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Schweiz «Auch andere Geheimdienste haben solche Probleme»

Der Datendiebstahl beim Nachrichtendienst des Bundes hat hohe Wellen geworfen. Die Befürchtung: Abgeschreckte Partnerdienste könnten die Zusammenarbeit mit den Schweizern verweigern. Doch laut VBS-Chef Ueli Maurer hat die Handhabe des Falls dem NDB gar Respekt eingebracht.

Bundespräsident Ueli Maurer an der Medienkonferenz im Rahmen des Lageberichts des NDB.
Legende: Hundert Prozent: Bundespräsident Maurer ist sicher, die gestohlenen Daten sind nicht in die Hände Unbefugter gelangt. Keystone

Beim Nachrichtendienst wurden mehrere Tausend Daten gestohlen. Um welche Daten handelt es sich?

Ueli Maurer: Ein Sammelsurium von Daten wurde heruntergeladen – von einfachen Mails bis zu möglicherweise sensibleren Daten. Sie wurden durch die Bundesanwaltschaft sichergestellt. Wir haben im Moment keinen Zugriff auf die gestohlenen Daten und können daher auch keine Details nennen.

Was heisst das, Sie haben keinen Zugriff darauf?

Sie wurden gestohlen und liegen jetzt bei der Bundesanwaltschaft, weil das Verfahren dort noch läuft. Wir wissen im Detail nicht, was wirklich heruntergeladen wurde.

Sind Sie hundertprozentig sicher, dass die Daten nicht in die Hände von Unbefugten gelangt sind?

Ja, wir sind hundertprozentig sicher.

Weshalb können Sie sich so sicher sein?

Die Daten sind nicht aufgetaucht, und sie wurden nicht kopiert. Sie konnten vorher sichergestellt werden.

Weiss der Nachrichtendienst inzwischen, an wen die Daten hätten verkauft werden sollen?

Wir wissen nicht, ob sie überhaupt verkauft werden sollten. Das nehmen wir aber an. Aber es gab auch keine Interessenten. Wir waren rechtzeitig mit der Sicherstellung.

Der Datendieb galt als psychisch labil. Das wusste man beim Nachrichtendienst. Warum hat man seine Zugänge auf die Daten nicht frühzeitig gesperrt?

Das ist eine lange Geschichte. Im Nachhinein war man wohl zu nachsichtig mit ihm. Während des ganzen Verfahrens haben wir uns bemüht, einen Mitarbeiter am Rande der Mitarbeiterkluft zu integrieren. Das haben wir wohl etwas zu ausführlich gemacht. Aber das haben wir jetzt auch erst im Nachhinein festgestellt.

Geschäftsprüfer sprechen in diesem Zusammenhang von einem fehlenden Risikomanagement. Stimmt das?

Nein. Wenn Sie diesen Fall verfolgen, stellen Sie fest, dass wir alles gemacht haben. Die vertrauensärztliche Untersuchung ist positiv verlaufen. Die Personensicherheitsprüfung ist positiv verlaufen. Es war die berühmte Grauzone zwischen dem Mitarbeiter und der Sicherheit. Wir haben uns zu lange für den Mitarbeiter ausgesprochen.

Es wurden Massnahmen ergriffen. Welche sind die wichtigsten?

Wir haben das Personal aufgestockt und elf zusätzliche Stellen geschaffen. Wir haben über 40 technische Massnahmen getroffen, um Zugriffe zu erschweren. Wir haben die Erkenntnisse auf die gesamte Bundesverwaltung übertragen, weil das Problem «Nachrichtendienst» in der gesamten Verwaltung besteht.

Wie gross ist der Imageschaden des Nachrichtendienstes bei ausländischen Diensten?

Wir stellen keinen Imageschaden fest. Auch andere Geheimdienste haben solche Probleme. Wir haben einen Missbrauch der Daten verhindert. Das hat uns eher Respekt eingebracht.

Das Gespräch führte Pascal Krauthammer.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho, Schmerikon
    Ich finde dies eine gute Leistung von Hr. Maurer und seinen Mitarbeiter, dass sie die geklauten Daten stoppen konnten. Bravoi! Nun die Geduld betreffend diesem Mitarbeiter, war vielleicht wirklich ein Fehler. Hr. Haller und A. Planta wenn ich die Kommentare lese, hätten diese zwei alles sicher bestens im Griff. Da sie nur eines kennen gegen Maurer zu "stänkern".Wie des öftern. Schön, wenn man so Volkommen ist und genau weiss was zu tun und zu lassen ist. Gut gibt es die Meinungsfreiheit.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Frau Marlies Artho, die Zeiten haben sich geändert. Ich wünschte sehr wir hätten noch eine brauchbare und zeitgemässe Armee. Wir hatten es mal. Dann wurden wird faktisch fast in der eigenen Bevölkerung ausgegrenzt und lächerlich gemacht. Heute sage ich jedem "Jungen", wenn schon eine Uniform anziehen, dann sicher nicht die Schweizerische, da wirst du nur noch verheizt. - Besser auf, ab und davon, als sich zum Narren machen!
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    2. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      Herr Haller glauben Sie nun wirklich, dass dies beispielhaft ist, unseren Jungen zu sagen besser keine Uniform der Schweiz zu tragen und auf und davon zu gehen. Dies finde ich persönlich feige dem eigenen Land gegenüber, weiss nicht wie Sie das sehen. Die Arme steht nicht nur für Krieg, sie steht auch für Katastophenhilfe und Noteinsätze, so sehe ich dies. Dass die Arme immer mehr lächerlich gemacht wird und Einsparungen über all, dies ist ja bekannt. Also helfen Sie ja indirekt den Arme Gegner.
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    3. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Frau Marlies Artho, Katastrophenhilfe muss nicht zwingend militärisch organisiert werden, das geht auch zweckmässiger, womöglich sogar noch effizienter. Betreffend Armee, ja gerne, aber nur wenn die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Gesellschaft wirklich voll und ganz dahinter steht. Genau das aber tut sich leider nicht mehr! - Wozu also noch so tun als ob? NB: Der Onkel meiner Frau ist im Krieg gefallen, glauben Sie mir ich weiss wovon ich spreche....!
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    4. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Frau Marlis Artho, De Gaulle war damals nicht feige, als er sich damals zB. aus dem Staub gemacht hatte. Eine Armee die nichts taugt, verheizt lediglich noch ihre eigenen Leute. Für was und für wen ?? - Also, entweder man steht hinter einer Landesverteidigung, die auch glaubwürdig und effektiv sein muss, oder man lässt es besser bleiben. Im Krieg sterben die Soldaten (zB. event. Ihr Sohn), also wenn's schon sein muss dann aber bitte nicht so wie wir es machen...! -
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Datenklau wird offenbar ein beliebter Volks-Sport, der auch im VBS angekommen ist. Allerdings braucht sich niemand zu wundern, wenn man "Risikopersonen" an sensible Bereiche ran lässt. - Nur noch peinlich und ein weiterer Grund, die Armee nun ersatzlos abzuschaffen.
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    1. Antwort von M. Sucher, Aarau
      Herr Haller, ich hoffe, dies ist nicht Ihr richtiger Name, denn solche undifferenzierten und inkompetenten Äusserungen bewirken in der Regel ebenfalls einen Imageschaden.
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Herr M.Sucher in Aarau: Ich habe Dienst geleistet, wahrscheinlich sogar noch mehr als Sie. Ich war auch immer überzeugt, dass es der Schweiz gut ansteht, eine eigene, glaubwürdige Armee zu haben. - Allein heute haben wir das überhaupt nicht mehr. Kaum jemand steht noch loyal hinter dieser Armee, weder Politik noch Wirtschaft. Wozu denn auch noch alljährlich 4 Mia Geld verlochen für etwas, das nicht mehr überzeugen kann !
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  • Kommentar von A. Planta, Chur
    Da kann sich der Murer zurücklehnen! Die Andern Geheimdienste machen schliesslich auch Fehler.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Anderen Geheimdiensten unterlaufen Fehler, wir bauen die Fehler gleich in die Strukturen ein.
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