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Schweiz Alt Bundesrat Alphons Egli war auch ein Kalter Krieger

Nach seinem Tod am 5. August wurde alt Bundesrat Alphons Egli vor allem als Vorkämpfer für den Umweltschutz gewürdigt. Nun einen knappen Monat später wird Egli von ehemaligen politischen Mitstreitern als Mitglied der Vorgängerorganisation der Geheimarmee P-26 enttarnt.

Bundesrat Alphons Egli (rechts) zusammen mit Rudolf Friedrich bei der Vereidigung am 8. Dezember 1982.
Legende: Bundesrat Alphons Egli (rechts) zusammen mit Rudolf Friedrich bei der Vereidigung am 8. Dezember 1982. Keystone

Eine Todesanzeige enttarnt Alphons Egli als ehemaligen Widerstandskämpfer: Erschienen ist sie in der «Neuen Luzerner Zeitung». Die Ehemaligenvereinigung der Kader-Organisation der C 717 würdigt den im August verstorbenen alt Bundesrat Alphons Egli (CVP) für seine Dienste in der Vorgängerorganisation der P-26.

Deckname «Blasius»

Gemäss Anzeige wurde Egli am 1. Januar 1971 als Major in die P-26 Vorgängerorganisationen UNA aufgenommen. Damals gehörte der Anwalt dem Luzerner Kantonsparlament an. Egli erhielt den Decknamen «Blasius» und eine nachrichtendienstliche Grundausbildung. Später wurde er zum Oberstleutnant befördert.

Für P-26-Kenner und Journalist Martin Matter ist das eine Überraschung. Matter hat über die Geheimorganisation ein Buch geschrieben. Matter glaubt, dass Egli in der Übergangsphase zur P-26 ein Mit- und Vordenker der Organisation war. Eine tragende Rolle im Widerstandskonzept kam ihm aber nicht zu. Militärexperte Bruno Lezzi beschreibt Eglis Tätigkeit als eher beratend in rechtlichen und politischen Fragen der Widerstandsorganisation.

Matter glaubt aber nicht, dass Eglis Regierungstätigkeit von 1983 bis 1986 durch die Vorgeschichte aus den 1970er Jahren belastet war.

Nach Fichenaffäre aufgeflogen

Das «Projekt 26» war eine während des Kalten Krieges ab 1979 lancierte geheime Kaderorganisation, die im Fall einer feindlichen Besetzung der Schweiz Widerstand aufbauen und leisten sollte. Bestrebungen dazu gab es bereits seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die P-26 wurde Nachfolgerin des Spezialdienstes in der Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr (UNA). 1990 flog die Geheimorganisation in der Folge der Fichenaffäre auf und wurde vom Bundesrat aufgelöst.

Finanziert wurde die von Armee und Verwaltung unabhängige P-26 aus verschiedenen Quellen – jedoch ausschliesslich aus Kreditrubriken des damaligen Eidgenössischen Militärdepartements. Bei der Auflösung hatte sie 400 Mitglieder, der Sollbestand betrug 800 Personen. Sie verfügte auch über Waffen.

Die Auflösung der P-26 bedeutete nicht die vollständige Offenlegung: 2009 entband der Bundesrat die Veteranen des geheimen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg zwar von ihrer Schweigepflicht. Sie durften sich aber nur über ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe und über die eigenen Diensterlebnisse äussern.

Die Akten zur P-26 dagegen bleiben bis etwa ins Jahr 2040 unter Verschluss. Der Bundesrat wies in einer 2010 veröffentlichten Antwort auf eine Motion auf die gesetzliche Sperrfrist von 50 Jahren für besonders schützenswerte Personendaten hin.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Ich würde mich nicht wundern und wäre gar nicht mal überrascht, so es im Rahmen der PFP mit der NATO, heute wieder eine Ersatz-Organisation zur P26 geben würde. Es riecht (stinkt) förmlich danach.
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  • Kommentar von Stefan Brammertz (Politphilosoph)
    Die Geschichtsbücher über den Kalten Krieg wurden leider zu früh geschrieben. Daher fehlt darin die kritische Auseinandersetzung mit beiden Seiten dieses Konflikts. Dabei würde gerade dieses Thema so viel hergeben, wenn man es einmal unvoreingenommen anginge (Eiserner Vorhang / Ungarnaufstand / Prager Frühling / Mao vs. McCarthy / Napalm / 11. September 1973 / Gladio).
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Kalter Krieger-kalter Kaffee. Jetzt, nach seinem Tod ihn noch als Geheimkrieger zu benennen ist wohl etwas spät. Interessant wären die noch lebenden zu benennen, dafür fehlt wohl aber den Beteiligten die Zivilcourage.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Nein Herr Heim, es fehlt das sachliche, akkurate Umfeld, sowie die Einsicht der sog. Kritiker in eine Notwendigkeit. Es ist daher besser, diese Sache seriösen Historikern auf diesem Sach-& Fachgebiet zu überlassen. Historiker also, die sich nicht nach dem aktuellen Zeitgeist strecken und beugen lassen um jemandem gefällig zu sein.
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