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Gesperrte Geldspiel-Seiten «Netzsperren bringen statt Lösungen nur Probleme»

Das sei ein Dammbruch, sagen Experten nach dem Entscheid des Nationalrates zum Online-Glücksspiel. Mit dem neuen Geldspielgesetz wird erstmals in der Schweiz eine sogenannte Netzsperre eingeführt.

Netzsperren können immer umgangen werden

Netzsperren seien immer die falsche Option, sagt Alexander Sander, Geschäftsführer bei der Digitalen Gesellschaft Deutschland. Erstens, weil sie so gut wie immer umgangen werden können – ihr beabsichtigtes Ziel also in der Regel nicht erreichen. Zweitens lösten sie das grundlegende Problem nicht, sagt Sander. Ein illegales Online-Angebot bestehe nämlich weiterhin, es werde nur unsichtbar gemacht.

Netzsperren sind immer die falsche Option.
Autor: Alexander SanderDigitale Gesellschaft Deutschland

Das sei also keine Ursachen-, sondern Symptombekämpfung. Die Auswirkungen von Netzsperren seien vor diesem Hintergrund unverhältnismässig hoch, eine absurde technische Zensurmassnahme.

Löschen bringt mehr als sperren

In verschiedenen europäischen Ländern werden Netzsperren regelmässig zum «Schutz vor Terrorismus» und «Kindsmissbrauch» gefordert. Fachleute sind sich jedoch einig: Löschen bringt mehr als sperren. Illegale Angebote sollen strafrechtlich belangt, abgeschaltet und den Hintermännern das Handwerk gelegt werden. Insbesondere im Fall von Terrorismus und Kindsmissbrauch sei ein Deckmantel des Schweigens ein fatales und kontraproduktives Signal.

Dass in der Schweiz einschneidende Zensurmassnahmen mit wenig bedrohlichen Glückspielangeboten gerechtfertigt werden, lässt Schlechtes für die Zukunft befürchten, sagt Linus Neumann vom Chaos Computer Club (CCC). Dieser ist die grösste europäische Hackervereinigung und seit über dreissig Jahren Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen.

Sind die technischen Anlagen für Netzsperren etabliert, folgen umgehend Forderungen nach Ausweitung.
Autor: Linus NeumannChaos Computer Club (CCC), Deutschland

Seien die technischen Anlagen und juristischen Prozesse für Netzsperren erst einmal etabliert, würden umgehend Forderungen nach Ausweitung in andere Bereiche laut, sagt Neumann. Deswegen sei schon der erste Schritt zum Errichten einer Zensur-Infrastruktur zu unterbinden.

Legende: Video Geldspiele im Internet werden gesperrt abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.03.2017.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Warum bauen wir nicht gleich einen Elektrozaun um die Schweiz und kappen alle Datenleitungen? Ausreisen darf nur, wer einen kostenpflichtige Genehmigung erhalten hat und wehe, er kauft was im Ausland ein. Jämmerlich wie die Schweiz sich vor der Konkurrenz abschotten will. Vor allem: was bringt es? Nichts! Wir haben viel zu hohe Preise, genau wegen der fehlenden Konkurrenz. Damit füttern wir die Superreichen und Bosse und nicht die Kundenausrichtung.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Übelbekämpfung nützt nichts - Ursachenbehebung ist effizient!
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  • Kommentar von HP Korn (HaPeChe)
    Zusatzinfo: Während der Beratungen in der Rechtskommission forderte eine Minderheit, dass Suchmaschinen hierzulande nicht mehr auf ausländische Online-Spiele hinweisen dürfen. Der nächste Schritt - im löblichen Interesse des Schutzes der CH-Wirtschaft - wäre dann die Sperre aller ausländischen Shoppingportale wie amazon und der Hinweise der Suchmaschinen auf solche. Und ein weiterer die Sperre von Medien mit unschweizerischen Inhalten .... etc etc etc
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