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Schweiz Aus der Traum für eine Expo in der Schweiz – doch warum?

Am Sonntag hat das Ostschweizer Stimmvolk gesprochen: Eine Expo 2027 zwischen Bodensee und Säntis wird es nicht geben. Die Planungskredite wurden nicht bewilligt. An was lag es? SRF News sucht bei den beiden Expo.02-Protagonisten Martin Heller und Tony Burgener nach Antworten.

Legende: Video Expo-Grossprojekte haben einen schweren Stand abspielen. Laufzeit 01:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.06.2016.

Die Ostschweiz muss die Expo-Träume begraben. Die Thurgauer und St. Galler Stimmbevölkerung sagt deutlich Nein zu den Planungskrediten – total acht Millionen Franken – und damit auch Nein zu einer Landessausstellung in der Ostschweiz.

Angesichts dieses deutlichen Neins muss man sich die Frage stellen, ob solche Grossanlässe überhaupt zeitgemäss sind. Wenn man sehe wieviel Leute an den Gotthard gepilgert seien, dann sei das schon zeitgemäss, betont der ehemalige Leiter der Medien- und PR-Abteilung der letzten Expo.02, Tony Burgener. «Die Leute wollen sich nach wie vor an einer Expo treffen.»

«Die Leute wollen dabei sein»

Es brauche klare Vorgaben, Neugier nach allen Seiten und Leidenschaft für das Spiel mit Inhalten, um aktuell zu sein, meint auch der ehemalige künstlerische Direktor der Expo.02, Martin Heller. Die Expo.02 habe 10,5 Millionen Besucher gehabt und 50 Prozent der Bevölkerung mobilisiert. «Eine schönere Widerlegung, dass Landesausstellungen – also eine Erfindung des 19. Jahrhunderts – nicht zeitgemäss sind, gibt es nicht.»

Zudem werde das Bedürfnis steigen, wieder physisch etwas zu unternehmen, betont wiederum Burgener. Klar müsse eine neue Expo gut in den Sozialen Medien eingebettet sein und die Leute wollten in der heutigen Zeit mehr dabei sein und eine Expo mitgestallten.

Gegenwert von zwei Kreiseln

Das Interesse an Grossanlässen ist da. Lag es also am Geld? Die Expo.02 habe den Steuerzahler pro Besucher 100 Franken gekostet, sagt Heller. Der Planungskredit, der im Kanton Thurgau bei der Expo 2027 fällig gewesen wäre, sei preislich der Gegenwert von zwei Verkehrskreiseln. Wenn man diese Kosten zum Beispiel mit den Aufwendungen für die UBS-Rettung vergleiche, dann relativiere sich alles. «Und dann ist man sehr schnell bei der Frage: Will – und nicht: kann! – man sich das leisten?», fragt Heller. Aber: «Die Schweiz weiss überhaupt nicht mehr, wie reich sie ist. Es ist pervers, in einem solchen Land von Geldnöten zu sprechen.»

Wenn es also nicht am Geld lag, lag es vielleicht am Selbstbewusstsein der Promotoren? Es fehle im Moment vor allem an der Lust, etwas Neues anzugehen, sagt der ehemalige künstlerische Direktor der Expo.02. Vielen genüge das, was schon da ist. Eine Landesausstellung mache man vor allem für die nächste Generation und nicht für die eigene, betont Heller weiter.

Eine Landesausstellung mache man vor allem für die nächste Generation und nicht für die eigene, betont Heller weiter. Ähnlich sieht es auch Tony Burgener: Es herrsche ein falsches Bewusstsein und man wiege sich in falscher Sicherheit. Dabei sei die Identität der Schweiz auch wichtig.

Was ist denn das Erfolgsrezept?

Angesichts solcher vieler Stolpersteine – gibt es denn ein Erfolgsrezept dafür, wie man eine Landesausstellung so gestaltet, damit sie auch vom Volk angenommen wird? «Unter den Bedingungen, die der Bund vorgibt, kann man es gar nicht anders anpacken, wie es angepackt wurde», betont Heller. Es brauche immer einen Planungskredit. Man könne auch einen Gotthard-Tunnel nicht bauen ohne Vorstudien – bloss ziehe das dort niemand in Zweifel. «Und: Es braucht ein Feuer für die Sache», so Heller.

Ernüchternd das Urteil von Burgener: «Auch die nächste Expo wird bis zum Eröffnungstag nicht unter einem guten Stern stehen, das ist so.» Doch Polemik und Debatte seien gut und eine Mitwirkung der Bevölkerung bringe viel.

Eine Alternative zu einer grossen Landesausstellung könnte eine regelmässigere kleinere Expo, wie zum Beispiel die Institution der Kulturhauptstädte sein, schlägt Burgener vor. Dies gebe der ganzen Diskussion einen anderen Drall und wäre einfacher zu verteilen, meint Burgener.

Martin Heller

Martin Heller im Porträt
Legende: hellerenter.ch

Der gebürtige Basler studierte an der Uni Basel unter anderem Kunstgeschichte. Nach verschiedenen Kuratierungen und Ausstellungsprojekten war er von 1999 bis 2003 künstlerischer Direktor der Expo.02 im Seeland. Seit 2003 ist er selbstständiger Kulturunternehmer mit verschiedenen Mandaten im In- und benachbarten Ausland.

Tony Burgener

Tony Burgener im Porträt
Legende: glueckskette.ch

Der gebürtige Walliser war mehrere Jahre Delegierter des IKRK in Afrika und im Nahen Osten. Er war unter anderem auch Medienchef beim «Walliser Bote» Bei der Expo.02 leitete Tony Burgener die Abteilung Media und Public Relations. Danach war er auch fürs IOC und für die Agentur Burson-Marsteller tätig. Seit 2012 ist er Direktor der Glückskette.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von A. Moser (AM)
    "Aus der Traum für eine Expo in der Schweiz" - Naja, manchmal ist es besser, rechtzeitig aus einem Albtraum zu erwachen! :-)
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  • Kommentar von S. Platter (S.Platter)
    Die Expo.02 war wunderbar. Schön, dass ich sie erleben durfte.
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  • Kommentar von Markus Breitschmid (Markus in Washington)
    Was die beiden Herren Heller und Burgener in Ihrem Lobgesang nicht sagen, ist dass die Expo 2002 weniger Besucher hatte also die Expo 1964 obwohl die Bevölkerungszahl sowie die Mobilität und die durchschnittliche finanziellen Möglichkeiten dieser Bevölkerung viel höher waren als 1964. Es ist halt so: bereits 2002 war nicht so das Gelbe vom Ei. Landesausstellungen sind wohl tatsächlich ein Ding einer alten Zeit.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Tja Herr Breitschmid, es war damals eine andere Zeit. Damals an der Expo 1964 an welcher ich damals gewesen bin. An der sog. Landi war ich nicht, da hat es mich noch gar nicht gegeben. Beide Ausstellungen damals blieben in guter Erinnerung all jener die diese Zeit erlebt haben. Nur mit der Expo 02 hapert es, da gab es doch einige Misstöne der ganz besonderen Art, wie auch bei der 700-Jahr Feier. Da haben sich etliche Kulturschaffende nun doch etwas zu sehr, lassen wir das es ist Vergangenheit.
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