Armee bezahlt Gemeinde Geld wegen Fluglärm

Die Freiburger Gemeinde Morens liegt nur wenige hundert Meter vom Militärflugplatz Payerne entfernt. Weil der Fluglärm immer stärker wird, kann hier kein Haus mehr gebaut werden. Ein Härtefall, findet die Armee und zahlt der Gemeinde mehrere hunderttausend Franken.

Morens – Leben am Rande der Startpiste

Morens ist ein kleines Bauerndorf im freiburgischen Broyebezirk zwischen Payerne und Estavayer-le-Lac. Ein paar Hühner gackern herum. Es herrscht beinahe Idylle. Wäre da nicht der Lärm einer F/A-18 der Schweizer Armee.

Der Kampfjet startet in Payerne, praktisch vor der Haustür von Marie Madeleine Berchier. Der Fluglärm sei enorm, am Telefon verstehe man kein Wort mehr, sagt sie. Berchier hätte lieber weniger Lärm statt Geld von der Armee.

Gesetz sieht keinen solchen Handel vor

Im Gemeindebüro sitzt Gemeindepräsidentin Nathalie Frey. Morens liege vollständig im sogenannten Lärmkataster, sagt sie. Kein einziger Quadratmeter Land könne deswegen mehr verbaut werden. Für das kleine Dorf mit seinen 150 Einwohnern sei das eine Katastrophe. Als Entschädigung erhält Morens von der Schweizer Armee nun rund 740'000 Franken. Man habe gekämpft und Geld erhalten, sagt Nathalie Frey gegenüber Radio SRF.

Umso besser für Morens. Denn von Gesetzes wegen war die Armee dazu nicht verpflichtet. Man befinde sich in einer Grauzone, erklärt ein Sprecher der Armee. Es sei heikel, weil man ein Präjudiz für andere Gemeinden schaffen könnte. Doch die Zahlung lasse sich mit der speziellen Situation von Morens begründen.

Tatsache ist: Ohne diese 740'000 Franken hätte Morens die Einsprache gegen das Betriebsreglement nicht zurückgezogen. Payerne ist mit rund 9000 Flugbewegungen der wichtigste Militärflughafen der Schweiz.

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Meiringen erhält auch Geld

Meiringen erhält auch Geld

Im bernischen Meiringen, wo ebenfalls ein Militärflughafen steht, kann man die Zahlung an Morens nachvollziehen. Allerdings erhält auch Meiringen Geld. «Die Armee zahlt die Hälfte einer Standortmarketing Stelle», erklärt Gemeindepräsident Hans Jakob Walther. Das sind rund 60‘000 Franken pro Jahr.

Denis Chassot lebt in Bussy, der Nachbargemeinde von Morens. Er ist Präsident der 22 Anwohnergemeinden des Militärflughafens. Diese hätten der Armee versichert, keine ähnlichen Forderungen zu stellen, sagt er. Im Gegensatz zu ihnen sei Morens eine tote Gemeinde.

Anders tönt es in der Bevölkerung: Ein Mann im Restaurant Communale findet es nicht normal, dass nur Morens Geld erhalte. Etwas weiter weg in einer Bäckerei in Cugy findet ein Mann: «Schön für Morens, die Gemeinde hat gut verhandelt.» Und ihnen in Cugy bleibe nur der Lärm, fügt ein anderer an. Wenn der Militärflughafen Sitten schliesse, so wie das die Armee plant, dann könnten noch mehr Flugzeuge in Payerne landen. Ungerecht sei es, dass die Armee nur Morens entschädige, finden auch im Hôtel de la Gare zwei Gäste.

Doch auch weiter entfernt löst die Entschädigungszahlung der Armee Kopfschütteln aus. Im luzernischen Emmen etwa, wo sich auch ein Militärflughafen befindet.

Emmen werde die Sache prüfen, schreibt der Gemeindepräsident auf Anfrage. Man könne sich gut vorstellen, der Armee entsprechende Forderungen zu stellen. Es gehe nicht an, dass eine einzelne Gemeinde ausserordentlich und anscheinend ohne Rechtsgrundlage Entschädigungszahlungen erhalte.