Armeewaffen: «Die freiwillige Abgabe funktioniert nicht»

Seit Anfang 2010 dürfen Wehrmänner ihr Sturmgewehr oder ihre Pistole freiwillig im Zeughaus abgeben. Dies war eine der Massnahmen des Bundesrates, um die Sicherheit zu erhöhen. Nun zeigt sich: Es funktioniert nicht. Nur wenige geben ihre Waffe ab.

Die freiwillige Abgabe von Ordonnanzwaffen stösst auf wenig Interesse: Von rund 170'000 Waffen waren bis Ende Juni nur knapp 800 im Zeughaus deponiert. Die Mehrheit hat das Sturmgewehr oder die Pistole zu Hause im Schrank. Dies zeigen aktuelle Zahlen des Eidg. Verteidigungsdepartements (VBS).

«Offensichtlich funktioniert die freiwillige Abgabe nicht», sagt Nationalrätin Edith Seiler Graf (SP/ZH). Ihrer Meinung nach müsste die Abgabe zwangsweise erfolgen. Zudem müsse nicht jeder Soldat persönlich eine Waffe haben. «In anderen Ländern geben die Armeepflichtigen ihre Waffe auch ab. Warum sollte das in der Schweiz nicht funktionieren?», fragt die SP-Frau.

Zwei Fass 90 im Zeughaus des Kantons Genf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wo im Zeughaus Waffen lagern sollten, herrscht gähnende Leere. Keystone

Parlament verschärfte Waffenrecht

Linke und Grüne Politiker haben schon vor Jahren die Diskussion um die Ordonnanzwaffe angestossen. Vorfälle von häuslicher Gewalt, Suizide und anderen Missbräuchen mit der Armeewaffe machten laut diesen Politikern Massnahmen nötig. Eine Initiative von 2011 war schliesslich von mässigem Erfolg gekrönt, sie wurde vom Volk mit 56 Prozent Nein-Stimmen verworfen. Wohl auch, weil Bundesrat und Parlament im Vorfeld der Initiative diverse Verschärfungen beschlossen hatten.

Zu den Verschärfungen gehört neben der freiwilligen Abgabe der Waffe auch, dass Armeeangehörige die Munition seit 2010 nicht mehr mit nach Hause nehmen dürfen. Zudem brauchen Soldaten, die ihre Dienstwaffe nach Abschluss der Dienstpflicht behalten wollen, einen Waffenerwerbsschein.

Waffe abgeben: «Zu mühsam»

Das VBS sieht aufgrund dieser Massnahmen keinen weiteren Handlungsbedarf. «Es werden wohl so wenige Waffen ins Zeughaus gebracht, weil die Männer punkto mehr Sicherheit keinen Handlungsbedarf sehen. Und es ist ihnen schlicht zu mühsam», sagt VBS-Sprecher Daniel Reist.

Die Behörden argumentieren zudem, dass mit den Gesetzesverschärfungen im Waffenrecht die mit einer Schusswaffe begangenen Tötungsdelikte in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind.

Tatsächlich: Waren es 1995 noch 436 Todesfälle, so starben in der Schweiz 2014 noch 195 Menschen durch eine Waffe. Die meisten von ihnen (187) haben Suizid begangen. Das Bundesamt für Statistik weist nicht aus, ob die Menschen mittels einer Armeewaffe oder einer anderen Waffe umkamen.

Für Edith Seiler Graf sind die gesunkenen Todesfälle kein Grund, das Anliegen fallen zu lassen: «Wehrpflichtige sollen nicht nur die Munition, sondern auch die Waffe bei der Armee lassen.» Das sei wirksamer als jede andere Massnahme. Denn, so die Nationalrätin, «jeder Tote ist einer zu viel».

Anzahl hinterlegte Waffen per Ende Jahr (*Wert von 2016 bezieht sich auf Ende Juni)