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Schweiz Am Ceneri-Basistunnel droht eine Bauverzögerung

Rechtsstreit um den Ausbau des Ceneri-Tunnels: Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass die Bauleitung von Alp-Transit den vorgesehen Vertrag noch nicht unterschreiben darf. Das könnte zu Verzögerungen führen.

Die Baustelle des Ceneri-Basistunnel im Tessin.
Legende: Die Baustelle des Ceneri-Basistunnel im Tessin. Keystone/Archiv

Im Ceneri-Basistunnel muss noch die Infrastruktur eingebaut werden. Wer den Auftrag erhält, diese einzubauen, ist Gegenstand eines Rechtsstreits. Das Bundesverwaltungsgericht hat nun entschieden, dass die Vergabe neu geprüft werden muss.

Die Alp-Transit hat im August einer Gruppe von Baufirmen den Zuschlag für den Ausbau des Tunnels gegeben, das günstiger war als die etablierten Firmen. Und zwar deutlich: um 28 bis 50 Prozent unterboten die Sieger die Konkurrenz.

Unrealistische Offerte

Diese reagiert entsprechend scharf. Das Angebot sei unrealistisch, klagen die unterlegenen Firmen. Sie fordern, die Alp-Transit hätte die Offerte auf ihre Realisierbarkeit prüfen müssen. Zumal die Sieger im Wettbewerb den Beweis schuldig geblieben seien, dass sie über die nötige Erfahrung mit so grossen Projekten verfügen.

Tatsächlich meint nun das Bundesverwaltungsgericht, die Einwände der unterlegenen Firmen klängen ganz plausibel. Es müsse genau geprüft werden, ob die eingebrachten Referenzen als genügend gelten dürfen, befand nun das Gericht: Unfertige Bauprojekte, der Bau leichter Tramlinien und Verkabelungen hatten die Sieger von Subunternehmern durchführen lassen. Deshalb darf Alp-Transit, den Vertrag vorerst nicht unterschreiben.

Nun entstehen womöglich Verzögerungen

Für die AlpTransit ist das ein Problem. Wenn der Vertrag nicht bis Ende Jahr unterschrieben ist, entstehen Verzögerungen. Das ist unangenehm. Und das Kostet. Knapp vier Millionen Franken monatlich, schätzt die Alp-Transit.

Stellt sich die Frage, weshalb die Alp-Transit vom Rechtsstreit überrascht wurde. Dass ein Auftrag im Volumen von rund 250 Millionen Franken heiss umkämpft ist, war zu erwarten. Renzo Simoni ist Vorsitzender der Alptransit AG. «Schon», antwortet er auf die Frage. Doch: «Wenn wir bei jedem Verfahren ein Jahr oder noch mehr Reservezeit hätten einplanen müssen, würde die Neat-Tunnel vielleicht in zwanzig oder dreissig Jahren in Betrieb gehen.»

Beim Bundesverwaltungsgericht kann man noch nicht abschätzen, wie lange das Verfahren dauert. Aber die Alp-Transit hat dem Gericht 154 Ordner mit Akten zugestellt. Die müssen nun studiert werden.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Benedict Reinhardt, Dornach
    Eigentlich ungeheuerlich, dass ein Gericht sich anmassen kann, eine Investition von 30 Milliarden Franken während Jahren mit dem Diktat der aufschiebenden Wirkung aufs Eis zu legen, mit der Begründung, dass die Klagen der unterlegenen Anbieter plausibel scheinen, und dass im Falle eines Jahrhundertprojekts die Verzögerung verhältnismässig sei. Auch bei den gegenwärtig niedrigen Zinsen kostet dies den Steuerzahler 50 Millionen Franken pro Monat, exklusive Honorare der Herren Richter.
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Wie eigenartig, dass jetzt die Billiganbieter - und voraussichtlichen Mehrschmierer - mit 154 Ordnern sicherstellen lassen, dass sie auf mehr als die vom Gegenpart offerierten Schweizerfranken kommen. Und dies alles unter Aufrechterhaltung des Rechtsstaates abgebucht werden kann. Sauber ist das nicht. Aber sicher "Gewusst wie"! Und einmal mehr sind die Steuerzahler die Dummen. Wieso? Weil die Alp-Transit-Menschen nicht verantwortlich gemacht werden!
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  • Kommentar von Hans Rudolf Meier, 9100 Herisau
    Hier geht es lediglich um den Neid des Verlierers. Die mit dem Zuschlag versehene ARGE weist mit Sicherheit mindestens die Erfahrung der rekurrierenden ARGE aus. Aber eben zu verlieren hat der Rekurrent ja nichts und es geht ums Probieren. Hat ja auch schon funktioniert.
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