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Hornkuh-Initiative Kühe würden Hörner tragen

Es geht ihm um Respekt und Würde: Bergbauer Armin Capaul hat den Abstimmungskampf eröffnet und ist sehr zuversichtlich.

Legende: Audio Auf in den Kampf für Kuhhörner abspielen. Laufzeit 03:58 Minuten.
03:58 min, aus Rendez-vous vom 02.10.2018.

Kariertes Hemd, Woll-Gilet, Zipfelmütze, langer weisser Bart. Bergbauer Armin Capaul wirkt, als hätte er sich in der Tür verirrt, als er im Medienzentrum in Bern die versammelten Journalisten über seine Initiative informierte.

Es geht um die Würde des Tieres.
Autor: Armin CapaulInitiant der Hornkuh-Initiative, Bergbauer

Er habe diese Hornkuh-Initiative eigentlich gar nie gewollt, erzählt der Bergler. Aber es sei die einzige Möglichkeit gewesen, um etwas für die Tiere zu tun. Zu Kühen gehörten einfach Hörner, sagt er und spricht konsequent nur Mundart. «Die Weltschöpfung hat die Hörner geschaffen. Es ist ein Teil des Tieres, den man respektieren soll. Es geht um die Würde des Tieres.»

Seine Initiative verlangt, dass Bauern, welche behornte Kühe, Stiere aber auch Ziegen halten, mit Direktzahlungen unterstützt werden. Die Initianten schätzen die Kosten auf jährlich etwa 15 Millionen Franken. Bei einem Landwirtschaftsbudget von drei Milliarden Franken falle das kaum ins Gewicht.

Legende: Video Kampagne für die Hornkuh-Initiative lanciert abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.10.2018.

Gegner argumentieren mit Sicherheit

FDP-Nationalrat Walter Müller (SG) dagegen hält nichts von der Hornkuh-Initiative. Das Enthornen sei heutzutage bei den jungen Kälbern schmerzfrei. Zudem könnten behornte Kühe für Menschen gefährlich sein, sagt der ehemalige Bauer: «Ein Kollege von mir hat ein Auge verloren wegen eines Horns. Die Gefahr ist einfach grösser mit Hörnern.»

Aber auch untereinander könnten sich die Kühe mit ihren Hörnern verletzen. Gerade heute wo immer mehr Landwirte ihre Tiere in Laufställen halten würden, bestehe diese Gefahr. Und so befürchtet FDP-Nationalrat Müller, dass bei einem Ja zur Initiative die Anbindehaltung im Stall wieder zunehmen könnte.

Nationalrat Walter Müller (FDP/SG) führt gegen die Hornkuh-Initiative vor allem Sicherheitsaspekte ins Feld.
Legende: Nationalrat Walter Müller (FDP/SG) führt gegen die Hornkuh-Initiative vor allem Sicherheitsaspekte ins Feld. Keystone/Archiv

Capaul setzt auf Anreize

Das werde nicht der Fall sein, sagt Bergbauer Capaul: «Wer seine Tiere anbindet, erhält nichts. Die Tiere müssen raus auf die Weide oder die Alp.» Mit «raus» spricht Capaul das Auslaufprogramm an, das es bereits heute gibt. Dieses entschädigt Bauern zusätzlich, wenn sie die Kühe im Sommer mehrheitlich und im Winter teilweise auf der Weide halten.

Der Betrag für behornte Kühe würde so einfach verdoppelt. Davon steht allerdings nichts im Initiativtext, sondern nur in einem Gegenvorschlag, von dem das Parlament aber nichts wissen wollte.

Capaul zeigt sich siegessicher

Aber genau so werde das Parlament dann die Initiative umsetzen müssen, ist Capaul überzeugt, der von der deutlichen Annahme des Volksbegehrens überzeugt ist: «Mit 80 Prozent Ja-Stimmen und allen Ständen kann ich mir schwer vorstellen, dass noch etwas herumgedreht wird. Sonst müssen sie dann aufpassen, dass sie nächstes Mal erneut gewählt werden.»

Armin Capaul hat keine Zweifel, dass das Volk Kühe mit Hörnern fördern will.
Legende: Armin Capaul hat keine Zweifel, dass das Volk Kühe mit Hörnern fördern will. Keystone

Nationalrat Müller will keine Prognose wagen. Er sei auch nicht gegen Hornkühe. Aber das gehöre nicht in die Verfassung. Es soll jeder seine Kühe halten, wie er das gerne möchte, sagt er und stellt die Frage: Wenn die Hörner denn so wichtig sind, warum sind sie nur wichtig, wenn es einen Beitrag gibt?

Stimmfreigabe des Bauernverbandes

Bei den Landwirten sind die Meinungen gespalten. Das widerspiegelt sich auch bei der Parole des Bauernverbandes. Dieser hat nämlich Stimmfreigabe beschlossen.

Die «Hornkuh-Initiative», Abstimmung am 25. November 2018

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Eidgenössische Volksinitiative 'Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere (Hornkuh-Initiative)

Die Bundesverfassung1 wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3 Er [der Bund] richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Vogel (goldamsel)
    Hier scheint ja ein Glaubenskrieg um das goldene Kalb bzw. dessen Horn ausgebrochen zu sein. Wie teuer darf denn so ein Horn sein? Wie viele Tiere werden nach Annahme dieser Initiative weniger enthornt? Wer ein bisschen rechnen kann, der erkennt schnell den Verhältnisblödsinn. Deshalb wird das CH-Volk diese Initiative haushoch verwerfen. Ein bisschen Tierwohl je nach Laune des Bauern und angebotener Lösegeldzahlung ist Wischiwaschi. Schade um das gut gemeinte Engagement der Initianten.
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  • Kommentar von Anita Rusterholz (Anita Rusterholz)
    Herr Stähli: zu Ihrem Geschriebenen und zu Ihren Antworten widersprechen Sie sich aber sehr. Wenn sich eine Kuh leckt, bedeutet das Hygienbedarf. Leckt sie eine ihrer Artgenossen, hat das mit Zuneigung zu tun. Die Zunge gehört zu den 5 Sinnesorganen u.somit zum Kopf. Die Hörner braucht sie demnach zum Kratzen. Die Hörner sind zum Wohl der Tiere da u.haben eine wunderbare Funktion zum ganzen Körper.Wenn den Tieren mit heissem Eisen die durchbluteten Hörner weggebrannt werden,ist das Tierquälerei.
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    1. Antwort von Katharina Rhyner (Katharina Rhyner)
      Mit den Hörnern erreicht eine Kuh nur einen sehr begrenzten Bereich ihres Körpers. Mit der Zunge schon mehr Stellen. Wichtig sind Bäume, Büsche oder große Steine zum kratzen. Im Stall und Laufhof erfüllen Kratzbürsten diesen Zweck. Wir wählen bewusst Stiere zur Besamung aus,die keine Hörner vererben. Zu oft haben sich früher unsere Kälber an den Hörnern verletzt. Auch wenn ihr der Initiative zustimmt, werden wir dies zum Wohl der Tiere nicht ändern. Unseren hornlosen Kühen fehlt es an nichts.
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  • Kommentar von Edi Steinlin (Chäsli)
    Richtig wäre, wenn kein Bauer mehr Subventionen bekommen würde, wenn seine Kühe keine Hörner haben.
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