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Schweiz Banken gegen Bundesrat: Streit um Zinsen von Kleinkrediten

Kaum hat der Bundesrat den Maximalzins für Kleinkredite auf 10 Prozent gesenkt, wollen Banken und das Gewerbe die Obergrenze erneut erhöhen. Dies bestätigt der Gewerbeverband gegenüber der «Tagesschau». Morgen wird ein Vorschlag in der zuständigen Kommission des Nationalrats besprochen.

Legende: Video Angriff auf «zu tiefe» Zinsen abspielen. Laufzeit 02:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.08.2016.

Erst im letzten Dezember beschloss der Bundesrat eine Senkung der maximal erlaubten Zinsen bei Kleinkrediten. Seit 2003 betrug diese Wuchergrenze beim Zins 15 Prozent. Seit dem 1. Juli 2016 liegt diese Grenze nun bei 10 Prozent. Diese Änderung folgte über eine geänderte Verordnung, musste also nicht durchs Parlament.

Die betroffenen Banken und das Gewerbe finden die Zinsgrenze von 10 Prozent allerdings zu tief. Nur etwas mehr als einen Monat nach der Einführung der 10-Prozent-Grenze wollen sie eine höhere Obergrenze. Die «Tagesschau» weiss: Das Thema ist an der morgigen Sitzung der Wirtschafts- und Abgabenkommission (WAK) des Nationalrats traktandiert.

Gewerbeverband will Detailhandel stützen

Gewerbeverband-Direktor Hans-Ulrich Bigler befürchtet, dass durch den niedrigeren Maximalzins weniger Kredite vergeben werden: «Der tiefere Zins führt zu weniger Krediten und damit zu weniger Konsum. Wir sind aber daran interessiert, dass der Detailhandel vor dem Hintergrund der schwierigen Wirtschaftslage nicht noch zusätzlich belastet wird.»

Betroffen von der Rückkehr zu höheren Zinsen wären gemäss Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung nur die beiden Marktführer Cembra Money Bank und Bank Now. Alle anderen Banken würden bei Kleinkrediten bereits jetzt tiefere Zinsen verlangen. Dies weise darauf hin, dass diese beiden Banken unverhältnismässig grosse Risiken eingingen und damit auch an Kunden einen Kredit vergeben, die sich diesen gar nicht leisten können.

Tieferer Maximalzins soll zu weniger Schuldenproblemen führen

«Wir sind manchmal überrascht was für Risiken die Banken bei der Kreditvergabe eingehen», so Roncoroni. Beim neu gesenkten Maximalzins würden weniger problematische Kredite vergeben, ist sich der Schuldenberater sicher.

Dem widerspricht Bank Now und weist darauf hin, dass sie ein natürliches Interesse hat, dass die Kredite zurückbezahlt werden. Dementsprechend kläre sie die Risiken umfassend ab. Auch Hans-Ulrich Bigler kontert den Vorwurf von Roncoroni: «Es gibt eine sorgfältige Bonitätsprüfung und die Vergangenheit zeigt, dass es kaum zu Ausfällen kam.»

Ursprünglich wollte der Bundesrat mit der Senkung des Maximalzinses einen Ausgleich schaffen zwischen der Schuldenprävention einerseits und den Interessen der Banken andererseits. Ob dies bei einem Maximalzins von 10 Prozent gelingt oder ob man zu einem anderen Regime wechseln soll, wird nun morgen als erstes in der WAK diskutiert.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Sparen bringt keine Zinsen. Jedoch überall klotzig abzocken das könne die Banken immer besser. Es gibt nur eine Antwort: Mehr Kontrolle der Geldinstitute und Gros- Firmen durch den Staat.Nicht gerade den Kapitalismus abschaffen deswegen, aber die Leitplanken strenger setzen.
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  • Kommentar von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
    Langsam aber sicher geht das Gejammer des Gewerbeverbandes und aus Wirtschaftskreisen auf die Nerven. Bigler möchte also den Konsum fördern durch Kredite, sprich durch Verschuldung... Kann man schon gar nicht mehr als kurzsichtige Sichtweise bezeichnen, eher als blind oder einfach nur dumm. Passt zum schnellen Wachstum und hohen Profiten, die den Scherbenhaufen danach nicht einkalkulieren... Kleinkredite sollte man besser ganz verbieten.
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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber (Nivi)
    Wer einmal (irrtümlich) sein Konto überzieht, muss mit ähnlich hohen Zinsen rechnen, wie bei einem ungedeckten Kleinkredit, unabhängig davon, wie hoch das deponierte Gesamtvermögen bei der Bank ist. Auf Anfrage verteidigt sich z. B. die PostFinance mit dem Argument, dass das alle Banken so handhaben.
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