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Schweiz Bohrlöcher in AKWs: Ensi reicht Strafanzeige ein

Wegen Zwischenfällen in den Atomkraftwerken Beznau und Leibstadt reicht die Nuklearsicherheitsbehörde Ensi bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeigen ein. Im Visier stehen unter anderem Greenpeace-Aktivisten, die im März das Reaktorgebäude des AKW Beznau bestiegen.

Greenpeace-Aktivisten hängen gelbe Banner an eine Wand.
Legende: Diese Greenpeace-Aktion vom März 2014 ist dem Ensi ein Dorn im Auge. Keystone/Archiv

Die Strafanzeige des Ensi wegen der Bohrlöcher im Kernkraftwerk Leibstadt ist am Mittwoch bei der Bundesanwaltschaft eingegangen. Die sechs je knapp sechs Millimeter grossen Bohrlöcher hatte eine externe Firma ins Containment – also in die Schutzhülle – des Atomkraftwerks gebohrt, um dort Feuerlöscher zu montieren.

Man habe den Fall im Zusammenhang mit den Vorschriften des Kernenergiegesetzes angeschaut, erläutert Ensi-Sprecher Sebastian Hueber. «Dabei sind wir zum Schluss gekommen, dass es Anhaltspunkte gibt, dass Strafbestimmungen des Kernenergiegesetzes verletzt worden sind. Deshalb haben wir Anzeige bei der Bundesanwaltschaft eingereicht.»

Strafe bei gefährlicher Beschädigung

Das Kernenergiegesetz sieht Strafen für Personen vor, die Bestandteile von Atomkraftwerken beschädigen, die wesentlich sind für die Sicherheit. Die Anzeige des Ensi richte sich gegen diejenigen, die für diese Beschädigungen verantwortlich sind, sagt Hueber.

Wer das ist, muss jetzt die Bundesanwaltschaft klären. Diese prüfe die Anzeige, teilt sie mit. Beim Kernkraftwerk Leibstadt KKL heisst es lediglich, man nehme die Anzeige zur Kenntnis.

Das Atomkraftwerk wurde bereits am Mittwoch vom Ensi gerügt. Es hätte das externe Personal, das die Löcher für die Feuerlöscher bohrte, besser betreuen müssen, hält die Atomaufsichtsbehörde fest.

Greenpeace spielt den Ball zurück

Die Strafanzeige wegen der Bohrlöcher ist nicht die einzige, die das Ensi bei der Bundesanwaltschaft deponiert hat. Eine zweite Anzeige betrifft Greenpeace-Aktivisten, die im März auf das Gelände des Atomkraftwerks Beznau eingedrungen waren. Kletterer entrollten dabei ein Banner am Reaktor Beznau 2. Dabei hätten einzelne Aktivisten Löcher die Schutzhülle gebohrt, schreibt das Ensi.

Das Ensi will von eigenen Verfehlungen ablenken.
Autor: Florian KasserAtom-Campaigner bei Greenpeace

Inhaltlich will sich Greenpeace dazu derzeit nicht äussern. «Ich kann mich zu den Anzeigen nicht äussern, weil ich deren Inhalt nicht kenne», sagt Florian Kasser von Greenpeace lediglich.

Greenpeace spielt den Ball ans Ensi zurück: Das Nuklear-Sicherheitsinspektorat erwecke mit seinen Anzeigen den Eindruck «dass das Ensi von den eigenen Verfehlungen ablenken will», so Kasser. «Wir wissen alle, dass in Beznau erhebliche Sicherheitsdefizite vorhanden sind. Das Ensi versucht nun einfach den Schwarzen Peter weiterzureichen.» Denn die Bohrlöcher für die Feuerlöscher hätten die Ensi-Inspektoren schon selber entdecken müssen.

Mit der Anzeige des Ensi, stehen Aktivisten der Umweltschutz-Organisation nun selber im Verdacht, Löcher ins Containment eines Atomkraftwerks gebohrt zu haben.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Edwin Sun, bienne
    Die Fachleute sagen mir, unsere AKW's sind sicher. Die Regierung schickt mir Jodtabletten für den Fall, wenn etwas passiert. Ich bin etwas verunsichert. Wem soll ich jetzt glauben?
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    1. Antwort von Hans Müller, Zürich
      Beiden. Es ist wie bei einem Auto, dessen Sicherheit auf gestaffelten Vorkehrungen basiert. So haben Sie zunächsts Warnsysteme im Auto, dann ein Bremssystem, anschliessend ein Notbremssystem, dannach einen Gurt, anschliessend einen Airbag. Obwohl Sie wohl ihren Bremsen vertrauen, ist es von von Vorteil und empfehlenswert auch den Airbag zu behalten sowie sich anzugurten. Mfg
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    2. Antwort von M.Müller, Zürich
      Keinem! Die Sicherheit wird als Restrisiko verpackt. Das Restrisiko sagt aus, dass etwas passiert (alle Werte grösser 0 = es wird passieren), aber es sagt nicht wann auf der Zeitachse (heute, morgen..?). Jodtabletten schützen vor dem Radioaktiven Jod bei einem Gau. Jodtabletten nützen nichts bei einem Gau gegen die grossen Gifte wie Plutonium, Cäsium usw. Achtung: Alle Sachwerte sind nicht Versichert bei einem Gau! Sicher ist, AKW's sind gefährlich! mfg M.Müller
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  • Kommentar von Ingrid Betschart, Schattdorf
    Die Greenpeace-Aktivisten haben doch was gutes gemacht. Sie haben gezeigt wie einfach man in das Gelände kommt. Stellt euch doch vor das wären Terroristen gewesen die das AKW angreifen wollten. So einfach wäre das also gegangen. Das sollte den Betreibern des AKW zu denken geben und die Absicherung des Geländes verbessert werden.
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    1. Antwort von Hans Müller, Zürich
      Was schadet ein Terrorist auf dem Gelände zwischen dem Zaun und den Betonstrukturen? Die Kronjuwelen lagern wohl ein paar Barrieren tiefer in den Gebäuden. Des Weiteren: soweit ich mich erinnert habe, war die Polizei innert Minuten vor Ort. Mfg
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  • Kommentar von C. Blanco, Tanndorf
    Ist das nun die neuste Masche von Greenpeace? Wenn die "prognostizierten" Supergau's bei unseren alten Kernkraftwerken nicht eintreten will, muss Greenpeace nachhelfen... Hoffen wir, dass diese Typen wissen was sie tun... Da vertraue ich dem ENSI doch eher als den "Handwerklichen" Fähigkeiten von Greenpeace aktivisten...
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