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Schweiz Atomendlager: Studie zeigt gesellschaftliche Konsequenzen nicht

Was hat ein Endlager für radioaktive Abfälle für Folgen für die betroffene Region? Das Bundesamt für Energie hat dies in einer grossangelegten Studie untersuchen lassen. Aber die Kantone und die betroffenen Regionen sind damit nicht zufrieden.

Sondierstollen der Nagra bei Benken
Legende: Der Sondierstollen der Nagra beim Dorf Benken. Keystone/Archiv

Von Olten bis Schaffhausen zieht sich eine ganze Kette von möglichen Atomendlagern durch die Schweiz. Dazu kommt noch der Wellenberg im Kanton Nidwalden. Welche Auswirkungen hätte so ein Endlager auf die Wirtschaft der Region, auf die Umwelt und die Gesellschaft? Das hat Roman Frick vom Beratungsbüro Infras untersucht. Aber er schränkt sogleich ein: «Wir haben nicht die Wirkungen des Tiefenlagers unten untersucht, sondern die Auswirkungen der Oberflächenanbauten.»

Konkret lautete die Fragestellung: Wie stark kann die lokale Wirtschaft vom Bau dieser Endlagerfabrik an der Oberfläche profitieren? Wie viel Wald muss gerodet werden? Wie viele neue Zufahrtswege braucht es?

Roman Frick
Legende: Roman Frick vom Beratungsbüro Infras stellt die Studie über die Auswirkungen der Oberflächenbauten eines Endlagers vor. Keystone

Geht man diesen Fragen nach, so zeigt sich etwa, dass ein Atomendlager direkt neben dem heutigen Zwischenlager in Würenlingen (AG) verhältnismässig gut in die Landschaft passen würde. Auch ein anderer Punkt spielt mit hinein: «Für die Verwertung des Aushubmaterials haben wir in Regionen wie Nördlich Lägern, wo rund herum Kiesgruben sind, mehr Möglichkeiten», sagt Frick.

Dennoch betonen die Verantwortlichen, dass diese Studie kaum Einfluss auf die Standortwahl haben wird. Entscheidend sei die geologische Sicherheit im Untergrund.

Der Imageschaden wurde nicht untersucht

Trotzdem stösst die Studie auf grosse Kritik. Die gesellschaftlichen Auswirkungen seien vernachlässigt worden, sagen die Kantone und starten dazu eine eigene Studie. Zentrale Fragen blieben offen, sagen auch die Mitglieder aus den Begleitgruppen in den betroffenen Regionen. Wie wirkt sich ein Atom-Endlager auf das Image einer Region aus? Wer zieht da noch hin? Wie entwickeln sich die Immobilienpreise? Harald Jenny ist Mitglied einer Regionalkonferenz aus dem Zürcher Weinland. Er sagt: «Wir haben unsere Inputs gegeben und unser Feedback eingebracht. Es wurde nicht aufgenommen. Da macht das BFE bei der Mitwirkung einen groben Fehler.»

Das BFE, das Bundesamt für Energie kontert die Kritik. Auswirkungen auf das Image einer Region liessen sich wissenschaftlich kaum voraussagen, sagt Simone Brander vom Bundesamt. Und die Regionalkonferenzen hätten das Recht, in allen Bereichen Zusatzfragen zu stellen. «Wir haben alle entgegengenommen und versuchen, sie zu beantworten. Es sind zum Teil schwierige Fragen. Wir nehmen die Regionen sehr ernst und beantworten sie.»

Die Frage, welche Region die atomaren Abfälle der Schweiz dereinst aufnehmen muss, die bleibt vorerst weiter offen. Anfang nächstes Jahr wird die Nagra die Zahl der möglichen Standorte auf maximal vier einschränken.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von A. Specker, Zürich
    Ich verstehe diese Diskussion nicht ganz. Es geht bei der Endlager Suche NUR darum den geologisch besten Ort zu finden. Alles andere, wie die angesprochenen wirtschaftlichen Einbussen sind frühestens als Zweitkriterium herbeizuziehen. Wirtschaft ist im Vergleichszeitraum ein Vergänglichkeit und deshalb nicht Kriterienberechtigt.
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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    Oberflächenanlagen von Endlagern beeinträchtigen Wildwechsel und stellen eine bedeutende Zersiedelung dar. Soso. Wenn es um ungebremste Umzonungen von Bauland zu Wohn- oder Wirtschaftszwecken geht, ist das ganz augenscheinlich in diesem Land kein Problem. Wenn Stimmung gegen Endlager gemacht werden soll, ist das Argument plötzlich recht und billig. Lustig, das! Und unglaublich dumm.
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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Es gibt weltweit keine Endlager, weil sie es geophysikalisch nicht geben kann. Erst recht nicht in der Schweiz. Die afrikanische Erdplatte schiebt sich seit 100en MillionenJahren unter! die europäische & hat auch unsere Gebirge gefaltet. Alle wissen, dass sich deshalb der Untergrund jährlich um ca. 0.5 – über 2 cm in alle! Richtungen bewegt. Man rechne: 100‘000 Jahre = 500-2000 m! Der schwedische Untergrund hat sich nach der Eiszeit in nur 15‘000! Jahren um über 300 m gehoben. Hiä Niä!!!!!
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    1. Antwort von W. Pip, Züri
      Wie wenn die Schwedische Geologie mit dem kristallinen Untergrund des Schweizer Mittellandes vergleichbar wäre. Bitte Quatsch als solchen kennzeichnen, danke. Rückholbare Endlager sind machbar und nichts als verantwortungsvoll.
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    2. Antwort von A. Specker, Zürich
      Solange das Endlager relativ zum umliegenden Erdreich, keine Bewegungen macht, (keine Erdbeben, Verwerfungen usw.) ist es völlig irrelevant ob sich das Erdreich bewegt oder verschiebt. Ein Wasserkrug leert auch nicht aus wenn man ihn hochhebt und herumträgt, solange man ihn nicht schüttelt. Für den Zeitraum von 100 000 Jahre ist das völlig machbar, natürlich gibt es kleine Chancen wie es doch passieren kann, aber die Erde könnte auch von einem Meteoriten getroffen werden...
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    3. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Specker, das Endlager muss nicht 100'000 sondern bis 300'000 Jahre funktionieren. In unserem Strompreis ist gemäß unseren verantwortungslosen Politikern für 50 Jahre die Endlagerkosten eingerechnet. Die folgenden Generationen werden sich bei uns nicht bedanken, sie werden uns in alle Ewigkeit verfluchen.
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    4. Antwort von H. Wach, Luzern
      An alle Endlagergläubigen. Generell kommen mir die „Fachleute“ vor wie die AKW-Lobby aus Politik & Wirtschaft: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ – „Nach mir die Sintflut“ – „Augen zu & durch“. Zur Helmholtz-Gemeinschaft (u.a.12.269 Wissenschaftler!): Dieses Institut hat vor ca. 50 Jahren! beschlossen, dass das Salzbergwerk Asse II ein sicheres Endlager ist. Nun gibt es Risse mit verstrahltem Wasser. Über 120'000 Fässer müssen nun f. ca. 8-10 Mia.€ herausgeholt werden. Nun verstanden?
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