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Schweiz Absturz von Dürrenäsch: Als ein Bauerndorf verwaiste

50 Jahre ist es her, als bei Dürrenäsch im Kanton Aargau eine vollbesetzte Caravelle der Swissair abstürzte. 80 Tote waren die Folge. Über die Hälfte davon stammte aus dem Zürcher Bauerndorf Humlikon.

Am 4. September 1963 blickte die gesamte Welt auf das 220-Seelen-Dorf Humlikon im Zürcher Weinland. Auf einen Schlag verlor es 43 seiner Einwohner. Die Landwirtschaftliche Genossenschaft sowie Gemeinderat und Schulpflege in corpore waren in Dürrenäsch in einer Caravelle der früheren Swissair abgestürzt.

Fast die ganze mittlere Generation des Dorfes war ausgelöscht, 40 Kinder wurden zu Vollwaisen, acht zu Halbwaisen. Von den 25 Bauernbetrieben standen 20 ohne Inhaber da, selbst die Gemeindeverwaltung war verwaist.

Humlikon musste sich von einem Tag auf den anderen neu organisieren und wurde zugleich von der internationalen Boulevard-Presse bestürmt. Fotografen bedrängten Waisenkinder, Reporter drangen in die verwaisten Haushalte ein. In der Folge wurde das gesamte Dorf hermetisch abgeriegelt, viele Höfe erhielten Polizeischutz.

Ursache für den tragischen Unfall war ein Rollmanöver vor dem Start, das die Räder des Fahrgestells überhitzte. Daraufhin zersprangen die Felgen beim Start, die heissen Bruchstücke zerstörten die Hydraulikleitungen, und das auslaufende Öl entzündete sich. Die Maschine war manövrierunfähig.

Jahrelanges Schweigen – bis heute

Noch immer sind diese Wunden in Humlikon nicht vernarbt, und auch für die Verarbeitung der Trauer blieb kaum Zeit. «Wir haben keine Zeit zum Trauern, wir müssen arbeiten», hörten die Hinterbliebenen der Absturzopfer, wenn sie ihrer Trauer Luft machen wollten.

Silvia Werren verlor als 17-Jährige beide Eltern und musste nach dem Unglück den drei jüngeren Geschwistern die Mutter ersetzen. Für ihre eigene Trauer blieb keine Zeit. Jahre später brachen die Wunden von damals auf – Werren erlitt einen Zusammenbruch. Die Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung durch jahrelang verdrängte Trauer.

Auch die Einwohner des Aargauer Dorfes Dürrenäsch kämpfen bis heute mit dem Erlebten: Wrack- und Leichenteile lagen um die Absturzstelle herum verteilt und haben sich Schulkindern, Anwohnern und Helfern unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt.

Unauslöschliche Bilder

Wie durch ein Wunder gab es im Absturzort Dürrenäsch keine Verletzten. Dies, obwohl sich die Swissair-Caravelle nur einige Meter vom Dorfrand entfernt acht Meter tief in einen Acker bohrte.

Auch für die damalige Swissair war der 4. September 1963 ein dramatischer Einschnitt: Der Stolz der Nation verlor nicht nur acht seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern hatte auch seine Aura der Unverletzlichkeit eingebüsst.

Erinnerungen an 1963

Erinnerungen an 1963

Hanspeter Müller hatte die Unglücksmaschine in der Nacht vor dem Absturz gewartet und war als einer der Ersten an der Absturzstelle. Die Erinnerung an den Unglückstag ist ihm noch immer präsent. Mehr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Susanna Häusler, Birsfelden
    ich vestehe ja , dass Dürrenäsch 50 Jahre her ist und ich kann mich auch noch sehr gut an diesen Tag erinnern. Aber dass heute mit keinem Wort erwähnt wurde, dass heute vor 15 Jahren ein Flugzeug der Swissair über Peggys Cove bei Halifax abgestürzt ist, hat mich doch sehr betroffen gemacht. In den Zeitunung wurden Berichte gebracht, aber SRF TV hat es scheinbar nicht nötig über dieses Ereignis zu berichten. Wenigstens einen kleinen Beitrag zum Gedenken an die Menschen, die damals gestorben sind
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      15 Jahre sind halt keine runde Zahl. Deshalb wird wohl das SRF diesen schrecklichen Swissair-Absturz nicht thematisiert haben. Aber auch ich bin der Meinung, dass das SRF im Zusammenhang mit "Dürrenäsch" auch "Halifax" hätte erwähnen dürfen. .
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Diese Katastrophe von Dürrenäsch ist mir aus einem ganz bestimmten Grund in fester Erinnerung geblieben: Da unser Dorfprimarlehrer wegen Militärdienstes viele Monate fehlte - damals galt ein Mann noch viel, wenn er in der Armee Karriere machte -, hatten wir mehrere Aushilfsleute. Ich war noch ein kleiner Bub, aber ich weiss noch, dass eine knapp über 20-jährige Frau, die uns ein paar Wochen unterrichtete, zu denen gehörte, die dort ihre Eltern verloren hatten. Sie kam von Humlikon.
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Die Radio-Sendung ist aktuell, doch nicht die Sendung zum Flugzeugunglück.
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