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Schweiz Appenzeller in Festlaune

Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden feiern offiziell den Beitritt zur Eidgenossenschaft vor 500 Jahren. Die beiden Halbkantone blicken auf eine turbulente Geschichte zurück.

«Im Gotts Namen, Amen»: So beginnt der Appenzeller Bundesbrief, der die Aufnahme des Kantons Appenzell in den Bund der alten Eidgenossenschaft regelt. Am 17. Dezember 1513 heftete in Zürich jeder Kanton ein Siegel an diese Urkunde.

Bis es für die Appenzeller soweit war, war es aber ein langer Weg. Der kleine Kanton wäre nämlich gerne schon früher aufgenommen worden. «Es hat mehrere Anläufe gebraucht. Doch die Gesuche wurden stets abgelehnt», sagt der Appenzeller Historiker Achilles Weishaupt.

Geschenkter Beitritt

Warum der Beitritt 1513 dann doch klappte, weiss auch der Historiker nicht. Genaue Quellen fehlen. Man vermutet jedoch, dass es mit einem Feldzug gegen den französischen König zu tun haben könnte. «Da brauchten die Eidgenossen Soldaten», spekuliert Weishaupt.

Als Dank wurde darauf den Appenzellern der Beitritt wahrscheinlich geschenkt. So oder so: Ab Dezember 1513 war Appenzell vollwertiges Mitglied der Eidgenossenschaft. Das hatte vor allem einen Vorteil: Appenzell erhielt Bündnisgelder, wie die andern auch.

Kanton teilt sich

Es ging aber nicht lange und alles war wieder anders. Die Kantonsteilung stand bevor. Der Grund: Die Reformation. Die Eidgenossenschaft wollte ein Bündnis mit dem katholischen Spanien anstatt mit dem reformierten Frankreich eingehen. Innerrhoden war dafür, das reformierte Ausserrhoden dagegen.

Man konnte sich nicht einigen. Deshalb unterschrieb das innere Rhoden den Vertrag ohne Zustimmung des äusseren Rhoden. Es kam 1597 zur historischen Teilung des Kantons. Der Landteilungsbrief wurde im Herbst jenes Jahres verfasst und unterschrieben.

Einigung kein Thema

Auch wenn Ausserrhoden und Innerrhoden fortan unabhängige Kantone waren: Die Sticheleien der beiden Appenzell gingen weiter. Erst mit der Bundesverfassung entspannte sich die Lage.

Auch wenn es heute ruhiger zu und hergeht, eine Wiedervereinigung kann sich der Historiker Weishaupt beim besten Willen nicht vorstellen. «Man hat zwar das Thema immer wieder aufgegriffen. Aber ich glaube nicht daran.»

Mit dieser Meinung steht der Historiker nicht alleine da. Der letzte Punkt im Landteilungsbrief, der besagt, dass sich die beiden Appenzell jederzeit wiedervereinigen können, dürfte in den nächsten 500 Jahren wohl kaum zum Tragen kommen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Nachträglich noch dies: Dieser Artikel enthält in einem einzigen Satz gleich zwei grobe historische Fehler: 1. Die ganze Eidgenossenschaft wollte zu keinem Zeitpunkt ein Bündnis mit Spanien, erst recht nicht nach der Reformation. Das hätten die drei reformierten Kantone Zürich, Bern und Basel, die schon damals zu den einflussreichsten Kantonen gehörten, nie zugelassen. 2. Frankreich war nie reformiert, die ref. Hugenotten waren immer nur eine Minderheit und um 1597 völlig machtlos.
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Da ich einen Teil meiner Jugend in Trogen/A.Rh. verbracht habe und auch noch heute recht gut "appezöllere" kann, sind mir diese beiden Halbkantone immer besonders nah gestanden. Später hatte ich jahrelang mit zwei Kollegen zu tun, die beide aus einem Halbkanton stammten. Als ich einmal mit beiden zusammen war und sie auf die ewigen Sticheleien ansprach, antwortete der eine: "Aber wenn es um ganz Appenzell geht und vor allem gegen die von draussen, haben wir immer zusammengehalten."
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Übrigens meine herzlichen Glückwünsche dem wunderschönen, heimeligen Kanton Appezöll zur 500 jährigen Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft.
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