«Arena» zum Alkoholkonsum: Muss der Staat eingreifen?

Hat die Schweizer Gesellschaft und haben insbesondere die Jugendlichen ein Problem mit dem Alkohol? Der Bundesrat sieht im neuen Alkoholgesetz verschiedene Massnahmen vor. Machen diese Sinn? Die «Arena» mit einer Debatte zwischen Jung und Alt.

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Alkoholverbot: Sturm im Schnapsglas?

75 min, aus Arena vom 18.1.2013
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Die Teilnehmer

Schon bei der ersten Frage gehen die Positionen auseinander: Hat die Schweiz ein Problem mit dem Alkohol? Für Ruedi Löffel, Leiter Suchtprävention Blaues Kreuz Bern ist klar: «Wir haben ein schwerwiegendes Problem mit dem Alkohol-Missbrauch. 250‘000 Leute in der Schweiz sind abhängig, fast eine Million Leute hat ein Problem. Das ist schlimm für die Gesellschaft, für die Familien.»

Und auch Yvonne Gilli, Hausärztin und grüne Nationalrätin stellt fest: «Stark zugenommen hat das Koma-Saufen, Jugendliche, die sich bis zur Bewusstlosigkeit betrinken. Solche habe ich viele in der Praxis, das war vor 10 Jahren noch nicht so.»

Junge sehen es lockerer

Eine Analyse, die von den jungen Leuten in der Runde nicht geteilt wurde. Maurus Zeier, Co-Präsident der Jungfreisinnigen: «Das Problem ist nicht so gross, wie es immer wieder dargestellt wird. Der Mensch hat die Verantwortung über sich selber und die kann er durchaus wahrnehmen. Da muss nicht der Staat eingreifen.»

Auch Patricia Mattle von der CVP geht gern ab und zu in den Ausgang und ist überzeugt: «Die Eigenverantwortung funktioniert in den allermeisten Fällen gut. Die Kolleginnen und Kollegen bringen die betrunkenen Leute nach Hause und die Eltern können das Gespräch mit ihren Kindern suchen. So müssen doch alle ihre Erfahrungen machen.»

Und David Roth, der Präsident der Jungsozialisten ärgert sich, dass immer die Jugendlichen schuld seien an allem und oft als «Pissoirwand der Gesellschaft» herhalten müssten. «Zum Alkoholmissbrauch führen tiefer liegende Probleme in der Gesellschaft.»

Bringt ein Beschränkung etwas?

Der Bundesrat sieht im neuen Alkoholgesetz vor, dass nach 22 Uhr in der ganzen kein Alkohol mehr verkauft werden kann. Über diese Massnahme schüttelt Oskar Freysinger (SVP/VS) nur den Kopf und attackiert Ruedi Löffel: «Glauben Sie im Ernst, dass es im Land nur einen einzigen Alkoholiker weniger gibt, wegen dieser Massnahme. Die haben einen vollen Kühlschrank und müssen nicht nach 22 Uhr einkaufen gehen.»

Löffel widerspricht: «Schauen Sie doch einmal, wer sich am späten Abend an den Bahnhöfen mit Alkohol eindeckt. Das sind zu einem grossen Teil Jugendliche, aber auch Alkoholiker.» Durch das Verkaufsverbot würde sicher weniger getrunken, auch wenn es natürlich noch weitere Massnahmen braucht.

David Roth gibt Löffel recht: «Ich bin für das Verkaufsverbot. In den Shops wird nach 22 Uhr zu 80 Prozent nur noch Alkohol verkauft. Das sind richtige Umschlagplätze und das ist auch aus Sicht des Personals unbefriedigend.»

«Wir verlieren täglich ein Stück Freiheit»

Maurus Zeier hingegen ärgert sich, dass mit dem Verbot alle bestraft werden: «Das ist eine Kollektivstrafe. Jeden Tag wird dem Schweizer ein bisschen Freiheit genommen.»

Die Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV) hat das Gesetz ausgearbeitet. Marianne Weber von der EAV stellt klar: «In der Nacht wird am meisten getrunken. Die Nacht bei den Jugendlichen beginnt später als damals, als ich jung war. Wenn man nicht mehr so leicht zum Alkohol kommt, bringt das etwas.»

Eigenverantwortung versus Verbote

So trafen in der »Arena« nicht nur die Generationen aufeinander, sondern auch Weltanschauungen. Reicht die Eigenverantwortung oder muss der Staat die Grenzen setzen?

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Einig war man sich immerhin bei der Rolle der Eltern: «Wenn diese die Verantwortung für ihre Kinder wahrnehmen könnte man viele Probleme verhindern, sagte die grüne Yvonne Gilli und Oskar Freysinger sagte stolz: Ich habe drei Kinder und alle drei trinken keinen Alkohol.»