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Schweiz Ärzte dürfen kein Geld für Rezepte kassieren

Stellen Ärzte der Online-Apotheke «Zur Rose» ein Rezept für einen Patienten aus, dürfen sie dafür kein Geld bekommen. Dies hat das Bundesgericht festgehalten. Wer eine Entschädigung erhalte, sei nicht mehr unabhängig. Die Apotheken sind froh darüber.

Zwei Frauenhände verpacken ein Medikament in eine Schachtel.
Legende: Online-Versandhandel: Ärzte dürfen nicht am Ausstellen von Rezepten verdienen. Keystone/Archiv

Es ist kein neuer Kampf, der Kampf zwischen den Ärzten und den Apothekern um die Abgabe von Medikamenten. Es geht um viel Geld. Das Bundesgericht hat dazu am Montag einen wichtigen Entscheid gefällt: Ärzte dürfen keine Entschädigung von der Versandapotheke «Zur Rose» bekommen, wenn sie dieser ein Medikamenten-Rezept zukommen lassen.

Ersatz für Selbstdispensation

Im Kanton Zürich dürfen Ärzte Medikamente direkt in der Praxis den Patienten abgeben. Diese sogenannte Selbstdispensation ist erlaubt. Doch es gibt rund 35 Ärzte, die kein Medikamenten-Lager in der Praxis haben wollen und deshalb die Rezepte der Patienten direkt an die Versandapotheke «Zur Rose» übermitteln.

Diese schickt die Medikamente dann den Patienten direkt nach Hause. Für diese Dienstleistung bekommen diese Ärzte Geld von der Versandapotheke. Die notwendige Bewilligung für die Selbstdispensation haben die Ärzte beim Kanton Zürich nicht eingeholt.

Bundesgericht: Geld schadet Unabhängigkeit

Dies gehe nicht, sagt das Bundesgericht. Es brauche eine kantonale Bewilligung. Weiter stellt das Oberste Gericht klar: Die finanziellen Entschädigungen der Versandapotheke an die Ärzte verstossen gegen das Heilmittelgesetz. Es seien sogenannte therapiefremde geldwerte Vorteile.

Konkret heisst dies: Das Bundesgericht sagt, wer Geld für ein Rezept bekommt, der ist nicht mehr unabhängig. Genau so wenig wie ein Arzt von einer Pharmafirma Geld für die Verschreibung eines Medikamentes bekommen darf, darf er dies von einer Versandapotheke.

Gewöhnliche Rezepte kein Problem

Stellt ein Arzt ohne spezielles Entgelt ein Rezept für die Versandapotheke aus, wie wenn er dem Patienten ein Rezept für eine normale Apotheke ausstellt, dann ist das weiterhin zulässig. Auch nicht verboten ist, dass ein Patient sein Rezept selber bei einer Versandapotheke einlöst.

Die Apotheker, denen die Versandapotheken zunehmend Marktanteile wegnehmen, sind erleichtert über das Urteil. Sie sprechen von einem wichtigen Zeichen, für die Wahlfreiheit der Patienten und gegen die Korruption im Gesundheitswesen.

Die betroffene Versandapotheke auf der anderen Seite bedauert, dass damit der kostengünstige Weg des Direktversandes, der zur Senkung der Gesundheitskosten beitrage, ein Stück weit zumindest eingeschränkt werde.

Föderalistisch geregelt

In 13 Kantonen (BL, SO, AI, AR, GL, LU, OW, NW, SG, SZ, TG, UR, ZG) dürfen die Ärzte Medikamente an ihre Patienten verkaufen, in neun Kantonen (AG, BS, FR, GE, JU, NE, TI, VD, VS) ist die Selbstdispensation grundsätzlich verboten und in vier Kantonen (BE, GR, SH, ZH) werden Mischsysteme angewandt.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von marcus grossenbacher, ringgenberg
    herr mayenfisch, ich unterstütze das votum von pascal müller und taxiere ihren infomationsgrad als ungenügend. ihre fragen zu unterschiedlichen taxpunktwerten innerhalb eines kantons haben sie entlarvt. als ehemaliger chronophag im solde von pharmafimen beschmutzen sie u.a. das nest ihrer früheren arbeitgeber! ich verstehe die DMA als dienstleistung zu gunsten der patientInnen und bin mit einer umtriebsentschädigung zufrieden, wenn der lohn für die 60 h -woche stimmt!
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  • Kommentar von Christoph Mayenfisch, Winterthur
    Wenn Ätzte, Apotheker ,Krankenkassen,Pharmaindustrie etc .über Ethik sprechen sehe ich immer die Dollars in den -Augen von Onkel DAGOBERT.Es geht nur ums Geld. Die Schweiz ist wohl das einzige Land wo Ärzte in gewissen Kantonen Medikamente selbst verkaufen dürfen.Dadurch haben sie zwei Geldquellen verglichen mit Ärzten anderer Kantone.Die Wahl und Menge und Indikation der verkauften Medikamente ist vor allem finanziell motiviert! Viele Ärzte geben nur profitables ab der Rest wird verschrieben.
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    1. Antwort von Pascal Müller, 3177 Laupen
      1. Die Schweiz ist bei weitem nicht das einzige Land wo Ärzte direkt Medikamente abgeben dürfen: 10 (!) Länder in Europa, die meisten US-Bundesstaaten, 9 Länder in Asien, Neuseeland, mehrere Länder in Afrika. 2. Die direkte Medikamentenabgabe ist kein Zusatzverdienst - der Taxpunkt - also das Einkommen durch ärztliche Leistungen ist in den sogenannten SD Kantonen niedriger - somit wird dieses wieder ausgeglichen. Bitte inormieren Sie sich bevor sie irgendwelche Tatsachen verdrehen.
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    2. Antwort von M. Hediger, Aarau
      Ich sehe die Dollars-Augen der Apotheker. Diese müssen eine starke Lobby haben
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    3. Antwort von Christoph Mayenfisch, Winterthur
      Herr Müller,ich bin sehr gut informiert,kenne,als ehemaliger Ärztebesucher tausende Ärzte ,sowohl SD wie andere.Bei den Selbstdispensierenden geht's im Gespräch fast nur um Profit,selten um Wissenschaft. .Was den Taxpunkt betrifft,verdienen die Ärzte in Zürich & Winterthur die verschreiben und aus ethischen Gründen nicht mit Medikamenten handeln weniger als die kommerziell denkenden Kollegen in diesen Städten?? Gibt es unterschidliche Taxpunkte??
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