«Servir et disparaître»: Boris Banga kehrt der Politik den Rücken

Das Ringen um das Stadtpräsidium in Grenchen ist zu Ende, und der Sieger heisst: François Scheidegger. Der FDP-Vertreter holte mit 2610 Stimmen nur gerade 137 Stimmen mehr als der langjährige Stadtpräsident Boris Banga. Er hört nach 22 Jahren auf, und zieht sich ganz aus der Politik zurück.

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Bildlegende: François Scheidegger (FDP) hat künftig in Grenchen das Sagen. ZVG

22 Jahre lang hat Boris Banga Grenchen als Stadtpräsident geführt und geprägt. Nun ist diese Ära zu Ende: Im zweiten Wahlgang unterliegt der 64-jährige SP-Mann seinem Herausforderer François Scheidegger (FDP). Dieser lag bereits im ersten Wahlgang vorne.

Der bürgerliche Kandidat holte am Sonntag 2610 Stimmen. Banga erhielt 2473 Stimmen. In der Wahlurne landeten auch viele leere Wahlzettel: 149 waren es insgesamt. Die Stimmbeteiligung in Grenchen lag bei fast 54 Prozent.

Der 51-jährige François Scheidegger ist seit 2010 einer von zwei Präsidenten des Amtsgerichtes Solothurn-Lebern. Von 2002 bis 2009 war der FDP-Politiker Stadtschreiber von Grenchen und damit Untergebener von Banga.

Boris Banga hört nun auch als Gemeinderat in Grenchen auf

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Bildlegende: Er muss gehen: Boris Banga ist nach 22 Jahren als Stadtpräsident abgewählt worden. ZVG

Mit der Niederlage von Boris Banga geht auch eine andere Ära zu Ende: In Grenchen hatte die SP 114 Jahre lang das Sagen. Boris Banga will sich nun ganz aus der Politik zurückziehen und hört als Gemeinderat in Grenchen auf, wie er dem Regionaljournal Aargau Solothurn erzählt. «Servir et disparaître – dienen und dann verschwinden: Das habe ich schon vor den Wahlen angekündigt, und das werde ich auch tun», erklärt Banga.

Bangas Herrschaft an der Spitze der Stadt Grenchen war nicht frei von Affären. 2010 kam aus, dass seine Frau Barbara im Blog der lokalen Internetseite www.grenchen.net anonyme und beleidigende Kommentare geschrieben hatte.

Sie habe die anonymen Angriffe gegen ihren Mann «schlicht nicht mehr ertragen» können, hatte sie ihr Handeln gerechtfertigt. Sie gestand ein, «einen Fehler» gemacht zu haben. Banga selber bezeichnete die Blog-Einträge seiner Frau als den «grössten Liebesbeweis».

Untersuchung eingestellt aber Ermahnung

Im Jahr darauf wurden Mobbing-Vorwürfe gegenüber Boris Banga laut. Eine Voruntersuchung externer Experten hatte ergeben, dass in drei Fällen Mobbing nicht ausgeschlossen werden könne. Nachdem dies öffentlich wurde, ging Banga in die Offensive und beantragte eine Disziplinaruntersuchung gegen sich selbst.

Diese wurde dann allerdings nicht eröffnet, weil die betroffenen Mitarbeiter «zu einem so langwierigen und belastenden Verfahren» nicht bereit waren. Die Gemeinderatskommission stellte aber dennoch fest, dass beim Stadtpräsidenten «beträchtliche Führungsprobleme» vorlägen. Sie ermahnte ihn mit Nachdruck, sich «strikt an die geltenden Anstands- und Ausstandsregeln zu halten».

Alle Bürgerlichen gegen Boris Banga

Die bürgerliche Front gegen Banga war im Vorfeld der Wahlen geschlossen: Dem Komitee gehörten die Präsidenten der Stadtparteien FDP, BDP, CVP, Grünliberale und SVP an. Bereits im ersten Wahlgang vom 9. Juni liess François Scheidegger den bisherigen Boris Banga hinter sich. Bei einem absoluten Mehr von 2280 Stimmen entfielen auf den FDP-Kandidaten 2178 Stimmen. Banga kam auf 2009 Stimmen.