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Schweiz Baustelle Krisennetz: Bund überlegt Zugang für Schweizer Banken

Abhörsicher soll es sein – das neue staatliche Kommunikationsnetz für Krisen- und Notfälle. Doch laut «Tagesschau» soll das Netz auch Schweizer Grossbanken im Alltag zur Verfügung stehen. Ein unnötiges Sicherheitsrisiko?

Legende: Video Bankenzugang zum Krisennetz abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.01.2014.

Der Bund plant für den Kriegs- und Krisenfall ein eigenes, abhörsicheres Kommunikationsnetz. Das «Führungsnetz Schweiz» soll 2,5 Milliarden kosten. Auch Dritte sollen Zugang zum Netz erhalten und das Glasfasernetz im Alltag nutzen dürfen.

Das bestätigt André Duvillard, Delegierter des Sicherheitsverbunds Schweiz. Er leitet und koordiniert das Projekt im Auftrag des Bundesrats. Duvillard will, dass im Vergleich zum bestehenden Verteidigungsnetz Schweiz neben der Armee und den Blaulichtorganisationen vermehrt auch Dritte dieses Netz nutzen dürfen.

Das könnten AKW, Flughäfen, Nahrungsmittelverteilzentren und Schweizer Banken sein. Aus seiner Sicht wären das allesamt Firmen und Institutionen, welche im Katastrophenfall die Funktions- und Handlungsfähigkeit des Landes aufrechterhalten.

Kostenbeteiligung der Banken soll verhandelt werden

Banken sollen dabei im Krisenfall den Geld- und Zahlungsfluss im Land gewährleisten. «Im letzten Juni gab es die strategische Führungsübung des Bundesrats. Das Szenario war eine Cyberattacke und die Banken waren stark betroffen. Es gab keine Möglichkeit mehr Zahlungen vorzunehmen», so Duvillard.

Unbestritten ist der Zugang für die Nationalbank zum neu geplanten Netz. Zur Diskussion stehen weiter Kantonalbanken, die UBS, CS, Postfinance und Raiffeisen. Diese sollen das Netz nicht nur im Krisenfall nutzen können. «Wenn gewisse Akteure das Netz im Alltag brauchen, ist es viel einfacher dieses Netz in der Krise zu brauchen», erklärt Duvillard.

Wie und ob sich die Banken an den Kosten des Netzes beteiligen sollen, wird Gegenstand der Verhandlungen. Die Banken wollten sich zum Thema noch nicht äussern, weil das Projekt erst in der Anfangsphase sei.

«Netz inklusive der Banken wäre ein attraktives Ziel»

IT-Sicherheitsexperte Guido Rudolphi von der internationalen Firma NetMon sieht im Netzzugang der Banken ein erhöhtes Risiko für das abhörsichere Bundeskommunikationsnetz.

Daten von Schweizer Banken seien weltweit heissbegehrt. «Man kann dann ein Netz angreifen, hat die Daten vieler Banken und als Zugemüse noch die Daten eines Staates. Das ist ein sehr attraktives Angriffsziel.»

In den nächsten Wochen wird der Bundesrat das Netzprojekt beraten. Dann braucht es die Zustimmung des Parlaments. Für den Bau und die Inbetriebnahme hat André Duvillard einen Zeitplan vorgelegt. Das Netz soll 2020 funktionsfähig sein.

(maiu;webk)

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Groeschel, Bremerhaven
    Ich bin kein Fachmann, aber vielleicht wäre es besser ein abhörsichere Netz für den Bund zu schaffen und in einem separaten Gebäude die anderen Server für Banken, etc. die dann aber dasselbe abhörsichere Glasfasernetz benutzen.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Sinnlos - solange das gleiche Netz verwendet wird, sind die zwei Server-Standorte verbunden... Man müsste eine physikalische Trennung (jeder sein eigenes Netz) machen für das... Aber wie ich unten schrieb: es waren nie Schweizer, die Bankdaten verkauften... Die Probleme liegen auf einem anderen Level...
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Gut ist, das man etwas machen will und es ist in jedem Fall besser, als es via Bluetooth zu senden. Aber das ganze ergibt nur Sinn, wenn man welche Belauscher (die es auf jeden Fall geben wird) mit drakonischen Massnahmen bestraft - auch wenn es die NSA ist. Schliesslich ist ein Belauscher ein Sicherheitsrisiko für das ganze Land. Und Banken gehören in das Netz, weil kleinkriminelle Sniffer und Co auszuschliessen wäre ein Sicherheitsvorteil für dich und mich.
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  • Kommentar von W. Pip, ZH
    Wahrscheinlich geht es vielmehr um die Aushebelung der Netzneutralität als um Ausfallsicherheit. Das passt wunderbar ins Bild der Annäherung an umliegende Undemokratien.
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