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Mieten in der Schweiz «Billige Mieten in Städten bleiben ein Wunschtraum»

Die Mieter bekommen mehr «Marktmacht», sagt ein Experte. Klingt gut, doch vielerorts bleibt günstiger Wohnraum rar.

SRF News: Der Referenzzinssatz bei Mieten entwickelt sich zugunsten der Mieter. Kann man von einem nachhaltigen Trend sprechen?

Fabian Waltert, Wohnmarkt-Experte bei der Credit Suisse: Diese Trendwende zeichnet sich seit dem vergangenen Jahr ab. Die Mietpreise sind seit dem letzten Jahr praktisch nicht mehr gestiegen, sie haben weitgehend stagniert. In gewissen Orten konnten sogar leichte Rückgänge verzeichnet werden. Gleichzeitig stehen zunehmend Mietwohnungen leer und sie werden länger auf Portalen ausgeschrieben, bis Mieter gefunden werden. Diese Entwicklung dürfte sich im laufenden Jahr fortsetzen.

Im Unterschied zu den Agglomerationen oder dem ländlichen Raum bleibt das Preisniveau in den Städten hoch, der Wohnraum bleibt knapp.
Wohnungsbesichtigung in der Stadt Zürich.
Legende: Typisches Bild in grösseren Schweizer Städten: Der Andrang bei Wohnungsbesichtigungen ist jeweils gross. Keystone/ARCHIV

Kann man sagen, dass sich die Marktmacht nun zugunsten der Mieter verschiebt?

Grundsätzlich kehrt sicher mehr Marktmacht zu den Mietern zurück. Sie werden eine grössere Auswahl auf dem Wohnungsmarkt antreffen und sich immer öfter über etwas tiefere Mieten freuen können.

Günstiger Wohnraum im Zentrum – gerade in Städten wie Zürich dürfte das trotzdem ein Wunschtraum bleiben?

Im Unterschied zu den Agglomerationen oder dem ländlichen Raum bleibt das Preisniveau in den Städten hoch, der Wohnraum bleibt knapp. Wir rechnen auch dort mit einer gewissen Entspannung – aber natürlich von einem sehr hohen Niveau ausgehend. Von billigen Mieten den Städten kann man weiter nur träumen.

In welchen Regionen kommen die Mieten am ehesten ins Rutschen?

Dort, wo wir in der Vergangenheit die stärksten Anstiege verzeichnet haben, etwa am Genfersee, insbesondere in der Region Genf selbst. Aber auch in gewissen Ortschaften am Zürichsee, etwa in der Region Pfannenstiel und Zimmerberg. Allerdings sind dort die Rückgänge, die wir bereits letztes Jahr verzeichnet haben, noch relativ bescheiden. Das Preisniveau ist weiter sehr hoch.

Bei der Nachfrage ist bei Mietwohnungen die Zuwanderung matchentscheidend. Und die war in den letzten Jahren eher rückläufig.

Wie sieht es an den weniger begehrten Orten aus?

Ausserhalb der Zentren und der Hochpreisregionen rechnen wir noch nicht mit einem Rückgäng der Mietpreise, zumindest nicht auf breiter Basis. Die Preise steigen dort teilweise weiterhin, und die Niveaus sind natürlich noch deutlich tiefer als in den Schweizer Städten.

Kann man überhaupt von einem einheitlichen Schweizer Mietmarkt sprechen?

Nein. Die Märkte sind regional sehr unterschiedlich. Immerhin: Wir stellen gesamtschweizerisch einen Trend zu einem Rückgang des Mietpreiswachstums fest. Ein Rückgang des Mietpreisniveaus ist jedoch erst in vereinzelten Regionen der Fall.

Was sind die wichtigsten Indizien, dass sich das Blatt zugunsten der Mieter wenden könnte?

Auf der Angebotsseite ist es so, dass in den letzten Jahren sehr viele neue Mietwohnungen gebaut worden. Alleine im vergangenen Jahr sind rund 24'000 Mietwohnungen fertiggestellt worden, im aktuellen dürften es sogar 27'000 sein. Auf der Nachfrageseite ist bei Mietwohnungen insbesondere die Zuwanderung matchentscheidend. Und die war in den letzten Jahren – wenn auch von hohem Niveau ausgehend – eher rückläufig. Im letzten Jahr hat die Schweiz eine Netto-Zuwanderung von rund 60'000 verzeichnet, im Vorjahr waren es über 72'000.

Das Gespräch führte Jan Baumann.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Was ist denn noch günstig oder billig in unserem durch die Politik künstlich erhaltenen Hochpreisinsel Heimatland. Bürger Normalo wird Allseits kräftig zur Kasse gebeten. Ändern wird sich daran wohl nichts. Diejenigen die das Sagen haben, verdienen ja auch kräftig mit.
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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    B. Hermann hat recht, mit einem bescheidenen Lebensstil konnte ich als Otto-Normalverdiener und langjähriger Mieter schliesslich mein eigenes Haus kaufen. Heute besitze ich sogar mehrere Liegenschaften, die ich vermiete. Dass man sich an den Mieten dumm und dämlich verdient ist aber nicht wahr und trifft nur auf spezielle, sehr gesuchte, an Top-Lage Liegenschaften zu, oder ungepflegte Altbauten, die trotzdem zu "ortsüblichen" Zinsen vermietet werden.
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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    An die Neider, die wieder die EFH Besitzer als Landfresser darstellen: Mir gefallen die EFH Siedlungen mit den Ziegeldächern, Gärten, Bäumen und Sträuchern viel besser, als die kürzlich erstellten "verdichteten" Flachdach Wohnghettos, wo es keinen Platz für ein bischen Grün hat. Mein Vater war "Pöschteler" und hat sich 1960 trotzdem ein EFH mit 6 Zi und 700m2 Umschwung leisten können. Für viele ginge das immer noch, würde man das Land nicht der unbegrenzten Zuwanderung opfern.
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