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Schweiz Am Schulanfang werden die gelben Streifen wieder zum roten Tuch

Ab heute sind in verschiedenen Kantonen aufgeregte ABC-Schützen mit ihren neuen Schulranzen unterwegs: Es ist Schulanfang. Einige Kinder müssen dabei auf ihrem Weg zahlreiche Fussgängerstreifen überqueren. Doch längst nicht alle Fussgängerstreifen erfüllen die Sicherheitsanforderungen.

Polizist mit Kindern vor einem Fussgängerstreifen.
Legende: Auch die Unterweisung in Verkehrskunde macht aus Fussgängerstreifen noch kein sicheres Hilfsmittel. Keystone

Die leuchtend gelben Fussgänger-Streifen prägen das Bild in Schweizer Städten und Dörfern. Rund 50'000 solche Streifen gibt es in der Schweiz.

Doch die Hälfte davon erfüllte vor vier Jahren die Sicherheitsanforderungen nicht. Die Sichtweite war ungenügend oder die Beleuchtung schlecht. Der Bund forderte deshalb die Kantone und die Gemeinden auf, zu handeln.

«Noch nicht merklich verbessert»

Eine Aufforderung mit beschränkter Wirkung, weiss Gianantonio Scaramuzza von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU): «Die Sanierung von Fussgängerstreifen, das ist eine schwierige Angelegenheit. Die Situation hat sich vermutlich schon etwas gebessert, aber noch nicht merklich».

Die Kantone haben zwar begonnen, systematisch zu klären, weshalb manch ein Fussgängerstreifen nicht die Sicherheit bringt, für die er eigentlich gedacht war. Doch wenn es darum geht, die Mängel zu beheben, hapert es. Auch wegen der Kosten. Eine Fussgänger-Schutz-Insel etwa könne nämlich rasch mehrere 10'000 Franken kosten, sagt Scaramuzza.

Vielfältige Widerstände

Aber nicht nur deswegen tun sich die Kantone und Gemeinden schwer: «Man trifft auf politische Widerstände. Landeigentümer, die das Land nicht geben wollen. Oder Elternvertreter, die sich gegen Fussgängerstreifen-Aufhebungen wegen zu wenig Fussgängern wehren.» Das Ziel, dass landesweit alle gefährlichen Fussgängerstreifen erfasst, saniert oder sogar aufgehoben werden, ist somit noch längst nicht erreicht.

Und nur Taten bei den Kantonen reichten sowieso nicht, sagt Antonio Scaramuzza: Es brauche auch generell ein Umdenken in der Gesellschaft. Der irrige Glaube bestehe, dass Fussgängerstreifen stets für Sicherheit stünden.

Vorgetäuschte Sicherheit

Aber ein Fussgängerstreifen könne auch Sicherheit vortäuschen. Ein Fussgängerstreifen beispielsweise ohne Schutzinsel auf einer breiten, vielbefahrenen Strasse werde rasch zur gefährlichen Falle, erläutert Scaramuzza: «Ein Fussgängerstreifen ist in erster Linie eine Vortrittsregelung, Punkt.»

Er wünscht sich mehr Offenheit für andere Lösungen im Verkehr. Lösungen, die Sicherheit bringen; auch wenn die Fussgänger nicht wie auf dem Fussgängerstreifen Vortritt hätten.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Christmann (Politik für die Schweizer)
    Ich kann mich nicht erinnern, als Kind Probleme gehabt zu haben, abzuschätzen, ob ich eine Strasse gefahrlos überqueren kann, oder nicht. Zu warten bis die Autos anhalten, wenn ich die Strasse bis dann schon dreimal hätte queren können, kommt für mich nicht in Frage. Als Autofahrer halte ich, und die Leute am Fussgänger geben genervt Zeichen, dass sie nicht über die Strasse wollen. Zu Fuss wende ich mich am Fussgängerstreifen manchmal ab, damit Autos keine Quasi-Notbremsung machen müssen.
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    1. Antwort von Christina Brunner (Christina Brunner)
      An solche unbewusste Entwicklungen kann man sich logischerweise nicht mehr erinnern. Als Erwachsener können Sie natürlich auch bereits rüber, ohne dass das Auto ganz anhalten muss. Aber Sie schicken auch kein Kind aufs Velo wenn Sie genau wissen, dass es noch kein Gleichgewicht hat, oder?
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    2. Antwort von Patrik Christmann (Politik für die Schweizer)
      Frau Brunner ich kann mich aber noch gut daran erinnern wie ich mit 4, 5 oder 6 Jahren Velofahren gelernt habe. Und ja, anfangs bin ich ein paar Mal umgefallen bis das mit dem Gleichgewicht geklapt hat. An Alpträume im Kindesalter kann ich mich auch erinnern. Wenn mich das überqueren von Strassen als Kind vor enorme Schwierigkeiten&Probleme gestellt hätte, wieso sollte ich mich nicht erinnern? Lose, Luege, Laufe ist für mich vernünftig und gibt den Kindern auch mehr Eigenveranwortung.
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Frau Brunner: Ich gebe Ihnen recht, dass kleinere Kinder die Distanzen noch nicht richtig einschätzen können. Ich meinte, dass es grundsätzlich gut sei (stufengerecht), dass Kinder schrittweise selbständig werden. Dabei können sich in der Folge die Eltern vom Chaufferdienst entlasten - auch um einer grösseren Verwöhnung der Kinder vorzubeugen und diese zu einer vernünftigen Freizeitplanung zu führen. Dann finde ich gut: Fahrzeuge vor Kindern obligatorisch anhalten - eigentlich vor allen!
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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Warum gibt es keine Fussgängerinnen-Streifen?
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    1. Antwort von Christina Brunner (Christina Brunner)
      Gendergerecht wäre dann Fussgehendestreifen :-)
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