Alt Bundesrat Alphons Egli gestorben

Alt Bundesrat Alphons Egli ist tot. Er verstarb am Freitagabend im Alter von 91 Jahren in einem Altersheim in Luzern. Egli prägte in den 1980er-Jahren den Kampf für den Umweltschutz.

Alt Bundesrat Alphons Egli ist in einem Altersheim in Luzern gestorben. Dies bestätigte seine Familie. Egli war von 1983 bis 1986 für die CVP im Bundesrat und stand dem Departement des Innern vor.

Egli wurde am 8. Dezember 1982 zusammen mit dem Zürcher Freisinnigen Rudolf Friedrich in die Landesregierung gewählt. Dort übernahm er von seinem Vorgänger und CVP-Parteikollegen Hans Hürlimann das Departement des Innern. Schon vier Jahre später erklärte er als Bundespräsident 1986 seinen Rücktritt. Der damals 62-Jährige hatte Anzeichen einer Erschöpfung. Sein Nachfolger wurde der Tessiner Flavio Cotti.

Alphons Eglis Zeit im Bundesrat

2:01 min, aus Tagesschau am Mittag vom 6.8.2016

Politik in die Wiege gelegt

Die Leidenschaft für die Politik wurde dem am 8. Oktober 1924 in Luzern geborenen Egli von seinem Vater in die Wiege gelegt: Dieser hatte eine Laufbahn als Regierungsrat und Ständerat eingeschlagen. Seine Mutter gehörte einem Patriziergeschlecht der Stadt an.

1975 schaffte auch Alphons Egli die Wahl in die kleine Kammer. Dort sorgte der CVP-Mann – selber ein Befürworter der Kernenergie – für Aufsehen, als er in einem Postulat anregte, auf den Bau des Atomkraftwerks Kaiseraugst zu verzichten. Die Aussichtslosigkeit des Projekts hatte er schon früh erkannt.

Spitzname «Tempo-Egli»

Umweltthemen prägten das Engagement Eglis im Bundesrat. Im Zentrum seiner Arbeit als Innenminister standen der Kampf gegen die Umweltverschmutzung und das Waldsterben. Berichte über abgestorbene Wälder in den Braunkohleförderungsgebieten Osteuropas hatten ihn sensibilisiert.

Egli setzte sich energisch für Sofortmassnahmen ein. Unpopuläre Entscheide wie das Verbot von bleihaltigem Normalbenzin und die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen waren der Autolobby und der Boulevardpresse ein Dorn im Auge. Der Spitzname «Tempo-Egli» war geboren.

Vater des einheitlichen Schulbeginns

Gleichzeitig plädierte er in internationalen Gremien für gesamtheitliche Lösungen. Eglis bilaterale Gespräche mit ausländischen Kollegen prägten das Umweltschutzverhalten in Europa mit. So leistete die Schweiz auf dem Gebiet der Luftreinhaltung Schrittmacherdienste.

Ein weiterer Markstein in Eglis Amtszeit war der Verfassungsartikel über den einheitlichen Herbstschulbeginn. Hinzu kamen die Revisionen der Familienzulagen in der Landwirtschaft und jene der AHV/IV-Ergänzungsleistungen.

Zurückhaltender Analytiker

Egli mied das Rampenlicht. Er galt als distanzierter Analytiker. Bekannt war er für seinen bisweilen ätzenden Humor. Bei seinem Rücktritt mochte er vor den Medien nicht auf Details seiner gesundheitlichen Probleme eingehen: «Ich fühle mich nicht verpflichtet, hier meine Eingeweide auf den Tisch zu legen.»

Sein Rücktritt sei für ihn ein notwendiger Befreiungsschlag gewesen, sagte Egli Jahre später gegenüber Radio SRF. «Ich war nicht mehr voll einsatzfähig und fühlte mich nicht mehr in der Lage, dieses anspruchsvolle Amt voll und ganz auszufüllen.»

Nach dem Ausscheiden aus der Regierung kehrte Egli nach Luzern zurück und war als freiberuflicher Berater tätig. Nebst mehreren Verwaltungsratsmandaten widmete er sich einer Reihe von Institutionen. So präsidierte er die Stiftungen Pro Mente Sana und Medienausbildungszentrum MAZ sowie die Aufsichtskommission zur Banken-Sorgfaltspflichtsvereinbarung.

Egli starb am 5. August 2016 im Alter von 91 Jahren. Der Ehrenbürger der Gemeinde Entlebuch war verheiratet und Vater von drei Kindern.