Auslandschweizer sorgen sich um Austauschstudenten

Wie weiter nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative? Diese Frage versuchten die Auslandschweizer an ihrer Delegiertenversammlung zu beantworten. Vor allem mit Blick auf die Streichung des Austauschprogramms Erasmus+ äusserten sie sich besorgt.

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Auslandschweizer debattieren über Zuwanderungsinitiative

1:46 min, aus Tagesschau vom 22.3.2014

Mehr als 450'000 Schweizerinnen und Schweizer wohnen in der EU. Sie haben die Zuwanderungsinitiative der SVP am 9. Februar deutlich abgelehnt – mit rund zwei Drittel der Stimmen. Welche Auswirkungen die Annahme der Initiative auf das Leben der Auslandschweizer hat, haben diese in Bern an ihrer Delegiertenversammlung diskutiert.

Der Leiter der Direktion für europäische Angelegenheiten (DEA), Henri Gétaz, versicherte den Delegierten zwar, dass bereits erworbene Rechte beibehalten würden. In den nächsten drei Jahren werde sich kaum etwas ändern. Damit vermochte er die Gemüter der Delegierten aber nicht zu beruhigen.

Sorge um die Jugend

Die Forschung und die Jugend seien bereits Opfer der Abstimmung geworden, sagte ein Delegierter mit Verweis auf die sistierten Verhandlungen zum Studentenaustauschprogramm Erasmus und dem Forschungsprogramm «Horizon 2020».

«Viele von uns betrifft es zwar nicht mehr, aber unsere Jugend ist betroffen», sagte Vorstandsmitglied Elisabeth Michel. Das sei eine Katastrophe.

Mit grosser Mehrheit stimmten die Delegierten dafür, einen offenen Brief an die Schweizer Regierung und die EU mitzuunterzeichnen. Im Schreiben wird zur Solidarität mit Studierenden aufgerufen, die aufgrund der Entwicklungen vom Austauschprogramm Erasmus ausgeschlossen werden.

Deutliche Ablehnung zur Zuwanderungsinitiative

Jacques-Simon Eggly, Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO), verwies in seiner Rede darauf, dass die Auslandschweizer in der EU die Personenfreizügigkeit und deren positiven Auswirkungen täglich erleben könnten.

Ohne besondere administrative oder rechtliche Hürden überwinden zu müssen, hätten Schweizer heute die Möglichkeit, in einem EU-Staat zu studieren, sich niederzulassen und eine Arbeitsstelle anzunehmen. Diplome würden automatisch anerkannt.

Vor diesem Hintergrund sei es leicht zu verstehen, dass die Auslandschweizer tendenziell offener über Fragen zur internationalen Politik oder Migrationspolitik abstimmten. In allen Kantonen, welche die Stimmen separat auszählten, hätten die Auslandschweizer die Zuwanderungsinitiative abgelehnt, sagte Eggly.

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