«Feinde der Religion» Abu Ramadan: Hassprediger lebt auf Staatskosten

Ein libyscher Imam predigt in Biel Hass gegen Andersgläubige und Abkehr vom Staat – hat aber über eine halbe Million Franken Sozialhilfe kassiert.

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«Allah, töte alle Juden, Christen und Hindus»

0:21 min, vom 22.8.2017
  • Juden, Christen und alle «Feinde der Religion» will Abu Ramadan zerstört sehen.
  • An seinem Wohnort Nidau hat er 600'000 Franken Sozialhilfe erhalten.
  • Der Sozialhilfebezüger steigt als religiöser Reisebegleiter in Luxushotels ab.

«Oh Allah, ich bitte Dich, die Feinde unserer Religion zu zerstören. Zerstöre die Juden, Christen, Hindus, Russen und die Shia», predigt Abu Ramadan vor kurzem in der Bieler Ar’Rahmen-Moschee. Der «Rundschau» liegen Mitschnitte seiner Freitagsgebete vor. Der Libyer mahnt zur Abkehr von der westlichen Gesellschaft: «Wer sich mit einem Ungläubigen anfreundet, ist verflucht bis zum Tag des Jüngsten Gerichts.»

Die Menschenrechtsaktivistin und Kämpferin gegen den radikalen Islam, Saïda Keller-Messahli, hält Abu Ramdan für eine gefährliche Figur: «Das ist jemand, der nicht direkt zum Dschihad aufruft, aber den mentalen Nährboden dafür legt.» Hassprediger, die zu Abgrenzung statt Integration aufrufen, seien Gift für die Integration der Muslime in der Schweiz.

Keine Trennung von Religion und Staat

Abu Ramadan wirbt für einen politischen Islam: Religion und Politik liessen sich nicht trennen. Muslime sollten sich gegenseitig vor dem Zugriff der Justiz schützen. «Wenn Du erzählst, dass ein Muslim gestohlen oder vergewaltigt hat, (…) dann geht Dich das nichts an, und Du sollst nicht darüber reden.»

Imam Abu Ramadan bestreitet den Vorwurf, er predige gegen die westliche Gesellschaft und den Schweizer Staat. Dieser sei «eine grosse Errungenschaft nicht nur für die Schweizer Bürger, sondern für die ganze Menschheit». Er respektiere den Glauben anderer, und er kritisiere lediglich den Staat Israel und die zionistische Ideologie.

600'000 Franken von der Sozialhilfe

Allerdings: Das Geld des Staates nimmt der Imam gerne. 13 Jahre lebte er allein in seinem Wohnort Nidau von der Sozialhilfe – seit diesem Frühjahr erhält er AHV und Ergänzungsleistungen. Rund 600'000 Franken Sozialhilfegeld flossen auf das Konto seiner Familie. Der Mann, der weder Deutsch noch Französisch und nur rudimentär Englisch spricht, war auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar.

Wie ist es möglich, dass der Staat über Jahre hinweg einen Hassprediger finanziert? Der Sozialdienst Nidau reagiert schockiert auf die Recherchen von «Rundschau» und «Tagesanzeiger». «Aber», gibt Christian Hauri, Leiter Sozialhilfe, zu bedenken, «wir sind nicht der Staatsschutz. Wir haben nicht die Mittel, unseren Klienten hinterher zu forschen.»

Religiöser Begleiter auf Mekka-Reisen

Doch der langjährige Sozialhilfebezüger ist beruflich durchaus aktiv. Er wirkt nicht nur in Biel, sondern auch in Neuenburg als Imam und tritt als Fernsehprediger im libyschen Tanasuh-TV auf, einem islamistischen Propagandagefäss. Zudem amtet Abu Ramadan als religiöser Begleiter für das muslimische Reisebüro Arabian Excellence AETS in Genf.

Beat Feurer: «Massnahmen für die Ausweisung solcher Leute nötig»

0:10 min, vom 22.8.2017

Fotos und Einträge auf Facebook belegen seine zahlreichen Pilgerreisen nach Mekka – inklusive Übernachtungen in Luxushotels. Seine Tätigkeiten als Imam und religiöser Reiseführer seien Ehrenämter, sagt Abu Ramadan auf Nachfrage der «Rundschau». Lediglich die Reisespesen würden bezahlt. Ob das stimmt, lässt sich kaum überprüfen: «Wenn Geld schwarz fliesst, ist es in der Regel fast unmöglich, das zu beweisen», bedauert der Nidauer Sozialhilfechef Christian Hauri.

Biel will nun handeln: Sicherheitsdirektor Beat Feurer (SVP) will beim Staatsschutz Erkundigungen über Abu Ramadan einholen und darauf drängen, dass Druck auf den Hassprediger gemacht wird. «Ich persönlich bin der Meinung, dass solche Leute hier nichts zu suchen haben. Man sollte sie ausweisen.»