Zum Inhalt springen

Pauschalbesteuerung Pauschalbesteuerung – eine Farce?

Pauschalbesteuerte dürfen in der Schweiz nicht erwerbstätig sein. Zu Geld kommen sie trotzdem, monieren die Gegner. Zudem sei die gängige Praxis insbesondere gegenüber Schweizer Sportlern und Künstlern unfair.

Am 30. November kann das Schweizer Stimmvolk über die Pauschalbesteuerung entscheiden. Pauschalbesteuerte Ausländer dürfen heute in der Schweiz arbeiten, aber nicht erwerbstätig sein.

Allerdings dürfen sie Aktionäre sein, eine Beteiligungsgesellschaft haben oder sich strategische Überlegungen machen – sie dürfen einfach nicht bezahlt werden dafür, erklärt Robert Waldburger, Steuerexperte und Professor an der Universität St. Gallen.

Economiesuisse spricht von «Grauzone»

In der Praxis ist die Frage, ob jemand erwerbstätig ist und was als Arbeit gilt, nicht so einfach zu beantworten. Das gibt auch Frédéric Pittet vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse zu. «Dies ist bis zu einem gewissen Stück eine Grauzone, es ist nicht einfach, das ganz genau zu bewerten.»

Doch auch wenn sich Pauschalbesteuerte korrekt verhalten, empfinden sie die Gegner als stossend. Es gebe genügend Beispiele, wo reiche Ausländer, nur weil sie offiziell keinen Lohn beziehen, profitieren würden, sagt Niklaus Scherr vom Initiativ-Komitee gegen die Pauschalbesteuerung.

Porträt von Viktor Vekselberg.
Legende: Der russische Oligarchen Viktor Vekselberg wird pauschalbesteuert. Keystone

«Wir finden es ungerecht. Denken Sie an den Oligarchen Viktor Vekselberg, der Sulzer und OC Oerlikon kontrolliert, der pauschalbesteuert ist. Oder Timtschenko, der grosse Erdölhändler aus Genf. Wir finden, dass da eine sehr willkürliche Praxis in den Kantonen herrscht,» sagt Scherr.

Schweizer Sportler und Künstler im Nachteil

Die Gegner stören sich auch daran, dass beispielsweise ausländische Künstler oder Sportler, die noch jung sind, viel Geld verdienen und in der Schweiz wohnen, trotzdem weniger steuern zahlen, nur weil sie Ausländer sind.

«Wenn wir den Erfolg von Roger Federer anschauen, ist es doch bitter zu sehen, dass er vielleicht zwanzigmal mehr Steuern zahlt als ein ausländischer Formel-1-Fahrer, der gleich viel verdient und auch in der Schweiz wohnt, aber keinen Schweizer Pass hat», sagt Scherr. Hier werde die Steuergerechtigkeit verletzt.

Auch Mehreinnahmen möglich

Man dürfe reiche Ausländer als Steuerzahler nicht verlieren, argumentieren die Befürworter der Pauschalbesteuerung. Doch mit der Abschaffung der Steuer sind auch Mehreinnahmen möglich, zeigen die Gegner. mehr

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Paul, St. Gallen
    Alle Ideen, welche die Steuergerechtigkeit vorantreiben sind zu unterstützen. Es gibt keinen Grund irgendwelche Privilegien der Gerechtigkeit vorzuziehen. Vor dem Staat sind alle gleich, ob arm oder reich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von R.Schmid, Herisau
    Eigentlich sind wir schon Klever. Wir locken die Ausländer mit Steuervorteilen ein paar Jahre rein, und wenn sie dann hier sind und ihre Häuser und Wurzeln gebaut- geschlagen haben, schafen wir die Pauschalsteuer wieder ab. Wenn nur jeder zweite bleibt haben wir so doch mehr Einnahmen. Ich habe umgelenkt und werde Ja stimmen. Denn es ist nocht fair.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      Häuser gebaut, ja. Wurzeln geschlagen??????? Sicherlich Nein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Paul Beaumont, Pfaeffikon
      Bei sehr vielen Leuten ist Neid der Leitfaden ihres Denkens. Damit kommen sie aber nicht sehr weit. Die meisten reichen Leute sind erfolgreiche Leute. Sie haben es geschafft. Sie sind ideenreich. Sie sind geistig, mental koerperlich beweglich. Fuer sie ist die Welt klein. Anderseits ist es falsch zu glauben, die Reichen zu besteuern bringe den Aermeren Vorteile. Wenn man die Reichen bedraengt gehen sie. Fuer sie ist das kein Problem, fuer uns koennte es aber eines werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von M.Meier, Bern
      @Beaumont, Im Kanton ZH ist das Aufheben der Pauschalsteuer ein fairer Erfolg! Fairness u. Gleichbehandlung hat etwas mit Moral und Gerechtigkeit zu tun, aber sicher nicht mit Neid. Sicher sind erfolgreiche Unternehmer u. Superleicht flexibler als andere, wieder andere laufen 100m unter 10 Sec. u. andere können es nicht weil sie behindert sind. Moral u. Gerechtigkeit sollen solche Unterschiede ausgleichen, das sollte uns Menschen von raffgierigen Tieren unterscheiden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Paul Beaumont, PfEFFIKON
      Meier. Es stimmt eben nicht dass Zuerich ein Erfolg ist. Das sagen nur gewisse Leute. Das hat aber in dieser Diskussion nur eine untergeordnete Rolle. Die auslaenderfeindliche Stimmung in der Schweiz nimmt langsam aber sicher gefaehrliche Formen an. Ich habe mehr als die Haelfte meines Lebens im Ausland gelebt, in verschiedenen Laendern, verschiednen Sprachen, verschiedenem familiaeren Hintergrund. Nirgends habe ich eine solche Feindseligkeit verspuert wie sie heute hier zutage getragen wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ben Dalton, Zürich
    die Steuerhoheit liegt bei den Kantonen und nicht beim Bund, somit ist diese Abstimmung eigentlich verfassungswidrig.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      ... dann wär' auch die Türmli-Initiative ebenso verfassungswidrig gewesen, da dort eine Bauverordnung! in die Bundesverfassung reingeschrieben wurde .... ....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      ..verfassungswidrig wäre in anständigen Ländern vor allem, würde man nicht alle Bürger vor dem Gesetz gleich behandeln, schließt natürlich auch die die Gleichheit vor den Steuergesetzen mit ein. Aber in der Schweiz kann ja das Stimmvolk unkontrolliert Willkür ausüben, eine Verfassungsgerichtsbarkeit, die Willkür verbietet, gibt es in der Schweiz nicht. Schließlich ist Willkür in der CH immer recht, wenn man zu Lasten ausländischer Volksgemeinschaften ungehemmter Profitsucht nachgehen kann.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen