«Meiner Meinung nach sind die Perspektiven junger Frauen in der Politik stark unterrepräsentiert. Das möchte ich ändern», sagt die 23-jährige Noemi Amstutz (EVP). Und die 25-jährige Einwohnerrätin Fiona Graham von der SP sagt: «Mir ist es besonders wichtig, dass Kultur für Jung und Alt weiterhin gefördert und nicht kaputtgespart wird.»
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Bild 1 von 2. Ausgelassene Stimmung beim Foto-Termin vor dem Gemeindehaus in Riehen bei Basel. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Die jüngsten Mitglieder des Einwohnerrats posieren für die Dorfzeitung, bevor sie im Parlamentssaal Platz nehmen. Bildquelle: SRF.
Die Gründe für die Wahl der vielen jungen Leute ins Gemeindeparlament sind vielfältig. Einerseits sind sie in Riehen verwurzelt und wollen sich in der Gemeinde engagieren, obwohl sie in anderen Teilen der Schweiz studieren. Weiter hätten gerade linke und Parteien aus der Mitte die Jungpolitiker unterstützt. Sie sind denn auch in der Juso, der SP, bei den Grünen und der EVP.
Engagement der Jungen wird geschätzt
Gleich sieben Politikerinnen und Politiker unter 28 Jahren sitzen neu im 40-köpfigen Riehener Einwohnerrat, dem Gemeindeparlament. «Ich finde es toll, ich habe eine riesige Freude», sagt Gemeindepräsidentin, Christine Kaufmann (EVP) dazu. «Im Einwohnerrat entscheiden wir über die Zukunft von Riehen, da müssen die Jungen Teil davon sein.»
Das ist aber noch nicht die ganze Geschichte des Sonderfalls: Riehen hat neben der jungen Politik eigentlich eine ausserordentlich alte Bevölkerung. Fast die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner ist über 65 Jahre alt.
Riehen hat «drittälteste» Bevölkerung der Schweiz
Das geht aus der «Statistik der Schweizer Städte 2025» hervor. Damit hat Riehen den dritthöchsten «Altersquotienten» aller Städte und städtischen Gemeinden in der Schweiz. Im Durchschnitt sind 30 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt. Noch grösser ist der Anteil älterer Menschen nur noch in Muri bei Bern und in Arlesheim im Kanton Baselland.
Riehen mit gut 22'500 Einwohnerinnen und Einwohnern steht vor grösseren politischen Auseinandersetzungen. Die Gemeinde muss sparen – und plant, Leistungen zu kürzen. Besonders betroffen dürften der Sozial- und Bildungsbereich sein.
Zusammen gegen Leistungsabbau
Dagegen wollen sich die Nachwuchspolitikerinnen und -politiker wehren. Und zwar vereint, auch über die Parteigrenzen hinaus, wie sie betonen. «Wir haben einen WhatsApp-Chat, über den wir uns gut und schnell austauschen können. So können wir auch spontan etwas auf die Beine stellen», sagt der 26-jährige Noah Weber von den Grünen.
Noemi Amstutz (EVP) betont, dass sie sich gegenseitig unterstützen, dabei aber auch strategisch vorgehen wollen: «Bei der Verteilung der Kommissionssitze haben wir darauf geachtet, dass wir in jeder Kommission vertreten sind. Ich glaube, so können wir Einfluss gewinnen und je nachdem auch Mehrheiten erreichen.»
Riehen muss finanzpolitisch die Weichen neu stellen. Der Politiknachwuchs hat sich vorgenommen, mitzubestimmen, wohin die politische Reise geht.