Kampagnen 2.0 So geht Abstimmungs-Kampf heute

Politiker treten mit falschen Bärten in Online-Videos auf – oder Websites zeigen Selfie-Testimonials. Parteien und Verbände wollen näher an die Stimmbürger.

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Politwerbung: Boomende Online-Kampagnen

2:01 min, aus Tagesschau vom 5.9.2017

Im laufenden Abstimmungskampf zur Rentenreform schreien die klassischen Plakatkampagnen wie immer ihre Botschaften von den Plakatwänden. Sie sind wohl weiterhin die prominentesten Werbemittel. Trotzdem setzt der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) neben den Plakaten auf Online-Videos mit Polit-Prominenz als Laienschauspieler.

Die gezeigten Szenen sollen die aus Sicht der Gegner mangelnde Fairness der Vorlage illustrieren. Bernhard Salzmann, der beim SGV für die Videos verantwortlich ist, erklärt: «Um die Jungen anzusprechen, müssen wir neue Wege gehen. Deshalb wollen wir in die sozialen Medien, wollen wir online sein – und das machen wir mit diesen Videos. Ich denke, wir haben das durchaus erreicht.»

Mobilisierung fehlt

Der Selbsteinschätzung des SGV kann Daniel Graf, Berater für Kampagnen in den sozialen Medien nicht ganz zustimmen. Die Videos seien eigentlich gut gemacht, da sie jeweils eine Geschichte erzählten.

Ein gutes Video allein reiche aber nicht aus für den Erfolg. Dazu müsse man die Stimmbürger in die Kampagne integrieren, indem man ihnen sage, was sie im Rahmen der Kampagne zu tun hätten: «Kampagnen, die Leute einbinden und mobilisieren, haben den Effekt, dass diese am Wahltag oder am Abstimmungstag auch wirklich an die Urne gehen.»

Selfies für die Rentenreform

Die Befürworter der «Altersvorsorge 2020» versuchen mit einer neuen Website Frauen in ihre Kampagne einzubinden. Dort sollen Frauen die Reform öffentlich unterstützen, indem sie ein Foto von sich veröffentlichen.

Den Link zum Bild können sie dann in sozialen Medien teilen. Die Koordinatorin der Aktion, Béatrice Wertli von der CVP, ist überzeugt: «Das ist einfach, das geht schnell und das ist authentisch.»

Verbesserungspotenzial vorhanden

Sowohl das Ja-Lager wie auch das Nein-Lager versucht sich an neuen Kampagnenformen. Zu Recht, findet der Kampagnenberater Graf: «Ein grosser Teil der Bevölkerung ist auf Facebook, und zwar stündlich oder täglich. Wenn Politiker Veranstaltungen machen, erreichen sie viel weniger Leute als auf Facebook.»

Doch damit die Kampagnen auch wirklich ankommen, müssen wohl beide Seiten noch an Form und Inhalt arbeiten.