Fehr weiter.

Bundesrat gegen SVP-Initiative

Mit der Familieninitiative will die SVP, die Eigenbetreuung von Kindern steuerlich fördern. Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, sollen einen mindestens gleich hohen Steuerabzug bekommen wie Eltern, die ihre Kinder fremd betreuen lassen.

Der Bundesrat hat sich gegen die Initiative ausgesprochen. Nach seiner Ansicht soll sich das Steuerrecht gegenüber verschiedenen Familienmodellen neutral verhalten und nicht einzelne Formen bevorzugen.