Zum Inhalt springen

Header

Audio
Lob für die Freiwilligen, Bussen für die illegalen Sucher
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 30.06.2021.
abspielen. Laufzeit 08:05 Minuten.
Inhalt

Archäologie in der Freizeit Wie Freiwillige im Kampf gegen illegale Ausgräber helfen

Mit Bewilligung suchen Ehrenamtliche hierzulande nach archäologischen Funden. Für die Behörden sind sie ein Glücksfall.

Unterwegs im dichten Unterholz mit der Zürcherin Monika Reisel. Die 40-Jährige lässt ihren Metalldetektoren über den Boden gleiten. Das Gerät piepst immer wieder. Zeigt es eine römische Münze an? Liegen unter der Erde alte Ziegel, Knöpfe oder ein Fingerhut? Fehlanzeige. An diesem warmen Sommertag stösst Reisel nur auf Draht und eine Eistee-Verpackung. Doch sie lässt sich nicht entmutigen.

Ein Porträt von Monika Reisel
Legende: Nichts für Ungeduldige: Bis Freiwillige wie Monika Reisel auf einen Fund stossen, kann es lange dauern. SRF

Schon als Kind hat sich Monika Reisel für Archäologie interessiert. Seit sechs Jahren geht die Pädagogin nun in ihrer Freizeit dieser Leidenschaft nach. Zum einen motiviere es sie, neue Fundstellen zu entdecken. «Und mich fasziniert es, bei einem Fund etwas in den Händen zu halten, das vielleicht schon hunderte oder tausende Jahre niemand gesehen und berührt hat», sagt Reisel.

Sie ist eine von Dutzenden Freiwilligen in der Schweiz, die mit einer Bewilligung nach altertümlichen Fundstücken suchen. So arbeiten die Archäologischen Dienste in fast allen Kantonen wie Zürich, Thurgau, Bern, Schaffhausen oder St. Gallen mit Ehrenamtlichen zusammen.

Als «Glücksfall» bezeichnet Patrick Nagy von der Kantonsarchäologie Zürich die Freiwilligen: «Sie können uns bei der Suche nach Fundstellen sehr gut unterstützen.» Und sie seien «das Auge und Ohr in der Landschaft». Die Freiwilligen hätten den Überblick über das Gelände und könnten erfahren, wenn illegale Sucherinnen Löcher graben.

Raubgräber inspiriert von Indiana Jones

Gemäss Schätzungen der «Konferenz Schweizerischer Kantonsarchäologinnen und Kantonsarchäologen» sind schweizweit einige hundert illegale Sucher unterwegs. «Es gibt sehr viele und wir kennen nur die Spitze des Eisberges», sagt Nagy. Allein im Kanton Zürich seien mehrere Dutzend solche Personen auf Schatzsuche.

Wir kennen nur die Spitze des Eisberges.
Autor: Patrick NagyFachbereichsleiter Urgeschichte Kantonsarchäologie Zürich

Motiviert durch Geschichten wie Indiana Jones würden die Raubgräber ohne Bewilligung losziehen, geblendet vom grossen Coup: «Sie wollen einen römischen Schatzfund machen und erhoffen sich das grosse Geld oder ihre Vitrine mit Kostbarkeiten zu füllen», sagt Nagy.

Das Problem: Die illegalen Sucherinnen und Sucher richten laut Nagy grossen Schaden an: «Sie machen riesige Löcher und zerstören den Befund, der für die Archäologie wichtig ist». Die Fundstücke würden sie dem Boden entreissen, zu Hause aufbewahren oder verkaufen. Doch in der Schweiz gilt gemäss Bundesgesetz: Alle archäologischen Fundstücke gehören den Kantonen. Sogenannte Raubgräber machen sich also strafbar.

Sind schweizweit mehr illegale Sucher unterwegs?

Box aufklappenBox zuklappen
  • Dass Metalldetektoren heute auch über bekannte Online-Anbieter einfach verfügbar sind, führte zum einen zu einer Zunahme von Sondengängern. Gleichzeitig haben einige Kantone dank Freiwilligen die Aktivitäten von illegalen Suchern reduzieren können. Dies schreibt die «Konferenz Schweizerischer Kantonsarchäologinnen und Kantonsarchäologen» auf Anfrage.
  • Die Ehrenamtlichen würden bei illegalen Suchern zum einen Überzeugungsarbeit leisten. Zudem sei von Vorteil, dass gewisse Gebiete von den Freiwilligen bereits abgesucht und für illegale Sondengänger uninteressant würden.
  • Die «Konferenz der Schweizer Kantonsarchäologen und Kantonsarchäologinnen» hat eine interne Arbeitsgruppe zur illegalen Sondengängerei gegründet. Sie hat Empfehlungen für kantonale Richtlinien zum Umgang mit Ehrenamtlichen erarbeitet.
  • Weiter sucht die Organisation stichprobenartig bekannte Verkaufsplattformen ab, um sich ein Bild vom illegalen Handel zu machen.

Im Kanton Zürich schnappte die Polizei erst kürzlich einen 33-Jährigen, der illegal nach keltischen und römischen Schätzen suchte. Bei einer Hausdurchsuchung stiessen die Ermittler auf über 1000 archäologische Funde: Münzen, Gewandnadeln, Schnallen.

Traumfund: Dolch aus der Bronzezeit

Laut Nagy hat sich das Problem mit den illegalen Sucherinnen und Suchern gebessert, seit Ehrenamtliche wie Monika Reisel unterwegs sind. Im Gegensatz zu den Raubgräbern gibt sie ihre Funde zweimal pro Jahr bei der Kantonsarchäologie Zürich ab. Auch ihr bisher grösster Fund, ein Dolch aus der Bronzezeit, lagert deshalb nicht bei ihr Zuhause.

«Bei einigen Funden ist die Abgabe etwas frustrierend», gibt Monika Reisel bei der Suche im Dickicht zu. Doch die Fundstücke blieben dank Fotos in Erinnerung. Und schliesslich dominiere natürlich die Freude über eine Entdeckung: «Wenn man etwas von archäologischem Wert findet, das zu einem Wissensgewinn verhilft, macht es einfach Spass».

SRF 1, Regionaljournal Basel, 25.07.2021, 17.30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Udo Wanninger  (Cattleya)
    Eine Auszahlung eines Finderlohnes ist unbedingt zu verhindern , sonst wird die Suche mit dem Detector zur Schatzsuche ! Ehrenamtliche machen dies Ehren Amtlich und nicht Gewinnorientiert !
  • Kommentar von Martin Brunner  (Frontal)
    Um den Frust bei der Abgabe der Fundstücke durch die freiwilligen Sucher etwas zu lindern, bin ich der Meinung dass der Kanton den Findern einen Angemessenen Finderlohn zahlen sollte. Das alle Fundstücke dem Kanton automatisch gehören finde ich sowieso ein Witz!
    1. Antwort von Erich Kästli  (swisspioneer)
      Ein Finderlohn würde ich auf keinen Fall zahlen. Sonst wird aus dem «Dienst an der Wissenschaft» ein unrentables Geschäft, denn die Kantone könnten sowieso nicht viel zahlen. Zudem besteht dann ein Anreiz, Fälschungen selbst herzustellen, um die Belohnung zu kassieren.
    2. Antwort von Andi Raschle  (aras)
      Herr Kästli: Der "Dienst an der Wissenschaft" ist nicht einfach so abzugrenzen. Wenn ich z.B. eine Münze aus der jüngeren Zeit finde und diese abliefere, kann man das wohl kaum als "Dienst an der Wissenschaft" bezeichnen. Anstatt wieder eine Gruppe von "Suchern" wieder in die Illegaliltät zu drängen, würde wohl eine gute Aufklärung darüber, was mit welchen Funden gemacht werden sollte mehr bringen.
    3. Antwort von Martin Brunner  (Frontal)
      Ich bin der Meinung, dass wenn ich z. B. eine römische Münze finde die mir gehört, weil ich diese gefunden habe. Wenn ich Fossilien finde gehören diese ja auch mir.Den wissenschaftlichen Nutzen von solchen Funden wird eher überschätzt und stelle ich sowieso in Frage.Wieviele römische Goldmünzen wurden schon von den Findern eingeschmolzen, um die frustrierte Abgabe an den Kanton zu verhindern? Würde ich eine solche bei dieser Gesetzeslage dem Kanton abgeben? Niemals!