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Schweiz «Bersets Vorschlag könnte kontraproduktiv sein»

Höhere Franchise – mehr bezahlen: So möchte es Gesundheitsminister Alain Berset. Der Vorschlag sorgt auch eine Woche nach seiner Bekanntgabe noch für Irritation. Denn so werde alles nur teurer, warnen Ärzte und Patientenvertreter.

Mehrere Menschen strecken ihre Krankenversichertenkarte in die Kamera.
Legende: Versicherte mit der höchsten Franchise sollen mehr Prämien bezahlen. Keystone

Jährlich 440 Franken mehr Prämie sollen Versicherte mit der höchsten Franchise zahlen. Für Ärger sorgt dieser Preisschub beim höchsten Arzt der Schweiz, beim FMH-Präsidenten Jürg Schlup: Damit würden ausgerechnet jene Versicherten bestraft, die Arztrechnungen bis 2500 Franken selber zahlten und gar nie erst an ihre Versicherung schickten.

Nun würden wohl viele von ihnen zu einer tieferen Franchise wechseln, sagt Schlup. «Ich rechne damit, dass dadurch mehr Rechnungen eingereicht werden. Rechnungen, die heute aus der eigenen Tasche bezahlt werden.»

«Das könnte kontraproduktiv sein»

Das bedeute höhere Kosten bei den Versicherungen. «Das könnte die Gefahr einer Prämienerhöhung in sich bergen», sagt Schlup. Er äussert seine Meinung als Arzt, nicht als FMH-Präsident. Denn die Ärztevereinigung arbeitet noch an einer Stellungnahme.

Ganz ähnlich klingt es auf der Seite der Patienten-Vertretung, bei Margrit Kessler, der Präsidentin der Stiftung Patientenschutz: «Das könnte kontraproduktiv sein. Die Kosten könnten steigen statt sinken.» Und doch, sagt Kessler, leide derzeit die Solidarität zwischen Kranken und Gesunden.

Mit der Solidarität argumentiert auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dort rechnet Helga Portmann aber nicht damit, dass nun massenhaft Versicherte von einer hohen zu einer tiefen Franchise wechseln: «Auch mit den neuen Rabatten zahlt man immer noch 1100 Franken weniger, wenn man in der höchsten Franchise ist. Es ist nicht zu erwarten, dass die Leute in die tiefste Franchise wechseln und damit einen Prämienaufschlag von 1100 Franken in Kauf nehmen.»

Wer Recht hat, wird sich ab 2017 zeigen. Dann soll der Entscheid von Gesundheitsminister Berset umgesetzt werden.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Barrer, Schleitheim
    Für mich ist die Krankenkasse immer noch eine Versicherung, und kein Sozialwerk. Die Prämien sollen die Kosten der entsprechenden Versicherungsteilnehmer decken. Wenn eine Versichertengruppe höhere Franchisen zu zahlen bereit ist. soll diese Gruppe die entsprechenden Einsparungen über eine kleinere Prämie zurückerhalten.
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  • Kommentar von Gregor wyder, Biel
    Krankenkassen sollen ihre prämien nur noch der jahresteuerung entsprechend erhöhen dürfen - es kann nicht sein, dass die jedes jahr steigenden prämien einfach easy auf prämienzahler und bund&kantone abgewältzt werden - das ist einfach zu einfach und logisch würd ich als gesundheitssystem mich auch so verhalten, weil ich weiss, dass es eh bezahlt wird - seit 1990 schlagen krankenkassen ca. 5 prozent im jahr drauf...
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  • Kommentar von m.marty, buch
    Irgendwie ist man im Bundeshaus weit weg von der Realität. Solidarität mit den Kranken ist vollkommen i.O., das ist der Grundgedanke von der Krankenkasse, dem ist Nichts dagegen zu halten. Wenn man die Kosten für diese ausufernde Gesundheitsindustrie in den Griff bekommen will, darf man nicht die Gesundheits- und Systembewussten bestrafen. Irgendwie müsste an die Selbstverantwortung jedes Einzelnen appelliert werden.
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