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Schweiz Ausbeutung und Schikane: Menschenhandel in der Schweiz

Arbeitsausbeutung ist die häufigste Form von Menschenhandel in der Schweiz. Die Opfer müssen oft bis zu zwanzig Stunden täglich arbeiten – ohne Lohn und ohne Rechte. Mit den Flüchtlingen hat sich die Lage noch verschärft. Der Kanton Genf geht neue Wege, um das Problem zu bekämpfen.

Legende: Video Menschenhandel in der Schweiz abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.11.2016.

20 Stunden Arbeit am Tag, keinen Lohn, keine Rechte: Jasmine erlebte die Hölle. Mit 14 Jahren wurde die Marokkanerin von einer Bekannten in die Schweiz geholt. Anstatt wie versprochen in Genf zur Schule gehen zu dürfen, musste sie für die Familie arbeiten – unter täglichen Schikanen und ohne Bezahlung. «Ich habe das Frühstück gemacht, das Abendessen, den Abwasch. Ich musste das Geschirr von Hand abwaschen, obwohl eine Abwaschmaschine da war», erzählt Jasmine gegenüber SRF.

46 Fälle von Arbeitsausbeutung im Jahr 2014

Jasmine ist kein Einzelfall. In der Kriminalstatistik 2014 wurden in der Schweiz 46 Fälle von Arbeitsausbeutung erfasst. In 15 Fällen kam es zu Verurteilungen. Das Problem hat sich mit den Flüchtlingen noch verschärft.

Was die Betroffenen gemeinsam haben, ist, dass sie angelogen und betrogen wurden. Sie waren in totaler Abhängigkeit ihrer Auftraggeber und wussten nicht, wie sie entkommen können.
Autor: Anne Marie von Arx VernonDirektorin Frauenhaus «Coeur des Grottes»

Im Genfer Frauenhaus «Coeur des Grottes» finden die Frauen, die Schreckliches erlebt haben, Zuflucht. Ein Drittel der 40 Bewohnerinnen sind Opfer von Menschenhandel. Anne Marie von Arx Vernon, Direktorin des Frauenhauses, kennt gegen 200 Betroffene: «Was sie alle gemeinsam haben, ist, dass sie angelogen und betrogen wurden. Man hat ihnen etwas vorgegaukelt. Sie waren in totaler Abhängigkeit ihrer Auftraggeber und wussten nicht, wie sie entkommen können», sagt von Arx Vernon.

Opfer dürfen von Polizei nicht als Täter angeschaut werden

Opfer von Menschenhandel haben oft Angst vor Repressionen und gehen deshalb nicht zur Polizei. Die Fälle aufzudecken ist deshalb schwierig und gelingt nur, wenn Ärzte, soziale Einrichtungen, Arbeitsämter und die Polizei zusammenarbeiten.

Genf hat eine Polizeibrigade, die auf Menschenhandel spezialisiert ist. Diese Arbeit verlange von Polizisten, dass sie die Sache etwas genauer anschauen, als man das früher gemacht habe, sagt Romain Grand, Leiter der Brigade gegen Menschenhandel: «Wenn wir Schwarzarbeiter entdecken in einem Restaurant oder in einem Haushalt, dürfen wir nicht nur daran denken, dass diese Personen gegen das Gesetz verstossen, weil sie keine Bewilligung haben. Sondern wir müssen zuerst schauen, ob sie ausgebeutet werden.»

Da nicht nur Frauen von Menschenhandel betroffen sind, soll in Genf bald auch eine Notunterkunft für männliche Opfer bereitgestellt werden.

(Sendebezug: Tagesschau, 19.30 Uhr)

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Auf welcher Rechtsgrundlage ist sie denn eingereist? Entweder mit Visum und legal, dann aber sicherlich mit einer Einladung. Soweit ich weiss, gibt es extra ein Aufenthaltsrecht für Schulbesuch/Studium. Warum führen die lokalen Behörden keine Liste und kontrollieren den Aufenthalt? Schulbesuch/-zeugnisse kontrollieren, Rückticket einfordern, Ausreise überwachen-wäre schnell zu ermitteln. Wenn sie aber illegal eingereist ist, dann - tönt brutal - ist unglaubwürdig, dass sie nix gewusst hätte.
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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler)
    Das passt doch zu uns, unsere Bundesrätin für Justiz reist gerne in der Welt umher, aber bei uns sind wir nicht fähig gegen die Ausbeutung vorzugehen. Ja ja ich höre schon das Wehklagen, es versteht sich von selbst , das die die einen Vorteil heraus holen sich natürlich nicht daran beteiligen , ist wohl klar. Da sind sogar Politiker/in daran beteiligt.
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Wo sind dieTäter? Diplomaten, Migranten, Schweizer?.
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