Jurafrage: In Moutier wird es spannend

Das Industriestädtchen Moutier liegt nur zehn Kilometer entfernt vom jurassischen Kantonshauptort Delémont, gehört aber zum Kanton Bern. Die Jurafrage spaltet besonders hier Freundschaften und sorgt für heikle Situationen.

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Bildlegende: Im Rathaus des Berner Städtchens Moutier sind die Separatisten in der Mehrheit. Keystone

Bei der Abstimmung über einen neuen Kanton Jura wird besonders gespannt auf das bernische Moutier geschaut. Das Industriestädtchen liegt nicht weit weg vom jurassischen Hauptort Delsberg. In Moutier leben besonders viele Separatisten, also solche, die vom Kanton Bern weg wollen.

Auch er will weg vom Kanton Bern. Jean-Rémy Chalverat. 1987 wurde er zum ersten separatistischen Stadtpräsidenten von Moutier gewählt. In einem sehr angespannten Klima, wie er selber sagt: Er habe täglich per Telefon anonyme Morddrohungen erhalten. Man habe sogar seine Kinder bedroht, erzählt der 57-Jährige.

Die Verwaltung in Bern ist weit weg

Moutier war und ist noch heute der Knackpunkt in der Jurafrage. Denn das Industriestädtchen liegt bloss 10 Kilometer südlich der jurassischen Hauptstadt Delémont entfernt. Moutier wird mehrheitlich von Separatisten regiert. Entsprechend hoch ist der Anteil jener Einwohner, die sich mit dem Kanton Jura vereinen möchten.

Jean-Rémy Chalverat selbst überquert täglich die Kantonsgrenze. Er ist Staatsangestellter im Kanton Jura und arbeitet in Delémont. Dank seinem Job sehe er, welche Vorteile ein eigener Kanton bieten könne.

Der Kanton Jura habe ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung. Die Verwaltung sei bürgernah. Hier in Moutier sei die Verwaltung weit weg in Bern wo erst noch deutsch gesprochen werde.

Er sei begeistert von der Idee, sich von dieser deutschsprachigen Berner Mehrheit zu lösen und eigenständig zu werden. Doch leider habe sich im Berner Jura das Kräfteverhältnis nicht verändert, sagt Jean-Rémy Chalverat. Es gebe rund 60 Prozent Pro-Berner.

Freundschaften in Gefahr

An einen neuen gemeinsamen Kanton mit den Jurassiern glaubt er nicht. Aber: Die grosse Hoffnung des ehemaligen Stadtpräsidenten ist, dass sich Moutier diesmal vom Kanton Bern löst und in einer zweiten Abstimmung auf Gemeindeebene zum Kanton Jura wechselt. Das könnte umliegende Gemeinden aufmuntern, ebenfalls den Kanton zu wechseln, glaubt Jean-Rémy Chalverat.

Einer, der die Kantonsgrenze in umgekehrter Richtung überquert ist Pierre Chételat. Er wohnt in Delsberg wo er für die FDP im Stadtparlament sitzt. Sein eigenes Architekturbüro ist jedoch in Moutier.

Der 51-Jährige ist ebenfalls für eine Wiedervereinigung der Berner Jura mit dem Kanton Jura. Doch bei seinen FDP-Parteifreunden im Berner Jura hat er einen schweren Stand. Sie alle sind Pro-Berner.

Er könne seine Freunde in der Jurafrage niemals überzeugen und wolle deshalb auch nicht ihre Freundschaft aufs Spiel setzen.

Die Jurafrage ist heikel

Im Beruf ist der Architekt zudem klar nach Bern ausgerichtet. Seine Kunden stammen vorwiegend aus Moutier und Umgebung.

Das sei heikel für ihn. Er führe aber keine aggressive Kampagne, sondern versuche die Leute mit Argumenten zu überzeugen von einem neuen gemeinsamen Kanton.

Doch auch der Architekt, der in Moutier arbeitet, glaubt nicht, dass der Berner Jura dem zustimmen wird. Immerhin, so glaubt Pierre Chételat, dürften zuhause im Kanton Jura rund 80 Prozent der Gründung eines neuen Kantons zustimmen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Immer mehr Bernjurassier gegen Grosskanton Jura

    Aus Tagesschau vom 29.10.2013

    Am 24. November stimmt der Berner Jura erneut über seine kantonale Zugehörigkeit ab. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Der Widerstand gegen einen Grosskanton Jura hat sich verstärkt. 62 Prozent der befragten Bernjurassier sind dagegen.