Zum Inhalt springen
Inhalt

Gold-Initiative Volk lässt sich von Gold-Vorlage nicht blenden

Die Gold-Initiative hatte bei Volk und Ständen keine Chance. 77,3 Prozent der Schweizer Stimmbürger legten ein Nein in die Urne – dies bedeutete Ablehnung auch bei allen Ständen. Für Politologe Claude Longchamp ist klar, wer bei dieser Vorlage der glaubwürdigste Akteur war: die Nationalbank.

«Gold-Initiative»

Eidg. Vorlage: Volksinitiative vom 20. März 2013 «Rettet unser Schweizer Gold (Gold-Initiative)»

 

  • JA

    22.7%

    580'815 Stimmen

  • NEIN

    77.3%

    1'973'558 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    0.0

  • NEIN

    23.0

Abschaffung Pauschalbesteuerung

Eidg. Vorlage: Volksinitiative «Schluss mit den Steuerprivilegien für Millionäre (Abschaffung der Pauschalbesteuerung)»

 

  • JA

    40.8%

    1'052'995 Stimmen

  • NEIN

    59.2%

    1'527'908 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    1.0

  • NEIN

    22.0

«Ecopop-Initiative»

Eidg. Vorlage: Volksinitiative «Stopp der Überbevölkerung - zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen»

 

  • JA

    25.9%

    671'347 Stimmen

  • NEIN

    74.1%

    1'919'984 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    0.0

  • NEIN

    23.0

Legende: Video Claude Longchamp über die Gründe des Gold-Neins abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.
Aus News-Clip vom 30.11.2014.

Es ist eine bittere Niederlage für die Initianten der Gold-Initiative. Die Vorlage ist bei Volk und Ständen deutlich durchgefallen. Nur 22,7 Prozent der Schweizer Stimmbürger legten ein Ja in die Urne – dies bedeutet auch Ablehnung bei allen Ständen.

Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger konnten der Idee eines unverkäuflichen Gold-Notgroschens nichts abgewinnen. Rund 1'974'000 Personen legten ein Nein in die Urne und lediglich 581'000 stimmten für die Goldinitiative.

Argument der Gegener hat gepunktet

Am deutlichsten lehnten die Waadtländer mit 83 Prozent Nein-Stimmen das Volksbegehren ab, gefolgt vom Kanton Jura, wo fast 81 Prozent und dem Kanton Neuenburg, wo 80 Prozent der Stimmenden ein Nein in die Urne legten. In den Kantonen Tessin (66,7%) und Schwyz (70,8) lag der Nein-Stimmenanteil am tiefsten. Die Stimmbeteiligung lag schweizweit bei fast 50 Prozent.

Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern erklärt das deutliche Nein mit dem grundsätzlichen Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in Behörden und Institutionen.

Es sei in den letzten Jahren «Mode» geworden, dass man sofort eine Behörde anklage, wenn irgendwo ein Missstand auftauche, so Longchamp. Jene Kantone, die häufig extreme Positionen bezögen, hätten demnach etwas deutlicher Ja gesagt – ebenso Kantone, welche die Schweiz am stärksten von aussen abgrenzen wollten. Zudem hat laut Longchamp das Argument der Gegner – die Nationalbank würde geschwächt – gewirkt. Letztlich habe sich jedoch gezeigt, wer der glaubwürdigste Akteur gewesen sei; die Nationalbank selbst.

Goldspekulanten gehen leer aus

Es ist die zweite Niederlage einer SVP-Goldinitiative seit 2002. Damals forderte die SVP, dass die überschüssigen Goldreserven der Nationalbank vollumfänglich der AHV zugute kommen. Später scheiterten ihre Vertreter auch im Parlament wiederholt mit parlamentarischen Initiativen zum Thema. Allerdings entzog die Mutterpartei der jetzigen Vorlage die Unterstützung. Einige Kantonalparteien folgten jedoch den Initianten.

Enttäuscht über das Resultat dürften nicht nur die Initianten, sondern auch Goldhändler und -spekulanten sein. Wie die Goldmärkte auf das Nein reagieren, war am Sonntag nicht ersichtlich, da der Handel ruhte. Am vergangenen Freitagabend notierte die Feinunze Gold bei 1179 Dollar.

Der Goldpreis war jedoch bereits am 19. November gesunken, nachdem die Trendumfrage des Meinungsforschungsinstituts gfs.bern veröffentlicht worden war. Das mögliche Nein zur Goldinitiative hatte die Hoffnungen auf schnelle Gewinne gedämpft.

Goldmystikern zuliebe

Die Goldbindung des Frankens war im Jahr 2000 mit der neuen Bundesverfassung aufgehoben worden; ab Mai desselben Jahres wurden rund 1550 Tonnen Gold schrittweise verkauft. Ungefähr die Hälfe behielt die Nationalbank als Währungsreserve – laut dem damaligen Finanzminister Kaspar Villiger aus psychologischen Gründen den «Goldmystikern» zuliebe.

Seither hält die Nationalbank noch 1040 Tonnen Gold – im August entsprach dies 7,5 Prozent ihrer Aktiven. Mit über 90 Prozent machen die Devisenanlagen den weitaus grössten Teil der Aktiven aus.

Ein Ja zur Goldinitiative hätte gemäss Gegnern die Nationalbank in Schwierigkeiten gebracht. Ihre Handlungsfähigkeit wäre empfindlich eingeschränkt worden. Die Nationalbank hat ihre Bilanz in den letzten Jahren stark ausgeweitet – auch weil sie Devisen zukaufte, um den Frankenkurs tief zu halten.

Tonnenweise Gold zurückholen

Im Vorfeld der Abstimmung war diese Untergrenze mehrfach getestet worden, weil Investoren – vor allem aus dem angelsächsischen Raum – davon ausgegangenen waren, dass bei einer Annahme der Goldinitiative die Nationalbank die Untergrenze nicht mehr hätte garantieren können.

Bei einem Ja zur Initiative hätte die Nationalbank Gold im Wert von mindestens 60 Milliarden Franken zukaufen müssen, um den geforderten Mindestanteil von 20 Prozent zu erreichen. Um den Anteil zu halten, hätte die Nationalbank danach bei jedem Ankauf von Fremdwährungen oder bei sinkendem Goldpreis mehr Edelmetall in die Bilanz aufnehmen müssen.

Das Volksbegehren forderte ausserdem, dass die Nationalbank alle ihre Goldreserven in der Schweiz lagert. Neben den 70 Prozent, die bereits in der Schweiz lagern, hätten 20 Prozent aus Grossbritannien und 10 Prozent aus Kanada in die Schweiz transferiert werden müssen.

Diskutieren Sie mit!

Claude Longchamp und Urs Leuthard diskutieren im Abstimmungsstudio.

SRF liefert Ihnen auf Twitter via @srfnews Resultate in Echtzeit. Mit dem Hashtag #abst16 können Sie sich direkt an der Abstimmungssendung beteiligen. Auch auf Facebook freuen wir uns auf Ihre Meinung.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

39 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Glauser, Herlisberg
    Ich muss es beichten: Ich habe Ja gestimmt. Ich wollte auch einmal ein Gschäftli mschen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kurt Vollmer, Zürich
    Reinmann, Schlür & Stamm wollten mal wieder mit dem Kopf durch die Wand und haben eine haarsträubende Initiative ins Leben gerufen. Bis heute erschliesst sich mir nicht, was die 3 sich dabei gedacht hatten. Ich hoffe, dass diese Initiativflut von SVP-ler abnimmt und sie endlich erkennen, dass so keine zukunftsweisende Politik gemacht werden kann. Meine Hoffnung stirbt zuletzt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @K.Vollmer. Ich glaube die 3 Herren hatten die Volatilität der Märkte nicht einberechnet.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von UdoGerschler, Frankenberg
    Nun werden weiter Franken gedruckt und Euro gekauft.Schade um ein Land wie die Schweiz.Der Ausverkauf geht weiter.Hoffendlich wird es nicht in die EU eingemeindet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Was auch Sinn macht wollen wir weiter über eine Exportindustrie haben. Es wäre unglaublich dämlich würden wird das Limit jetzt aufgeben. 1. veriert man auf den EUR Positionen und 2. die Exportindustrie. Die Entscheidung war früher gefällt worden - jetzt muss man's durchziehen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      J. Baltensperger: auch eine Export-Industrie, gerade die der CH, muss importieren, um das Importierte verarbeiten und wieder exportieren zu können... Wie Grossbritannien. Nur hat dort die Wirtschaft erkannt "starkes Pfund gleich günstige Importe", währenddem man sich in der CH für teure Importe und billige Exporte stark macht und den Franken schwächt... Naja. Die Wirtschaft sagt dsa sei gut, also muss es ja gut sein... Oder?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von M.Meier, Bern
      Wie sinnvoll es ist, dass die Exportindustrie mit einem künstlichen Wechselkurs sich weiter Fett anfrist wird die Zukunft zeigen. Was mir angst macht, ist der Umstand, dass die SNB ohne Not-Reserven Milliardenweise Schrott-Euro besitzt. Die Schweizer rennen der verantwortungslosesten Regierung unserer Geschichte hirnlos hinter her.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Wenn Sie in EUR einkaufen, Verarbeitungskosten in CHF haben und teurer in EUR verkaufen ist des für Sie besser, wenn der CHF nicht zu hoch ist. Das ist doch eine einfache, logische Rechnung oder etwas nicht?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von M.Meier, Zürich
      @Baltensperger, und warum machen wir das nicht mit jeder Währung oder mindestens nicht auch mit dem Dollar? Beim Dollar ist das Problem noch größer als beim Euro. Die SNB ist nicht mehr unabhängig und fährt für unsere Oligarchen Risiken welche sie als Privatperson nie und nimmer machen würden. So einfach ist das. Der kleine Mann wird die Zäche zahlen, wie immer in der Schweiz
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      @Meier: Der EU Raum ist unser grösster Exportpartner, deshalb. Überdies wird der USD momemtan aufgrund steigender Zinsen grad stärker was gut ist für unseren Export. Was hat den nach Ihrer Ansicht "der kleine Mann" zahlen müssen? Die SNB hat das Geld gedruckt, mit dem die EUR gekauft wurden und es gibt keine Inflation. Ergo war die Aktion (bis jetzt) für Sie absolut gratis. Viel mehr noch, sie profitieren von den Steuereinnahmen der Exportindustrie.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    7. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Baltensperger, erst mal danke für Ihre knackigen Argumente welche hier z.T. ein seltenes Gut sind, auch wenn wir nicht gleicher Meinung sind. Kosten des kleinen Mannes: Der gebundene Wechselkurs führt zu Wachstum welches beim kleinen Mann nicht ankommt. Die tiefen Zinsen lassen die Immopreise explodieren - das Wachstum ist vernichtet. Wenn es knallt ist die Volksbank SNB pleite. Der kleine Mann trägt das Risiko weil er nicht international agieren kann.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    8. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Gerne. Die Wirtschaft wächst praktisch nicht. Die EUR-Anbindung führt dazu, dass die Wirtschaft nicht schrumpft. Das Schrumpfen wäre garantiert beim "kleinen Mann" angekommen durch Stellenkürzungen. Auch ohne EUR-Anbindungen wären die Immo-Zinsen tief weil die CH nicht in die Deflation abrutschen will. Von steigenden Immo-Preisen profitieren Schweizer Land- und Hausbesitzer. Die Eigenheimquote ist massiv gestiegen, was eher positiv ist weil so zumindest der Mittelstand am Immomarkt mitverdient.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen