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Präimplantationsdiagnostik Präimplantations-Diagnostik wirft viele ethische Fragen auf

Haben Embryonen eine Würde und damit ein Recht auf Schutz? Ist ein behindertes Kind zumutbar? Fördern Gentests die Verbreitung von Designerbabys? Die Präimplantations-Diagnostik wirft zahlreiche ethische Fragen auf, die sich so leicht nicht beantworten lassen.

Ein Embryo im Anfangstadium
Legende: Haben Embryonen erst nach ihrer Einnistung in die Gebärmutter ein Recht auf Schutz oder von Beginn an? Imago

Die Präimplantations-Diagnostik (PID) berührt als Teil der Fortpflanzungsmedizin zahlreiche Problemfelder der Ethik. Im Fokus stehen dabei nicht nur der Status der Embryonen und ihr allfälliges Recht auf Schutz, sondern auch die elterlichen Bedürfnisse sowie die Bedeutung des Verfahrens für die Gesellschaft.

Die Würde des Embryos

Mit der PID werden nicht nur Krankheiten und Anomalien an befruchteten Eizellen festgestellt. Das Verfahren führt zwingend zu einer Selektion und anschliessender Verwerfung von ungeeigneten Embryonen. Daher stellt sich die Frage, ob Embryonen bereits in diesem Stadium bereits eine Würde besitzen und damit eigentlich ein Recht auf Schutz hätten.

Zwei Positionen stehen sich bei der Fragestellung gegenüber. Die erste überträgt dem Embryo die Schutzwürdigkeit des geborenen Menschen von Beginn an. Vertreter dieser Position argumentieren unter anderem, dass Embryonen biologisch der Spezies der Homo sapiens zugehörig sind und daher dieselben Rechte wie die anderen Mitglieder der Spezies besitzen.

Legende: Video Verfassungsgrundlage für Präimplantationsdiagnostik abspielen. Laufzeit 01:02 Minuten.
Aus News-Clip vom 15.05.2015.

Die Vertreter der zweiten Position sprechen dem Embryo eine Schutzwürdigkeit in abgestufter Weise zu. Diese ist nicht von Anfang an gegeben, sondern hängt vom Erreichen einer bestimmten Entwicklungsstufe ab. Dabei können unterschiedliche Stadien der Entwicklung als würderelevant definiert sein: die Einnistung in die Gebärmutter oder die Bildung des sogenannten Primitivstreifens, ein Zellwulst, der anzeigt, dass eine Mehrlingsbildung ausgeschlossen ist..

Das Wohl der Eltern

Befürworter der PID nennen als Legitimationsgründe das Wohl der Eltern sowie die medizinische Bedeutung des Verfahrens für die Gesellschaft. Folgende Argumente werden unter anderem geltend gemacht:

  • Eltern könnten Mitleid mit dem zu erwartenden kranken Kind haben
  • Die Eltern muten sich kein (weiteres) behindertes Kind zu
  • Die Feststellung von Gendefekten oder Krankheiten ist technisch möglich und hilft diese zu vermeiden
  • Eine PID stellt für die Eltern eine geringere körperliche und seelische Belastung dar als ein Schwangerschaftsabbruch
  • Langfristig könnten mit der PID schwerwiegende Erbkrankheiten zum Verschwinden gebracht werden.

Unterwegs zum Mensch nach Mass

Gerade weil es bei der PID letztlich um Selektion und Verwerfung von Embryonen geht, kann die Einführung des Verfahrens auch gesellschaftliche und familiäre Folgen haben. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:

  • Fördert die PID die Vorstellung, dass gesunde Kinder machbar sind und eine Art «Rückgaberecht» besteht, wenn ein Embryo genetische Defekte aufweist?
  • Führt die PID zu einer Diskriminierung von Behinderten und ihrer Eltern?
  • Senkt die PID die gesellschaftliche und elterliche Hemmschwelle gegenüber Selektion und kommt es dadurch zu einer Bevorzugung von positiv bewerteten Erbanlagen?

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Eduard Biner, Zermatt
    Gewisse bürgerliche und erst recht kirchliche Kreise kann ich überhaupt nicht verstehen. Man darf einen Embryo, der nur aus wenigen Zellen besteht nicht auf Krankheiten untersuchen. Man setzt dann z. B. 3 solche Embryonen einer Frau ein. Dies kann zu einer Drillings-Schwangerschaft führen. Die 3 Föten dürfen dann untersucht werden und gegebenenfalls bis zur 12. Schwangerschaftswoche abgetrieben werden! Die PID könnte solches verhindern! Aber man ist dagegen. Seltsame Moralvorstellungen!
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Eduard Biner, schon die paar wenigen Zellen eines Embryos birgen LEBEN in sich. Die Zeugung eines Toten ist in der Natur unmöglich. Wenn Sie so verächtlich über die paar Zellen schreiben, frage ich Sie auch, was Sie für seltsame Vorstellungen haben, jedenfalls keine ethischen.
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    2. Antwort von Eduard Biner, Zermatt
      @Marlene Zeiger, Es war keineswegs meine Absicht, verächtlich über die wenigen Zellen zu schreiben, sondern sie ins Verhältnis zu einem Fötus zu stellen, bei dem alle Organe bereits ausgebildet sind und der dann abgetrieben werden darf! Finden Sie das wirklich besser, als die Zellen schon vorher zu untersuchen? Sind das keine ethischen Vorstellungen?!
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  • Kommentar von jc heusser, erstfeld
    Wenn in der heutigen Gesellschaft viele "gesunde Menschen" Mühe haben sich zurechtzufinden und dem Leistungsdruck gerecht zu werden, wie sollen es den Menschen welche mit einem genetischen Defekt geboren werden erst recht schaffen? Menschen mit einer Behinderung sind für die Gesellschaft eine grosse auch finanzielle Belastung und wenn das verhindert werden kann ist das in Ordnung! Oder einfach dem Motto "Gott hat es so gewollt" und die Gesellschaft soll schauen . . .
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    1. Antwort von cl.ravasio, n'lenz
      ...ich habe es geschafft! Und mit mir Tausende. Während dem viele "gesunde Menschen" am sozialen Tropf hängen. Wer gibt ihnen das Recht an unserem Lebenswillen zu zweifeln und uns zum Tod zu verdammen? Ich habe gelernt zu kämpfen, vielleicht schneller als Sie! Ich pflege meine alten Eltern, habe die gleichen Sorgen und Sörgeli wie jeder! Halt stimmt nicht: Sie haben noch mehr Sorgen weil sie zu denen gehören die sich das Recht herausnehmen wollen zu bestimmen wer ein Recht auf Leben hat.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Alain Berset ist ein Bundesrat aus dem linken, sozialistischen Hause. Den Sozialisten geht es um die Menschenrechte. Dafür setzen sie sich mit Herzblut ein: Für die gerechte Behandlung von Asylsuchenden, für Flüchtlinge, für die Integration der Migranten. Sie machten sich einst auch stark für das Antirassismusgesetz. Und genau diese Sozialisten befürworten die Eliminierung von unerwünschten Menschen, die nicht dem Mainstream entsprechen. Welch ein irrsinniger Widerspruch
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    1. Antwort von Kurt Farner, Täuffelen
      Wäre es etwa klüger und ethischer, das Embryo zuerst einzupflanzen, und es ein paar wochen später wegen einem festgestellten Defekt wieder abzutreiben? DAS ist der grosse Widerspruch! Aber der wird von den Gegnern der PID totgeschwiegen.
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    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Genau, Kurt Farner, das ist das heuchlerische Argument der Befürworter, um eine PID zu legalisieren, damit die Eltern um eine legale Abtreibung kommen können. Beides ist ethisch verwerflich. Denn das eine zieht das andere nach. Abtreibung ist zudem MORD AN EINEM MENSCHEN, auch wenn er anfänglich "nur" ein Klümpchen im Mutterbauch ist, aber ein Klümpchen, welches die Fähigkeit hat, zu einem Menschen heranzuwachsen.
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