Unter der brütenden Nachmittagshitze glitzert die Birs zwischen Basel und Birsfelden BL verlockend, und unter einer Schnelle verheisst eine tiefere Stelle Erfrischung. Doch wer dort ins Wasser steigt oder den Hund baden lässt, riskiert eine Busse von 100 Franken respektive eine Anzeige.
Vor bald drei Wochen wurde dieses Badeverbot verhängt, um drohende Fischsterben zu vermeiden. Untersagt ist auch das Befahren mit Schlauchbooten, Stand-up-Paddels und Ähnlichem. Das Verbot gilt für mehrere Birs-Abschnitte oberhalb sowie für den Fluss Wiese zwischen Basel und Weil am Rhein (D). Dort sind bereits vereinzelt Äschen und Nasen verendet.
Der unterste Birs-Aabschnitt zwischen der Redingbrücke und der Mündung in den Rhein am «Birsköpfli» ist sehr beliebt als Naherholungsgebiet mit Erfrischungspotenzial. Just dort flattern jetzt Absperrbänder entlang des Ufers und erklären Infotafeln Hintergründe.
An einem Montag über Mittag ist am Basler Ufer des Birsköpfli der Andrang überschaubarer als am Wochenende. Anwesende sagen SRF, das Badeverbot werde inzwischen gut eingehalten, anfangs weniger. Ein Mann sagt, er habe dieses Mal auch darauf verzichtet, das Badetuch auf dem Kies beim gesperrten Bereich hinzulegen, und sei rheinwärts ausgewichen. Eine Frau kritisiert derweil, das Badeverbot sei «schlecht signalisiert».
Laut Stadtbasler Behörden wird das Verbot meist gut eingehalten, aber am Birsköpfli weniger. Darum setze man dort Security-Personal ein, das die Polizei zum Büssen rufen könne.
Wenn man das Badeverbot gut begründet, dann haben die Leute wohl Verständnis.
Der Biologe Daniel Küry ist zufrieden mit der Akzeptanz des Badeverbotes. «Wenn man es gut begründet, dann haben die Leute wohl Verständnis.» Das Verbot gelte ja nicht generell und dauernd. Er verweist auf Erfahrungen von Rangern am Fluss Wiese auf der anderen Seite von Basel. Dort habe die anfänglich schwache Akzeptanz mit besserer Kommunikation deutlich zugenommen.
Trubel im Wasser sei nicht nur an den tieferen Stellen ein Problem, wohin sich grössere Fische zurückziehen, sondern auch in den flacheren Zonen am Ufer, mahnt Küry. Dort würden Jungfische durch Watende verscheucht, neben Nachwuchs von Forellen und Aeschen auch solcher anderer Arten.
Andrang in Bach und «Bach»
Baden in Fliessgewässern ist in Basel Sommer-Volkssport – am Feierabend und Wochenende tummeln sich Hunderte im «Bach», wie Einheimische den Rhein nennen. Touristiker werben stolz damit – und mit unüberhörbarem Erfolg. Die Behörden verweisen denn auch darauf, dass im Rhein sowie in Fluss- und Bachabschnitten ohne Verbote das Baden weiterhin möglich sei.
Allerdings werden mit den weiter sinkenden Pegelständen badetaugliche Stellen seltener. Dazu kommen unangenehme Organismen, denen Wärme behagt. Namentlich die Blaualge kann, wenn man viel davon schluckt, die Leber schädigen – und Hunde sogar töten. Das giftige Bakterium breitet sich bereits an der Mündung der Ergolz in den Rhein bei Augst BL aus.
Um Konflikte mit Hunden im Rhein zu entschärfen, hat Basel zwei legale Hunde-Badezonen eingerichtet. Vierbeiner dürfen in markierten Zonen im Breitequartier und beim Tinguely-Museum, ohne an der Leine sein zu müssen, plantschen.
Küry geht davon aus, dass sich mit Hitzesommern wie diesem das Artenspektrum in den Flüssen verändern könne. Es bringe auch nichts mehr, wie früher Forellen zu züchten und in Bächen einzusetzen. Ein Hitze-Badeverbot begrüsst er jedenfalls ausdrücklich, um Fischen zusätzlichen Stress zu ersparen.