Ausländische Zahnärzte füllen die Löcher

Jedes Jahr kommen mehr ausländische Zahnärzte in die Schweiz. Neue Praxismodelle mit flexibleren Öffnungszeiten sind auf das Personal angewiesen. Hiesige Dentisten klagen derweil über mangelnde Auslastung.

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Zahnärzte unter Konkurrenzdruck

1:52 min, aus Tagesschau vom 7.8.2016

Zähne bleichen oder Löcher flicken – sieben Tage die Woche, 15 Stunden am Tag. Damit wirbt die Grosspraxis der Zahnarztkette Swiss Smile am Zürcher Hauptbahnhof. Acht Patienten können hier gleichzeitig behandelt werden – Zahnarztversorgung quasi jederzeit.

Der Geschäftsführer von Swiss Smile, Jürg Trepp, ist überzeugt, dass man mit diesem Angebot dem Bedürfnis der Patienten entgegenkomme: «Längere Öffnungszeiten, samstags, sonntags oder spät am Abend zum Zahnarzt gehen. Das ist heute der Trend», so Trepp.

Zu wenig Schweizer Nachwuchs?

Dass bei den grosszügigen Öffnungszeiten auch mehr Personal benötigt wird, liegt auf der Hand. 270 Mitarbeiter beschäftigt der Zahnarztunternehmer an seinen zwölf Standorten in der Schweiz. Zwei Drittel der Zahnärzte kommen aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland. Denn der Nachwuchs aus den Schweizer Universitäten reicht nicht aus.

«Alleine mit den Schweizer Studienabgängern könnten wir unseren Bedarf nicht decken. Wir sind darauf angewiesen, dass ein gewisser Pool von hochwertigen Zahnärzten in die Schweiz kommt», erklärt Trepp.

Jeder zweite Zahnarzt kann Praxis nicht auslasten

Genau das aber kritisieren viele Schweizer Zahnärzte: Jährlich steige die Anerkennung ausländischer Diplome und damit auch die Konkurrenz für heimische Spezialisten. Eine Garantie für bessere Zahnbehandlungen sei das nicht, ist Christoph Epting von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft überzeugt.

Kommt hinzu, dass viele Schweizer Zahnärzte über Patientenschwund klagen. Laut einer Umfrage der Zahnärzte-Gesellschaft kann jeder zweite Zahnarzt seine Praxis nicht mehr auslasten.

Epting kritisiert denn auch die Gleichbehandlung ausländischer Diplome: «Die Patienten wissen in der Regel nicht, über welchen Ausbildungsstandard die zugezogenen Zahnärzte verfügen.» An den Schweizer Universitäten betrage eine zahnmedizinische Ausbildung rund 9000 Stunden, während diese in anderen europäischen Ländern teils lediglich 5000 bis 6000 Stunden umfasse, gibt Epting zu bedenken.

Abschied vom klassischen Modell?

Beim Zahnarztunternehmer prallt dieses Argument ab. Seine ausländischen Zahnärzte würden nicht nur gleiche Qualität bieten, sondern auch mehr Bereitschaft und Flexibilität. Vielmehr richte sich das klassische Hauszahnarzt-Modell zu wenig nach den neuen Bedürfnissen der Patienten aus: «Da müsste wahrscheinlich ein gewisses Umdenken stattfinden», so Trepp.

Vor allem Praxen in den Städten und Agglomerationen stehen wegen des Überangebots unter Druck. Und für zusätzliche Konkurrenz sorgen Angebote im Ausland: Sogenannte «Zahn-Reisen» locken mit billigen Behandlungen, zum Beispiel nach Ungarn.