Architekten stemmen sich gegen Abriss der Bibliothek in Luzern

In Luzern streitet man sich um die Zukunft der Zentral- und Hochschulbibliothek. Der Bau aus den Nachkriegsjahren gilt als eines der Hauptwerke des modernen Bibliotheksbaus in der Schweiz. Das Gebäude soll abgerissen und ersetzt werden. Doch die Schweizer Architekten möchten es stehen lassen.

Zentral-und Hochschulbibliothek in Luzern Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die ZHB und der Park: Ein Freiraum mitten in der Stadt, sagen die Architekten. SRF

Die Zentral- und Hochschulbibliothek in der Luzerner Innenstadt ist von aussen ein schlichter Betonbau, der aus mehreren Kuben besteht. Das Gebäude, kurz ZHB genannt, ist Teil einer Parkanlage, dem «Vögeligärtli». Hier vergnügen sich Kinder auf dem Rasen, Angestellte geniessen auf den Parkbänken unter den Bäumen ihre Pausen und Rentner treffen sich, um Schach zu spielen.

Der Park, die Zentral- und Hochschulbibliothek, bildet zusammen mit der nahen Lukaskirche eine einmalige Anlage. Davon ist Patrik Bisang, Architekt und Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (Sia), in der Zentralschweiz überzeugt: «Dieses Ensemble ist für die Stadt Luzern und insbesondere für das Hirschmattquartier in Luzern ein wichtiger Ort. Es ist ein Freiraum, den wir erhalten möchten.»

Niemand will in die Jury

Der Sia mit seinen 15'000 Mitgliedern wehrt sich dagegen, dieses Ensemble aufzubrechen und boykottiert die Pläne des Luzerner Kantonsrates. Dieser hat entschieden, dass die ZHB durch einen grösseren Neubau mit zusätzlichem Platz für das Kantonsgericht ersetzt werden soll. Dazu sollte ein Projekt-Wettbewerb ausgeschrieben werden. Aber der Kanton findet in der Schweiz keine Interessenten für eine Jury. Und ohne Jury gibt’s keinen Wettbewerb. Ein solches Gremium mit ausländischen Fachleuten zu besetzen würde, politisch kaum goutiert. Protest gibt’s auch vom «Bund Schweizer Architekten», BSA, dem kleineren, exklusiveren Architektenverband. Diese Einigkeit der Schweizer Architekten erstaunt, schliesslich geht es um einen lukrativen Auftrag und letztlich um viel Geld. Norbert Truffer, Zentralschweizer Vertreter des Verbandes BSA: «Hier geht es darum, städtebauliche Freiraum-Qualitäten für zukünftige Generationen zu erhalten.»

Die Zentral- und Hochschulbibliothek wurde vom verstorbenen Luzerner Architekten Otto Dreyer in den 1950-er Jahren erbaut. Zusammen mit der Landesbibliothek in Bern und der Kantonsbibliothek in Lugano gilt die Luzerner ZHB als Hauptwerk des modernen Bibliotheksbaus in der Schweiz. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Architektenverbände bei bedeutenden Bauten zu Wort melden.

Politische Stellungnahme?

Der Boykott-Aufruf aber sei bisher einzigartig, sagen die Verbandsvertreter. Somit könnte man den Luzerner Fall auch als Versuch sehen, dass Architekten bei politischen Entscheidungen mitreden wollen. Norbert Truffer widerspricht; sie hätten eine fachliche Diskussion geführt. «Dass diese zu politischen Wirkungen führt, das freut uns natürlich. Aber die Diskussion war nicht politisch gedacht, sondern fachlich.»

Die Situation ist vertrackt. Ursprünglich sollte die Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern saniert werden. Die Pläne dafür sind ausgearbeitet. Nur ein äusserst knapper Entscheid des Luzerner Kantonsparlamentes führte später in die andere Richtung. Das Parlament will gegen den Willen von Kantons- und Stadtregierung einen Neubau durchsetzen.

Volk kann sich dazu äussern

Ob dies tatsächlich gelingt, ist noch offen, denn das Stadtluzerner Stimmvolk entscheidet Ende September über eine Initiative. Für das betroffene Gebiet Vögeligärtli im Zentrum Luzerns soll eine strengere Ortsbildschutzzone gelten. Die Initiative trägt den Titel: «Initiative zur Rettung der ZHB Luzern».