Branche fordert mehr Energie aus Windkraft

Strom aus Wind gibt's in der Schweiz erst wenig. Und geht es nach der Energie-Strategie des Bundes, wird sich daran auch in Zukunft nur wenig ändern. Zu Unrecht, findet die Branche und rechnet vor, wie viel Schweizer Strom aus Windenergie kommen könnte.

Die Branche ist überzeugt, dass viel mehr Potential in der Wind-Energie steckt, als der Bundesrat vorrechnet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Branche ist überzeugt, dass viel mehr Potential in der Wind-Energie steckt, als der Bundesrat vorrechnet. Keystone

Der Branchenverband Suisse-Eole sieht nicht einfach ein bisschen mehr. Suisse Eole sieht fast dreimal so viel Potential für die Windenergie in der Schweiz wie der Bundesrat.

Statt 4 Terawattstunden (TWh), rechnet Suisse Eole mit bis zu 11 TWh, die sich nachhaltig und auch wirtschaftlich in der Schweiz nutzen liessen.

Reto Rigassi, Geschäftsführer von Suisse-Eole erklärt: «Das kommt einerseits von den neuen Anlagen, die mit grösseren Rotor-Durchmessern mehr produzieren können, ohne, dass die Anlagen grösser werden.» Und andererseits erlaubten neue Empfehlungen oder Vorgaben der Hersteller, die Anlagen näher beieinander zu bauen.

2035: doppelt so viel Energie

Mit diesen neuen Grundlagen könnten bis 2035 die Wind-Parks bereits doppelt so viel Strom produzieren, wie das Kernkraftwerk Mühleberg heute produziert, nämlich rund 6 TWh. «Für die 6 TWh, die wir als Ziel formuliert haben, genügen 120 Windparks mit durchschnittlich 7 bis 8 Anlagen.»

Bis 2035 6 TWh. Der Bund rechnet mit gut dreimal weniger. Markus Geissmann, Bereichsleiter Windenergie beim Bundesamt für Energie gibt denn auch zu: «Das Bundesamt für Energie hat sehr vorsichtig gerechnet bei der Festlegung des Ausbauziels für die Windenergie.»

Haltung der Bevölkerung

Es sei wahrscheinlich richtig, dass mit dem technischen Fortschritt das Potential bei der Windenergie besser ausgeschöpft werden könne. «Entscheidend ist aber für den Ausbau der Windenergie die Haltung der Bevölkerung in den Standortregionen. Sie muss von den Vorteilen der Windenergie überzeugt werden, sonst können diese Anlagen gar nicht realisiert werden.»

Heute stehen in der Schweiz erst 32 Windanlagen – die Hälfte davon auf dem Mont Crosin im Berner Jura, dem ersten und grössten Windpark der Schweiz. Zahlreiche weitere Projekte sind derzeit mit Einsprachen blockiert. Einige davon schon seit 15 Jahren.

Verfahren beschleunigen

Da sieht auch der grüne Nationalrat Bastien Girod das grösste Problem. «Es braucht sicher eine Beschleunigung der Verfahren. Heute dauert es in der Schweiz, auch im Vergleich zum Ausland, sehr lange bis man ein Projekt realisieren kann. Das schreckt die Investoren hab. Da haben wir sicher noch den grössten Handlungsbedarf.»

Doch das Beschwerderecht ist ein heisses Eisen. Wer es anpackt und versucht einzuschränken, riskiert sich daran die Finger zu verbrennen.

Das angestrebte Ausbauziel von Suisse Eole ist deshalb sehr ambitiös. Nicht primär weil das Wind-Potential zu klein wäre, sondern weil bis heute viele Windanlagen bis vor Bundesgericht bekämpft werden. Angesichts dieser Tatsache, sind die Berechnungen des Bundes wohl realistischer. (basn;bru)