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Verheerende Frostschäden Bauern bangen um ihre Existenz

Die Frostnächte der letzten Tage hatten verheerende Folgen für Schweizer Bauern. Besonders betroffen waren Obst- und Weinbauern. Das ganze Ausmass der Zerstörung wird aber erst in den nächsten Wochen sichtbar.

Legende: Audio «Frost trifft Obstproduzenten besonders hart» abspielen. Laufzeit 4:36 Minuten.
4:36 min, aus Echo der Zeit vom 26.04.2017.

«Wir haben den schlimmsten Frost seit vielen Jahrzehnten erlebt», sagt Georg Bregy, Direktor des Schweizer Obstverbandes. Für einzelne Betriebe sei die Situation sogar existenzbedrohend.

Stark betroffen sei Steinobst – also etwa Kirschen, Zwetschgen und Aprikosen. Dieses befand sich während den Frostnächten bereits im Stadium der kleinen Früchte und war deshalb besonders anfällig.

Bei anderem Obst wie etwa Äpfeln und Birnen sehe es nicht ganz so schlimm aus. «Man muss allerdings auch sagen, dass man die Situation dort noch nicht so gut abschätzen kann», sagt Bregy. Man müsse in den nächsten Wochen sehen, ob sich die Früchte noch entwickeln. Er gehe aber davon aus, dass auch diese Früchte in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Keine Versicherung gegen Frostschäden

Am grössten seien die Schäden in der Nordwestschweiz und im Mittelland. Besser sehe die Situation in Richtung Genfersee, im Wallis oder am Bodensee aus. Einige Regionen hätten zwar Schutzmassnahmen gegen den Frost angewendet. Die besonders erfolgreiche Frostberegnung sei aber an vielen Orten gar nicht verfügbar, andere Massnahmen wie etwa Frostkerzen wirken bei Temperaturen wie sie in den letzten Tagen vorkamen, nicht.

Eine erfrorene Apfelblüte
Legende: Verzweiflung bei den Obstbauern Obstbauern haben besonders stark unter den Frostnächten gelitten: eine erfrorene Apfelblüte in Endingen (De). Keystone

Eine Versicherung gegen Frostschäden gebe es für Obstbauern nicht. Vorbereiten könne man sich auch nicht wirklich darauf. Es werde für die Branche schwierig werden, Lösungen für die betroffenen Betriebe zu finden.

Den Konsumenten wird der Ausfall aber laut Bregy nicht gross auffallen. «Es wird etwas mehr importiert werden aber die Märkte sind stabil», sagt er.

Weinbauern warten auf die Hiobsbotschaft

«Die Situation ist verehrend», sagt auch Robin Haug vom Verband Deutschschweizer Weine. Nahezu jedes Anbaugebiet sei betroffen, in vielen Gebieten betrage der Schaden bis zu 100 Prozent.

Das bedeute zwar noch immer keinen vollständigen Ernteausfall, da es Triebe gebe, die noch nachwachsen. «Die sind aber etwas weniger fruchtbar», so Haug. Den wirklichen Schaden könne man aber erst abschätzen, wenn man die Fruchtbarkeit und Anzahl dieser Triebe kenne.

Abgestorbene Reben in Winningen (DE).
Legende: Weinbauer warten auf Hiobsbotschaft «Nach dreissig frostfreien Jahren geht man nicht von Frost aus», sagt Robin Haug vom Verband Deutschschweizer Weine. Abgestorbene Reben in Winningen (De). Keystone

Wichtig sei jetzt, dass es nicht noch weitere Frostschäden gebe. «Wenn diese Triebe jetzt austreiben würden und dann nochmal dem Frost ausgesetzt wären, wäre das fatal», sagt Haug.

«Nach dreissig frostfreien Jahren geht man nicht von Frost aus»

Frostjahre habe es in den vergangenen 30 Jahren nahezu nie gegeben – bis zum letzten Jahr. «Damit, dass es in diesem Jahr gleich nochmals zu Schäden kommen würde und dass diese sogar noch viel schlimmer sein würden als im letzten Jahr, hat niemand gerechnet», sagt Haug. Auch in der Geschichte sei es nie vorgekommen, dass zwei Frostjahre hintereinander stattfanden.

Für Winzer gebe es eine Frostschutzversicherung. Diese werde aber sehr wenig genutzt. «Nach dreissig frostfreien Jahren geht man nicht von Frost aus.» In den Verbänden kläre man derzeit ab, ob man eine Hilfe vom Bund und den Kantonen anfordern werde.

Schweizer Wein werde es in diesem Jahr zwar bestimmt geben. «Bei gewissen Produkten aus der Deutschschweiz könnte es aber eng werden», sagt Haug. Wirklich werde sich das Ausmass der Zerstörung aber erst zeigen, wenn man den Schaden sehe – also etwa in einem Monat.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Rösli (Ursus-Beatus)
    Keine Angst, liebe Bauern, der Bundesrat bzw. das Steuervolk wirds schon richten!
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      Urs Rösli denke,dass nicht nur sehr viel Geld verloren geht,sondern dass auch ein grosser mehr Aufwand an Arbeit dahinter steht. Damit Pflanzen gedeihen und spriessen können,brauchen sie sehr viel Pflege, gleichzeitig sind diese Pflanzen sehr Wetterabhängig, somit ist das Risiko grösser,als in geschützten Stätten, da Bäume, Erdbeerfelder usw. im freien stehen.Man wird sehen was uns die Natur noch alles beschert. Ernteausfälle gab es leider schon das letzte Jahr,2x hintereinander ist eher krass.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @U. R.: Tauschen Sie? 7 Tage/Woche, nach 8 Std. noch kein Feierabend, keine 5 Wochen Urlaub, keine bezahlten Überstunden, jeden Morgen 7 x die Woche früh um 4, 5 Uhr aus den Federn. Raus bei jedem Wetter & ca. CHF 3000.- Netto/Monat Lohn? Sind wir Konsumenten bereit, mehr für heimische & gute Produkte zu zahlen & verabschieden uns endlich von der "Geiz ist Geil-Mentalität", haben auch unsere Bauern mehr Lohn für ihre harte Arbeit & müssten weniger subventioniert werden, gell.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Bauernpleiten --> Bauland. Alles gut in diesem Land. Oder?
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  • Kommentar von Marc Hofer (M. Hofer)
    Wenn unsere lieben (Gross-) Bauern mal keinen Grund zu Jammern haben. Zu Kalt, zu Warm, zu Trocken, zu Nass etc. ich kann es nicht mehr hören.Für jeden Mist-/Steinhaufen Subventionen abkassieren, da bleibt ihnen natürlich genug Zeit zum jammern.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Und wenn dann Produkte aus der Landwirtschaft deshalb alle teurer werden, dann jammern die Konsumenten, oder fahren für ihre Einkäufe ins Ausland. Denke, wenn ihre Arbeit, worin sie viel Zeit investiert haben vernichtet würde, würden auch sie jammern. Und betrachtet man die kleinen Nettoeinkommen der meisten Bauern, sind sie eben auf gute Ernten inkl. Subventionen angewiesen. Persönlich schätze die Arbeit von Bauern höher ein, als diejenige von vielen Schreibtischtätern mit viel höheren EK.
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