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Schweiz Benzin- und Diesel-Engpass: Die Schweiz zapft Notreserve an

Weil in der Schweiz nur noch eine einzige Raffinerie in Betrieb steht, ist das Versorgungsrisiko bei einem Ausfall umso grösser. Dies ist nun geschehen. Um den Engpass zu überbrücken, werden derzeit die Pflichtlager angezapft.

Eine Luftaufnahme der Raffinerie.
Legende: Die Raffinerie Cressier ist die einzige Erdölraffinerie in der Schweiz. Keystone

Um einen Benzin- und Diesel-Engpass in der Schweiz zu verhindern, werden derzeit die Pflichtlager angezapft. Die temporäre Knappheit hat drei Gründe:

  1. Die einzige Schweizer Raffinerie, jene im neuenburgischen Cressier, steht wegen einer technischen Panne still. Dies ist der wichtigste Grund.
  2. Der Rhein führt zurzeit wenig Wasser. Die Schiffe können darum nicht voll beladen werden, weshalb auf diesem Weg nicht mehr Benzin oder Diesel importiert werden kann.
  3. Die Deutsche Bahn ist stark ausgelastet und kann nicht zusätzliche Treib- und Brennstoffe in die Schweiz transportieren.
Legende: Video Benzinengpass in der Schweiz abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.10.2015.

Aufgrund dieser Punkte wird derzeit auf die Pflichtlager zurückgegriffen, wie Lucio Gastaldi, Chef Sektion Pflichtlager beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) mitteilte. Zuvor hatten bereits die «Handelszeitung» und das Westschweizer Fernsehen RTS darüber berichtet.

Benzin- und Dieselvorräte für 4,5 Monate

«Die Firmen können vorübergehend Pflichtlagerware beziehen», bestätigte Gastaldi. Beim Diesel seien 50 Millionen Liter zur Verfügung gestellt worden, beim Benzin 40 Millionen Liter. Das sei absolut gesehen viel, mache aber nur 2,5 Prozent des gesamten Benzins und 4,5 Prozent des Diesels in den Pflichtlagern aus.

Wenn gar nichts mehr importiert werden könnte, würde die gesamte Pflichtlagermenge bei einem normalen Verbrauch für 4,5 Monate reichen. Im Moment wird aber nur reduziert importiert. Entsprechend länger reichen die Vorräte.

Der Bund rechnet damit, dass sich die Situation entschärft, sobald die Raffinerie in Cressier (NE) wieder in Betrieb geht. Dies ist voraussichtlich Mitte nächster Woche der Fall. Die Raffinerie produziert einen Viertel der in der Schweiz verkauften Raffinerieprodukte.

Leck an Wärmetauscher

Der Grund für den Stillstand in Cressier sei ein Leck an einem Wärmetauscher, sagte Florence Lebeau, Sprecherin von Varo Energy. Die Zuger Firma ist Besitzerin der Raffinerie. Die Reparaturen seien im Gange, dauerten aber noch gut eine Woche, sagte Lebeau.

Seit Tamoil den Betrieb in der Raffinerie Collombey im Wallis eingestellt hat, ist Cressier die einzige verbliebene Schweizer Raffinerie. Varo Energy kaufte sie 2012 dem früheren Besitzer Petroplus ab. Die neue Eigentümerin hat in diesem Jahr bereits rund 50 Millionen investiert, um die Infrastruktur zu modernisieren.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    Was solls - ich fahre elektrisch mit Solarstrom vom Dach...
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich denke, dass es hier im verschleierten Hintergrund auch um die Umweltschäden geht + die RaffinerieBesitzer für vergangene Schäden verantwortlich gemacht werden. Die Schweiz lässt Fabrikbesitzer jahrzehntelang machen wie sie wollten +setzt keine Grenzen (auch AKWs), nur damit das Geld rollt, +jetzt will man die Betreiber als allein Schuldige zahlen lassen. Da zieht sich natürlich jeder zurück. Man hätte früher gemeinsam Schutz finanzieren müssen, nun sind beide Schuldig. CH ist hinterhältig!
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